+
mond

Musik

Die Rockband Syrinx Call lockt das Publikum mit der Blockflöte in mystische Sphären

Frust ist, wenn ein Junge sich eine Gitarre wünscht und nur eine Flöte bekommt. Der Düsseldorfer Volker Kuinke hat die Zumutung in kreative Energie verwandelt und seine Flötentöne in Progressive-Rock-Klänge eingebracht.

Die Nymphe ruft: „Syrinx Call“ heißt die Musikgruppe um den Düsseldorfer Flötisten Volker Kuinke, die jetzt ihr zweites Album „The Moon On A Stick“ veröffentlicht hat. In der griechischen Mythologie wird das Wasserwesen Syrinx vom Hirtengott Pan aus verschmähter Liebe in Schilfrohr verwandelt, aus dem dieser sich eine Flöte schnitzt.

Eher nordisch als mediterran sind die zwölf Titel des Albums inspiriert. In Moll schwelgende Klänge verbinden Folklore und Artrock. Wer Fantasy-Filme mag, bekommt den Soundtrack fürs eigene Kopfkino. Die Filmmusik zu einem Island-Film war denn auch der Anstoß für die Zusammenarbeit von Kuinke mit der Sängerin Isgaard und dem Produzenten Jens Lueck: „Wir haben gemerkt, dass wir musikalisch auf einer Wellenlänge sind und so ist 2015 das erste Album entstanden: ,Wind in The Woods‘.“

Atmen, Fühlen und Musizieren fließen bei „Syrinx Call“ in einem großen Strom zusammen. Das liegt vor allem an der Blockflöte, die ungewöhnliche Verbindungen mit Gitarre, Schlagzeug, Keyboards, Streichern und den Stimmen von Isgaard und Kuinkes Frau Doris Packbiers eingeht. Im Titelstück „The Moon On A Stick“ zeigt die Blockflöte ein erstaunliches Spektrum musikalischer Stimmungen, vom schwelgerischen Hauptthema bis zu treibenden Rockklängen.

Hier wird das besondere Verhältnis Kuinkes zu seinem Instrument hörbar. Es begann, als er mit etwa zehn Jahren eine Blockflöte von seinen Eltern geschenkt bekam. „Ich war vollkommen entsetzt – ich wollte natürlich viel lieber eine Gitarre.“ Aber seine Eltern meldeten den Jungen gleichzeitig bei der Musikschule an – „es gab somit kein Entrinnen.“ Also habe er angefangen, sich mit diesem Instrument zu beschäftigen und „gemerkt, dass man sehr gut eigene Gefühle damit ausdrücken kann, durch den Atem, der in die Flöte dringt“. Nach dieser Initialzündung habe er wie ein Besessener geübt, erinnert sich Kuinke. „Immer wenn ich Frust hatte, habe ich mir die Flöte geschnappt, eine Platte mit Rockmusik aufgelegt und dazu improvisiert.“ Für den heute 56-Jährigen waren Pink Floyd wichtig und Bands, die mit den Etiketten Progressive Rock oder Artrock versehen sind. „Schließlich entstand der Wunsch, eigene Stücke zu schreiben und mit diesem Instrument einen besonderen Weg zu gehen.“

Es sind längst nicht nur die ruhigen und melancholischen Stimmungen, die eine Blockflöte hervorzaubert. Ob als Sopran-, Alt-, Tenor, Bass- oder gar Großbassflöte eingesetzt, erzeugt sie jeweils ihre eigenen musikalischen Sphären.

Volker Kuinke beherrscht diese Lagen meisterhaft. „The Moon On A Stick“ erhält dank der Beteiligung von Streichern, klassischen und elektrischen Gitarren, Keyboards und Gesang eine außergewöhnliche Dynamik. Dabei hinterließ Produzent, Songschreiber und Multiinstrumentalist Jens Lueck erneut seine Handschrift, brachte sich zudem auch auf dem zweiten Syrinx Call-Album als Percussionist, Keyboarder, Schlagzeuger und Sänger ein.

Seine Partnerin, die Echopreisträgerin Isgaard, mit der zusammen er bereits sieben Alben produziert hat, übernahm mit ihrer feenhaften Stimme bei drei Titeln die Lead Vocals. Doris Packbiers unterstützt bei zahleichen Vocals und Backing Vocals und prägt einen ganz besonderen Solo-Part.

Violine, Bratsche und Violoncello laden einige der insgesamt zwölf Stücke des neuen Albums enorm auf, auch weil sie teilweise im Mehrspurverfahren eingespielt worden sind. Jens Lueck simulierte bei vier Titeln dieses Albums ein komplettes Sinfonie-Orchester. Dazwischen tummeln sich immer wieder akustische, klassische oder elektrische Gitarren. Jan Petersen, Ex-Mitglied der Hamburger Progrockband Sylvan, übernahm die E-Gitarre, während Jürgen Osuchowski die akustischen und klassischen Parts beisteuerte.

Vokalisierter Backgroundgesang begleitet einige Stücke, und auf „The Man In The Spotlight“ sind Geräusche und Stimmen zu hören. „Traces In My Mind“ ist eine Hommage an die Artrockband „Eloy“, für die Volker Kuinke schon mehrfach seine Flötentöne beisteuerte. Das Album endet mit „The Man In The Spotlight“, einer Verbeugung vor Pink Floyd und „The Wall“.

Kuinke sagt: „Ich bin jetzt da angekommen, wo ich immer hin wollte.“ Noch nicht erfüllt ist indes der Traum, mit „Syrinx Call“ einmal auf Tournee zu gehen. Aber er hegt schon gewisse Pläne . . .

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare