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Die Zeit am Schlagzeug ist endgültig vorüber, das hat sein Sohn übernommen. Altmeister Phil Collins singt nur noch.

Popstar

Phil Collins geht noch einmal auf einen musikalischen Trip

Phil Collins kann nicht mehr Schlagzeug spielen. Auf neue Musik hat er aber keine Lust. Nun sind auf einer CD-Box alte Songs mit vielen Stars, an denen Phil Collins mitgewirkt hat.

Dass er das Zeug zum Weltstar hat, war 1969 noch nicht absehbar. Da trommelt der langhaarige Phil Collins (18) unauffällig und leicht amüsiert vor der Kamera. Immerhin singt er auch damals schon als Mitglied der Gruppe „Flaming Youth“ bei „Guide Me, Orion“ mit. Knapp 50 Jahre später eröffnet dieser melodische Pomp-Rock-Song Collins’ neue Werkschau. „Plays Well With Others“ ist eine musikalische Sammlung von Sessionarbeiten und Kollaborationen.

„Das Album ist nicht unbedingt für jeden was“, sagt Collins, „eher für Fans und Musiker und solche Leute gedacht.“ Die Vier-CD-Box ist keine dieser Best-Of-Zusammenstellungen, die zu Weihnachten erscheinen. Hier geht es um den Schlagzeuger und den Produzenten Collins. Als Sänger ist er seltener zu hören – etwa zusammen mit Quincy Jones bei „Stormy Weather“ oder mit einer Pianoversion seines Megahits „In The Air Tonight“, ganz ungewohnt ohne Schlagzeug.

Die Liste der Künstler, mit denen der 67-Jährige über die Jahrzehnte zusammengearbeitet und die er hier versammelt hat, ist beeindruckend. Pop- und Rockstars wie Paul McCartney („Angry“), David Crosby („Hero“), Chaka Khan („Watching The World“) oder „Tears For Fears“ („Woman In Chains“) sind genauso darunter wie Jazzgitarrist Al Di Meola („Island Dreamer“), Soundpionier Brian Eno („No One Receiving“) und der ehemalige „Led-Zeppelin“-Sänger Robert Plant („Pledge Pin“). Vor allem bei den Songs aus den 80er Jahren ist eine klangliche Handschrift erkennbar. Etwa bei der Hitsingle „I Know There’s Something Going On“ von „ABBA“-Sängerin Frida und dem weniger bekannten Albumtrack „Just Like A Prisoner“ von Blues-Ikone und Collins-Kumpel Eric Clapton. „Er hat ein paar Mal gesagt, dass das einer der besten Gitarrentracks ist, die er jemals aufgenommen hat“, freut sich Collins. „Da bin ich sehr stolz drauf.“

Ebenso wie auf die Liveaufnahmen auf der vierten CD. Beim Konzert „Party At The Palace“ zum 50. Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. trommelte er am Buckingham Palast in der britischen Hauptstadt unter anderem für Clapton, Joe Cocker und Annie Lennox. „Es gab ein paar großartige Auftritte an dem Tag“, schwärmt er, „und es war ein Privileg, das Schlagzeug zu spielen.“

Die Veröffentlichung von „Plays Well With Others“ hat für den Sänger einen bittersüßen Beigeschmack. Denn seit ein paar Jahren kann er nicht mehr Schlagzeug spielen. „Es geht nicht“, sagt er. „Ich kann den Stick nicht fest genug halten.“ Die Resignation in seiner Stimme ist nicht zu überhören. „Ich wäre bescheuert, wenn ich sagen würde, es fehlt mir nicht.“

Besonders scheint es ihn zu stören, wenn bei seinen Konzerten das legendäre Break von „In The Air Tonight“ ansteht. „Die Leute denken, dass ich vielleicht doch spiele“, sagt Collins. „Sie haben gelesen, dass ich nicht spiele. Aber insgeheim hoffen sie, dass es der Abend wird, an dem ich es doch tue. Es wäre schön, wenn ich das könnte.“

Der fünffache Vater tröstet sich damit, dass an seiner Stelle nun sein 17 Jahre alter Sohn Nicholas auf dem Schlagzeughocker sitzt. „Er klingt auch wie ich. Ohne ihn würde ich nicht diese Konzerte geben.“ Ein eigenes Drum-Comeback schließt er aus. Nach einer Rückenoperation ist Collins’ rechter Fuß gelähmt. Er geht am Stock und kann nicht mehr autofahren. Seine Auftritte absolviert der Sänger, der demnächst in den USA, in Australien und Neuseeland auf Tournee geht, deshalb im Sitzen. Nach der Scheidung von seiner dritten Frau Orianne im Jahr 2008 lebt er inzwischen wieder mit ihr und den gemeinsamen Kindern in Miami. Privat läuft es rund für ihn. Die Alkoholsucht ist überwunden.

Neue Musik ist nicht geplant, obwohl das letzte Album mit neuen Songs („Testify“) schon 16 Jahre her ist. „16 Jahre? Um Gottes Willen!“, staunt Collins und lacht. „Ich sollte wohl mal wieder einen Finger bewegen und etwas Neues machen.“ Doch ihm fehlt die Motivation. Er verspüre keinen Drang, neue Songs zu schreiben, gesteht er. Zwar mache er sich ab und zu Notizen für Texte und Melodien. „Aber ehrlich gesagt, ich hab kaum etwas gemacht. Ich war zu faul.“

Auch auf Aktivitäten mit „Genesis“, die auf der neuen CD-Box nur mit der Single „No Son Of Mine“ vertreten sind, sollte man nicht warten. Oder doch? „Ich glaube, wenn wir alle zusammenkommen würden und das alte Zeug spielen würden, würde uns das schon begeistern“, sagt er. Immerhin veröffentlicht Collins mit „Plays Well With Others“ nun eine hochklassige Zusammenstellung. Klar, dass einige der progressiven, psychedelischen und experimentellen Tracks nicht jedem gefallen. Aber auf den vier CDs ist noch genug vielseitige und großartige Musik zu entdecken, die nicht nur Kenner begeistern wird. Der Drummer und Produzent Phil Collins ist mindestens so spannend wie der Sänger.

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