Katie Melua besinnt sich auf ihre Herkunft.
+
Katie Melua besinnt sich auf ihre Herkunft.

Konzert in der Frankfurter Festhalle

Sängerin Katie Melua: An den mystischen Quellen des Lebens

  • VonJoachim Schreiner
    schließen

Die Songschreiberin Katie Melua feierte ein beeindruckendes Comeback mit winterlich anmutenden Liedern in der Jahrhunderthalle in Höchst.

Ein Gespür für dramatische Stimmungen hat sie schon seit Beginn ihrer Karriere, die kleine Georgierin mit den Mandelaugen und dem unwiderstehlichen Charme in der modulationsreichen und überaus wandlungsfähigen Gesangsstimme. Und doch ist es ein wenig gewagt, Ende Oktober schon „In Winter“ thematisch vorzudringen.

Im herbstlich dekorierten Ambiente des Saales betritt Katie Melua im langen blauen Kleid die Bühne, begleitet vom „Gori Women’s Choir“ mit 25 Sängerinnen, mit denen sie etwa zwei Jahre lang an ihrem neuen, „In Winter“ betitelten Album gearbeitet hat. Nur Bass und Keyboards legen live den watteweichen Soundteppich für eine Musik, die natürlich ganz auf die Stimmen setzt, denen wiederum eine fast mystische Aura eigen ist. Weniger an ein konventionelles Konzert, denn an einen (orthodoxen) Gottesdienst erinnert denn auch der Abend in der fast ausverkauften Frankfurter Kuppelhalle in Höchst, die auch akustisch sehr gut ausgesteuert ist, was den Musikgenuss noch einmal steigert. In ihrer georgischen Heimatstadt Tbilisi spielte Melua die neuen und doch alten, teils traditionellen Stücke ein, meist in der Landessprache verfasst, wobei der großartige und mit allen Mitteln der Vokalarrangements-Kunst disponierte Chor mitunter nur lautmalerisch agierte, was bedeutete, mit langezogenen „Aaahs“ und „Ooohs“ sakrale Stimmung zu erzeugen und das Klangbild reizvoll zu ergänzen

„Shchedryk“ (englisch: „Carol Of The Bells“) als gelungener und stimmungsvoller Konzerteinstieg ist ein ukrainisches Volkslied von 1916, dem die Joni-Mitchell-Adaption „River“ folgte, eine geradezu liebreizende Klangpreziose mit suggestiver Metaphorik: Das Leben ist sinnbildlich ein langer ruhiger Fluss, sich immer im Werden und Vergehen befindend. „Perfect World“ im feierlichen Wechselspiel zwischen Chor und Solosängerin faszinierte danach in ebenso poetischer Weise.

Ein bisschen Lebenshilfe

„Leganelul Lui Lisus“ mit Soloteil des Chors wiederum kam ein wenig früh im Turnus der Jahreszeiten als besinnliches Weihnachtslied in rumänischer Sprache daher. „Tu Ase Turpa Ikavi“ ist ein Cover-Popsong, im Original von der georgischen Sängerin Veriko Turashvili gesungen. „Dreams On Fire“ ist Höhepunkt des ersten Teil des Abends, die Bühne dazu wirkungsvoll in rotes Licht getaucht.

Nach der Pause mit Gelegenheit zur Unterstützung der örtlichen Aidshilfe erklingt „Crawling Up A Hill“, ein romantischer Popsong mit jazziger Prägung, der nur Melua mit Gitarre in den Mittelpunkt stellt. Nach „Belfast“ mit emotionalem Bezug zur irischen Stadt, zeitweise Wahlheimat der Familie Meluas, kommen die großen und unvergessenen Hits, die jeder hören will: „Call Off The Search“, „Thank You Stars“ und natürlich „Nine Million Bicycles“, dazwischen ein hinreißendes „Bridge Over Troubled Water“ als Cover von „Simon and Garfunkel“: der Abend hatte einen weiteren Höhepubnkt gefunden, wurde enthusiastisch, beinahe kultisch gefeiert.

„The Closest Thing To Crazy“ unterlegte klanglich die These vom „Wonderful Life“, das man eben genießen kann, wenn man bereit ist, sich auf die schönen Dinge des Lebens einzulassen. Insofern ist Melua auch eine Botschafterin der angewandten Lebenshilfe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare