1. Startseite
  2. Kultur

Rufen Sie besser Ihren Anwalt an

Kommentare

Im Wettbewerb um die Goldenen Bären laufen Filme von Werner Herzog und Andreas Dresen, außer Konkurrenz Werke von Margarethe von Trotta und Wim Wenders.

Von Elke Vogel (dpa)

Mit der Weltpremiere von „Nobody wants the Night“ wird am 5. Februar der jüngste Film der spanischen Regisseurin Isabel Coixet die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnen. Die spanisch-französisch-bulgarische Gemeinschaftsproduktion läuft im Wettbewerbsprogramm und spielt 1908 in der arktischen Abgeschiedenheit Grönlands. Laut Ankündigung geht es „um mutige Frauen und ehrgeizige Männer, die für Liebe und Ruhm alles aufs Spiel setzen“.

Politik und Sadomaso

Das größte Publikumsfestival der Welt gibt sich wieder politisch. Es verbindet aber Kritik aus dem Iran und Drohungen aus Nordkorea mit der Vorab-Erregung der Fans im Hinblick auf den amerikanischen Sadomaso-Erotikfilm „Fifty Shades of Grey“ nach dem gleichnamigen Soft-Porno-Buch. Letzterer hat seine Uraufführung am 11. Februar in einer getrennten Festivalveranstaltung. Brisante Filme über Religionswahn, Kindesmissbrauch und Homophobie hat Direktor Dieter Kosslick (66) für das Rennen um den Goldenen Bären ausgewählt. „Aber neben den ernsten Themen gibt es natürlich auch Unterhaltung“, sagt der Chef der Berliner Filmfestspiele.

„Das Star-Aufgebot auf dem roten Teppich kann sich wieder sehen lassen.“ Angekündigt sind (bei allen möglichen kurzfristigen Absagen) die Schauspieler Nicole Kidman, Robert Pattinson, Juliette Binoche, Natalie Portman, Helen Mirren, James Franco und Ian McKellen. Auch Cate Blanchett, Charlotte Gainsbourg, Ben Kingsley, Charlotte Rampling und der medienscheue US-Regisseur Terrence Malick reisen zu den Premieren ihrer neuen Filme im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz an.

Forscher und Attentäter

Insgesamt 441 Produktionen aus aller Welt zeigt die Jubiläums-Berlinale, 700 weitere Regiearbeiten werden auf dem European Film Market für professionelle Filmeinkäufer gehandelt. Die Deutschen sind dieses Mal ausgesprochen stark und hochrangig im Programm vertreten. Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) stellt „Elser“ über den Hitler-Attentäter Georg Elser vor. Wim Wenders („Pina“, „Der Himmel über Berlin“) ist mit dem Beziehungsdrama „Every Thing will be fine“ mit James Franco und Charlotte Gainsbourg dabei, dem einzigen 3D-Film im Wettbewerb.

In „Queen of the Desert“ von Werner Herzog („Fitzcarraldo“) spielt Nicole Kidman die britische Forschungsreisende Gertrude Bell. Auch „Twilight“-Star Robert Pattinson stand für den Film vor der Kamera. Andreas Dresen startet mit „Als wir träumten“ im Wettbewerb, in dem sich 19 Filme um den Goldenen Bären bewerben. Dresen („Halt auf freier Strecke“) zeigt als Weltpremiere die Verfilmung des Romans von Clemens Meyer über Jugendliche in Leipzig. Sebastian Schipper („Absolute Giganten“) bewirbt sich mit dem Thriller „Victoria“ um die Berlinale-Trophäe. In der Special-Reihe läuft Margarethe von Trottas „Die abhandene Welt“ mit Katja Riemann und Barbara Sukowa. Terrence Malick („Der schmale Grat“), Berlinale-Gewinner von 1999, ist mit dem philosophischen Werk „Knight of Cups“ mit dabei.

Erstmals zeigt das Festival im großen Stil eine Reihe heiß erwarteter Fernsehserien, darunter die US-Produktion „Better call Saul“, eine Fortsetzung der unübertrefflichen Serie „Breaking Bad“ über zwei Drogenhändler und ihren windigen Anwalt Saul Goodman, der die beiden aus allem raushaut. Der Macher von „Mad Men“, Matthew Weiner, sitzt außerdem in der Festivaljury. Ebenso wie der deutsche Schauspieler Daniel Brühl und die Französin Audrey Tautou („Die fabelhafte Welt der Amélie“). Chef des siebenköpfigen Gremiums ist US-Regisseur Darren Aronofsky („Black Swan“). Protest aus dem Iran gab es gegen Kosslicks Entscheidung, den heimlich gedrehten Film „Taxi“ des regimekritischen, mit Arbeitsverbot belegten iranischen Filmemachers Jafar Panahi („Offside“) zu zeigen. „Die ständige Einladung an Panahi, der vor vier Jahren Jurymitglied war und nicht ausreisen durfte, steht. Ich lade Panahi solange ein, bis er kommen kann“, so Kosslick. Die Berlinale kämpfe seit ihrer Gründung 1951 um die Freiheit von Kunst und Meinung. Drei weitere Filme iranischer Regisseure sind in den Filmreihen „Panorama“, „Forum“ und „Generation plus“ zu sehen.

Auch aus Nordkorea kamen barsche Töne: Die Diktatur warnte die Berlinale vor der Aufführung von „The Interview“ über einen fiktiven Anschlag auf Nordkoreas Machthaber. Die Kinosatire wird bei dem Festival zwar nicht gezeigt, findet sich aber auf der Nominierungsliste für einen Preis der Filmgala „Cinema for Peace“, die am Rande der Berlinale politisch engagierte Filmemacher auszeichnet. „Cinema for Peace wird sich daran beteiligen, Kopien des Films mit wasserstoffgasgefüllten Luftballons über die Grenze nach Nordkorea zu schicken“, kündigten die Veranstalter bereits an.

Für Aufregung anderer Art dürfte die Premiere der Bestseller-Verfilmung „Fifty Shades of Grey“ mit den Jungstars Dakota Johnson und Jamie Dornan sorgen. Wer von den Fans keine Karte für die Premiere am 11. Februar mehr bekommt, kann sich trösten: Schon am nächsten Tag startet das Erotik-Drama regulär im Kino.

Berlinale-Palast, Marlene-Dietrich-Platz 1, und andere Veranstaltungsorte, Berlin. 5. bis 15. Februar. Karten vom 2. Februar an zu 9 bis 13 Euro unter Telefon (030) 47 99 74 15. Internet

Auch interessant

Kommentare