Als wär? er noch auf dem College: Sänger Rivers Cuomo.
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Als wär? er noch auf dem College: Sänger Rivers Cuomo.

„Weezer“

Rollschuhfahren auf dem Sunset Strip

So klingt der Sommer: Die kalifornische Gitarren-Band „Weezer“ hat ein neues Album aufgenommen. Es ist fantastisch.

Die Leute können erzählen, was sie wollen – für diesen Sommer kommt nur ein Album in Frage: die zehnte Platte der kalifornischen Gitarren-Popper von „Weezer“. Da ist wirklich alles drauf, was man für einen Ausflug ins Freibad benötigt: fröhliche Melodien, fröhliche Gitarren, fröhliche Rhythmen, fröhliche Texte. Nur das Eis zum Schlecken, das muss man sich noch am Kiosk kaufen.

„Weezer“ haben seit 1992 zehn Platten aufgenommen. Das erste Album war blau und ging in die Musikgeschichte als das „Blaue“ ein. 2001 kam ein Album dazu, das eine grüne Hülle hatte – heute nennt man es das „Grüne“. Es folgten ein „Schwarzes“ (2005) und ein „Rotes“ (2008).

Die neue Scheibe ist weiß, und alle nennen sie daher die „Weiße“. Da ist nur ein Problem: Es gibt schon ein „Weißes Album“. Das allerdings wurde bereits vor rund 50 Jahren von den „Beatles“ aufgenommen und gilt gemeinhin als eine der bedeutendsten Platten seit der Erfindung der Gitarre.

Da können „Weezer“ zwar nicht mithalten, ihr „weißes Album“ ist aber dennoch eine der entscheidenden Pop-Veröffentlichungen des laufenden Jahres. Weil: „Weezer“ machen das, was sie seit 25 Jahren machen. Nur noch besser. Die Gitarren klingen richtig schön angeschmirgelt, nach Surfer-Rock und Power-Pop. Das Schlagzeug macht auf entspannten Punkrock. Und Sänger Rivers Cuomo singt noch immer von kalifornischen Mädchen – den vielleicht begehrenswertesten Wesen auf diesem Planeten.

Diese zehn Songs sind so herrlich naiv, süß und vergnügt, da vergisst man ganz schnell, dass Cuomo Literaturwissenschaftler mit Harvard-Abschluss ist. Zwar tauchen im wunderschönen Eis-am-Stiel-Lied „Wind In Our Sail“ die Biologen Darwin und Mendel auf, aber keine Angst: Es geht in diesem knackigen College-Rocker nicht um Naturwissenschaften, sondern um das schöne Gefühl, mit einem Segelboot über das Meer zu schippern. So richtig umwerfend „Beach-Boys“-mäßig ist der Song „(Girl We Got A) Good Thing“. Da gibt es reichlich „Ahas“ und „Ohos“, es gibt rumpelnde Gitarren – und es gibt den schönsten Refrain, seit „Weezer“ über „Islands In The Sun“ (2001) gesungen haben. Hinreißend ist auch die Nummer „Thank God For Girls“, in der Cuomo tatsächlich rappt, und ein schluckaufartiges Schlagzeug gerade noch so die Kurve bekommt. Ach, dieses Album ist so herzerfrischend! Man seufzt laut auf, sind die 35 Minuten zum ersten Mal durchgelaufen. Es klingt so schön, man sieht sich beim Hören Rollschuhfahren auf dem Sunset Strip in Hollywood.

„Weezer“, und das ist ja das Wunderbare an dieser Band, lassen die Finger von Ironie und Sarkasmus, auch wenn man das zunächst nur schwer glauben kann. „Weezer“ sind in der Hauptsache große Fans von „Kiss“ und „Judas Priest“. Doch waren sie niemals so abgebrüht, sich zu schminken oder sich mit mystischen Figuren auf die Bühne zu stellen. Stattdessen waren „Weezer“ in den Achtzigern kleine Highschool-Buben, die in der Garage im Wohngebiet ordentlich Krach mit ihren Gitarren machten. Dabei erfanden sie irgendwann den College-Rock, und noch immer spielt ihn niemand so perfekt wie diese vier Jungs.

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