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Bei Mareike Hennig laufen die Fäden für das geplante Frankfurter Romantik-Museum zusammen. Die meisten Ausstellungsstücke für das Museum, das neben dem Goethehaus entsteht, sind bereits im Besitz des Deutschen Hochstifts.

Museum neben dem Goethe-Haus

Raum für die Romantik

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Die Kunsthistorikerin brennt für die Romantik, und sie brennt für Frankfurt. Beste Voraussetzungen für ihren neuen Job: das Romantik-Museum zu gestalten.

Es war eine Rückkehr zu ihren wissenschaftlichen Wurzeln, als Mareike Hennig vor wenigen Monaten die Leitung des Goethe-Hauses, des Goethe-Museums und der Kunstsammlung des Freien Deutschen Hochstifts übernahm. Über ihr steht jetzt nur noch Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Hauses. Als Studentin hat Hennig hier schon in den 90er Jahren als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet. „Das hat mich für alles andere verdorben“, lacht sie – und ist gleich mitten in ihrem Lieblingsthema: bei der Romantik. Denn im direkten Umgang mit den Original-Handschriften im Archiv, den Gemälden und Papierarbeiten habe sie ein geradezu körperliches Verhältnis zur Kunst entwickelt: „Ich habe verstanden, dass die Objekte, die wir hier hüten, eigene Biografien haben.“ Dieser unmittelbare Umgang fasziniere sie jeden Tag aufs Neue. Dieses „körperliche Verhältnis zur Kunst“, überlegt sie weiter, sei im übrigen etwas ausgesprochen Romantisches: Dem persönlichen Bezug zu den Dingen und dem Moment ihrer Wahrnehmung so großen Wert beizumessen, das habe es vorher nie gegeben.

Wer mit Hennig in ihrem Büro sitzt, spürt, dass sie jetzt stundenlang schwärmen könnte, von der Romantik und ihren Aufgaben der nächsten Monate und Jahre. Doch dann ruft sie sich selbst zur Ordnung, bremst ihren Enthusiasmus: 2019 schließlich soll das Haus fertig werden . . .

Unter der Woche wohnt Mareike Hennig im Nordend, ihr Mann, Germanist in Würzburg, und ihre 13-jährige Tochter hüten derweil den heimischen Winzerhof. In den nächsten Jahren, stellt sich Hennig vor, könnte ein neuer Umzug anstehen: ganz nach Frankfurt zurück.

Auf dem runden alten Tisch ihres Büros im Großen Hirschgraben steht ein Holzmodell des geplanten Romantik-Museums. Von außen lehnt sich Christoph Mäcklers Entwurf an die kleinteilige Fassadengestaltung im 18. Jahrhundert an, im Innern sollen jedoch durchgehende Etagenflächen entstehen: Das Untergeschoss ist für Wechselausstellungen vorgesehen, das Geschoss darüber für die jetzige Kunstsammlung des Hauses. Die beiden oberen Etagen sind für die Romantik reserviert. Verbunden werden sollen sie durch eine sich nach oben verjüngende Treppe – „Himmelstreppe“ nenne sie Architekt Mäckler: Von oben soll Licht hereinfallen, „so bekommt sie etwas Sehnsuchtsvolles. Das sind Glücksmomente meiner Arbeit“, sagt Hennig – wohl wissend, dass bei diesem Museumsbau von der Belüftung bis zur Unterkellerung viele komplexe Probleme gelöst werden müssen, die nicht nur Glück versprechen.

Mareike Hennig hat sich in ihrem abwechslungsreichen Arbeitsleben viel im Umfeld der Romantik bewegt: Sie war in der Graphischen Sammlung des Städels, arbeitete dann in der Berliner Akademie der Künste, war später für das zweijährige Romantik-Projekt des hiesigen Kulturfonds zuständig und hat selber 2015 die große Romantik-Ausstellung im Museum Giersch kuratiert. Ein immenses Wissen über diese Zeit hat sie sich angeeignet, das nun in die Ausgestaltung des Romantik-Museums einfließen soll.

Es gibt wohl keine Epoche, die so schwer zu fassen ist wie die Zeit um 1800. Das liegt daran, dass die Romantiker selber alle starren Strukturen ablehnten, das Leben als Gesamtkunst betrachten wollten, nach einer Einheit von Schrift, Musik, bildender Kunst, Philosophie und Natur strebten, das Fließende zum Ordnungs- bzw. Unordnungsprinzip erklärten: Wie soll man eine solche Zeit verwalten, in museale Räume zwängen?

Hinzu kommt, sagt Mareike Hennig: „Fragen Sie mal die Leute, was sie unter Romantik verstehen! Jeder etwas anderes!“ Wer im Museum nichts findet, was seiner Erwartung entspricht, wird sich enttäuscht abwenden. Wichtig sei es daher, all diese Vorstellungen – vom guten Essen bis zur romantischen Liebe – ernst zu nehmen. Doch wie kann man Themen wie Sehnsucht, das Brechen von Regeln oder die Liebe zur Natur in eine Ausstellung übersetzen? Bei Hennig laufen die Fäden für all diese Fragen zusammen. Glücklich sei sie, sagt sie wiederholt, dass sie stets das exzellente Wissenschaftler-Team des Hochstifts um sich hat.

Ein paar Häuser neben Goethes Wohnhaus stand das „Haus zum Goldenen Kopf“, in dem die Brentanos wohnten. Das Petrihaus in Rödelheim, die Brentano-Scheune in Östrich-Winkel – die nähere und weitere Region weist etliche weitere Romantiker-Stätten auf.

Der Romantik in ihrer „splitterigen Charakteristik“ ein deutsches Zentrum zu geben, dafür ist Frankfurt kein schlechter Ort. Am 13. Juni ist Spatenstich für den Neubau. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass dieser Moment nicht weniger folgenreich ist als die Nachkriegsentscheidung (gegen große Widerstände), das zerstörte Goethehaus wiederaufzubauen. Die Arbeit wird Mareike Hennig nicht ausgehen.

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