Mainzer Staatstheater

Pubertät im Schwimmbecken

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Asli Kislal tauchte das Mainzer Staatstheater-Unterdeck „U17“ mit der Regie zum preisgekrönten Jugendroman „Die Sprache des Wassers“ in fiktive Fluten.

Schön realistisch und doch leicht surreal, wie Birgit Kellner (Ausstattung) uns der Bühne gegenüber gleichsam ins Wasser wirft. Frontal zu sehen ist das eine Ende eines mehrbahnigen, in Blautönen gekachelten Sportbeckens, wobei die Bahnentrenner aus Kunststoff aus Mangel an echtem Wasser gen Himmel streben. Sprungblöcke fehlen, dafür ist eine Seite, wo sonst Zuschauer beim Wettbewerb sitzen, mit zur Absprungseite verschoben. Ganz schön kubistisch das Ganze, zumal manche Auftritte durch jalousienartige Klappen im gedachten Wasser erfolgen, alle Videobilder vom Schwimmen an die Hinterwand projiziert sind und ein Spind (Klappe auf: Schultafel), der auch noch laufen kann, ein Stück Serviceraum hinzuzaubert.

Gespielt wird für Jugendliche (von 12 Jahren an), wobei das bisschen sexuelle Freimut der pubertierenden Hauptfigur Kasienka (Gesa Geue) kein Problem darstellen sollte. „Kay“, wie die missgünstigen Mitschülerinnen Claire und Marie sie nennen, ist 13 und kommt samt Mutter aus Polen nach Deutschland (im Buch Sarah Crossans: nach England), der Vater ist ausgebüchst, und die Mutter sucht ihn. Während Kasienka an ihrer neuen Schule leidet und sich erst nur am geliebten Schwimmen, an guten Mathe-Noten und ihrer Expertise über die Dichteanomalie des Wassers, dann auch am Schwimmer (Alexander) festhalten kann, rutscht die manische Mutter mit ihrem „Ich will weiter“ signalisierenden Regenmantel in bleierne Betrübnis, als Töchterchen den Papa findet: am Arm einer andern, mit neuem Kind. Die Rückkehr ins Paradies ist also versperrt. Kasienka kommt nach einer Weile damit klar, richtet sich ein, zeigt Widerstandskraft und ist beim Jugendschwimmen in Berlin wieder glücklich.

Jugendlichen wird diese saubere, einfühlsame Inszenierung wohl schon der schrillen Momente wegen gefallen, wenn Leoni Schulz und Denis Larisch, die außer Kasienka alle Rollen spielen, das groteske Lehrpersonal und die Schnepfenclique Claire und Marie mimen: perückenblond, künstlich, angemaßte Sittenrichterinnen voll pubertärer Heimtücke. Ihr Wiedererkennungswert steht außer Frage.

Im Zentrum der Geschichte, die ein wenig an Kislals erste Mainzer Regie „Als mein Vater ein Busch wurde . . .“ erinnert, steht aber nun mal die rotgelockte Gesa Geue, die in ihrer schönen grob-bunten Leinenjacke mit dem Schwimmtrikot darunter die Sprachprobleme nur andeutet, für die Verse der irischen Autorin aber lyrische Verwendung findet und in Sachen Gefühlsleben vollends einsteigt. Den Weg von den Migrantentüten im Loch von einer Wohnung („Hier heißt das Studio!“) über die verspottete Außenseiterin zu Sympathien, dann erster Liebe und endlich Anerkennung macht sie spürbar und lässt daran teilhaben. Uwe Felchles Musikauswahl feiert Nässe und Regen und geht gewitzt mit. Flott und voller Einfühlung auch diese Regie.

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