Wenn dies nicht der Leibhaftige ist, kann es nur noch Corey Taylor sein, Frontmann und Vokalist von ?Slipknot?.
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Wenn dies nicht der Leibhaftige ist, kann es nur noch Corey Taylor sein, Frontmann und Vokalist von ?Slipknot?.

Slipknot-Konzert in Frankfurt

Rock-Gespenster laden zum Schabernack

Die amerikanischen Nu-Metal-Protagonisten „Slipknot“ kamen zum lezten von vier Gastspielen in Deutschland nach Frankfurt in die Festhalle.

Von MAXIMILIAN STEINER

„My friends“, rief Corey Taylor mit deutlichem Beben in der Stimme feierlich ins ausverkaufte Hallenoval. Dann hielt der gespenstisch mit dämonischer Maske verkleidete Vokalist, der ansonsten ein Abonnement auf das böse F-Wörtchen zu haben schien, kurz inne. Mit einem Griff der rechten Hand an die Herzgegend demonstrierte er überdeutlich innige Verbundenheit mit der hierzulande riesigen Fangemeinde und verstand seine Ehrerbietung mit „My family“ sogar noch zu steigern. Als Taylor die beiden Worte aussprach, klang es, als befände sich ein Kloß im Hals des 42 Jahre alten Frontmannes. Auf recht eigentümliche Weise kontrastrierten diese sentimentalen Gefühlsausbrüche das morbide Spektakel von „Slipknot“, das an Faschingssamstag Stunden zuvor mit dem Vorprogramm von „Suicidal Tendencies“ barbarisch gestartet war. Steht doch die 1995 im US-Bundesstaat Iowa gegründete neunköpfige Hartmetall-Band mit Hang zu allerlei Mummenschanz für gefühllos in die Show integriertes Abgründiges, Ekliges, Gespenstisches und Widerwärtiges.

„Be Prepared For Hell“ hieß denn auch das Intro, nachdem in voller Länge mit „Ashes To Ashes“ aus der Konserve des verstorbenen Pop-Musikers David Bowie gehuldigt worden war. Was folgte, kam einem Besuch des Infernos aus Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ gleich. Zu wüst zersplittertem Stakkatohaftem in infernalischer Lauststärke mit Plakativem wie „The Negative One“, „Disasterpiece“, „Everything Ends“ und „Wait And Bleed“ spulte sich auf einer riesigen Projektionsfläche permanent visuell Albtraumhaftes ab. Gleich drei Schlagwerker, Jay Weinberg im Hintergrund sowie die rechts und links am vorderen Bühnenrand platzierten Chris Fehn und Shawn Crahan, deren opulente Blechkübel sich auf hydraulisch ausfahrbaren Podesten befanden, sorgten für den nötigen Wumms. DJ Sid Wilson gab öfter den Verhaltensauffälligen, tanzte wie ein Derwisch, spurtete durchs Areal oder schwang die deutsche Flagge. Mitunter ergänzte er auch die Frontreihe mit Taylor, Sologitarrist Mick Thomson, Rhythmusgitarrist James Root sowie Bassist Alessandro Venturella, der seit 2014 den an einer Morphiumüberdosis verstorbenen Paul Gray ersetzte.

Derweil beteiligte sich ein mehrheitlich männliches Publikum im Innenraum am Massenwrestling, eine Art Ringelpietz mit Rempeln. Volle Bierbecher flogen ebenso durch die Luft wie Schuhe. Zum Durchatmen eigneten sich lediglich die moderateren Songbeispiele „Killpop“ und „Dead Memories“. Als Höhepunkt fungierte „The Devil In I“, worin Taylor versprach, dass gleich der Leibhaftige auftauchen werde. Immerhin explodierte zum Songende im dazugehörigen Videoclip ein gar garstiges Wesen. Mit dem Mörderkracher „Spit It Out“ neigte sich der Ausflug ins Schattenreich seinem Ende zu.

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