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Schön und selbstbewusst

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An der Seite von Gary Cooper in dem Film »Wem die Stunde schlägt« (1943), nach einem Roman von Ernest Hemingway.
An der Seite von Gary Cooper in dem Film »Wem die Stunde schlägt« (1943), nach einem Roman von Ernest Hemingway. © akg-images (epd)

Die dreifache Oscar-Preisträgerin war im internationalen Film eine Größe für sich: ein echter Weltstar. Das Publikum verehrte sie vor allem für ihre Kunst, Gefühle zu zeigen.

Von Bettina Thienhaus (epd)

Schön, selbstbewusst, auf faszinierende Weise anziehend – mit ihrer Ausstrahlung und ihrer darstellerischen Begabung hat Ingrid Bergman Filme geprägt. Legendär wurde sie an der Seite von Humphrey Bogart in „Casablanca“. Vor 100 Jahren kam die Ausnahmeschauspielerin in Stockholm zur Welt. Bergman porträtierte ungewöhnliche Frauen, Kämpfertypen wie Opfergestalten. Gefühlvoll und impulsiv auch jenseits der Leinwand, versuchte sie, ihren Kopf durchzusetzen. Sie sagte „Nein“, wenn ihr etwas nicht passte, und brach mit gesellschaftlichen Konventionen. Schweden, Hollywood und Italien sind die Stationen ihrer Film- und Bühnenkarriere. „Ich bin ein Zugvogel, seit meiner Kindheit habe ich immer nach Neuem Ausschau gehalten, habe versucht, die Rollen zu wechseln, meinen Typ zu ändern“, sagte sie einmal.

Erotische Anziehungskraft

Geboren wird Ingrid Bergman am 29. August 1915. Ihre Mutter stammt aus Hamburg und stirbt, als Ingrid drei Jahre alt ist. Ihrem schwedischen Vater Justus Bergman, Kunstmaler und Fotograf, verdankt sie den Spaß am Agieren vor der Kamera. Auch er stirbt bald. Mit 13 Jahren ist Ingrid Bergman Vollwaise, wächst bei Verwandten auf und wird früh selbstständig.

Die willensstarke Jugendliche schafft es an die Schauspielschule, macht beim Film Karriere. Hollywood meldet sich, und Bergman folgt 1939 als 24-Jährige dem Ruf der Traumfabrik. Mit ihr gehen Ehemann Petter Lindström und Tochter Pia, die ein Jahr zuvor geboren worden war.

In Hollywood verweigert Bergman sich dem üblichen Prozedere, mit dem dort ein Star „geformt“ wird. Nein, keine kosmetische Operation – ihr Image zu gestalten, sei allein ihre Sache, beschied die Schauspielerin selbstbewusst. Sie beeindruckt mit ihrer natürlichen Schönheit – dem üppigen Mund, den weichen Gesichtszügen, dem träumerischen Blick.

Wie sie ihr Innerstes nach außen kehrt, Gefühle offenlegt – dafür verehren sie die Zuschauer. „In ihrem Gesicht, der Haut, den Augen, besonders dem Mund, war ein eigenartiges Strahlen und eine enorme erotische Anziehungskraft“, sagte viele Jahre später ihr Landsmann und Namensvetter, der Regisseur Ingmar Bergman. Der große Erfolg kommt 1942 mit dem legendären Hollywood-Klassiker „Casablanca“. Eine hochpolitische Geschichte um Liebe, Verrat, Verzicht, angesiedelt in Marokko. „Ich schau Dir in die Augen, Kleines“, sagt Rick (Humphrey Bogart) in der unvergesslichen Schlussszene zu Ilsa (Bergman), die auf dessen Liebe verzichtet, um ihren Ehemann zu retten. Den Typ der moralisch anspruchsvollen Frau verkörpert Ingrid Bergman häufig, so als Partisanin Maria in der Hemingway-Verfilmung „Wem die Stunde schlägt“ (1943). Ihre Lieblingsrolle als opferbereite Kämpferin ist Jeanne d’Arc. Als Bergman mit „Johanna von Orleans“ (1948) auf Promotionstour in Frankreich ist, wird sie bejubelt. „Nicht weil ich ein Filmstar war, sondern weil ich für sie Johanna war“, schreibt sie in ihrer Autobiografie, „das war bewegend“.

In diese Jahre gehört die Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock, mit dem sie mehrere Filme dreht, darunter „Ich kämpfe um Dich“ (1945) und „Berüchtigt“ (1946). Hitchcock bleibt ein lebenslanger Freund. Doch Bergman fühlt sich in Hollywood nicht mehr wohl, ihr sind die Filme nicht realistisch genug. Als sie den italienischen Episodenfilm „Paisà» im Kino sieht, ist sie von dem „schlichten kleinen Film ganz ohne Tamtam“ überwältigt und schreibt dem Regisseur Roberto Rossellini einen Brief: Sie möchte für ihn arbeiten. Bergman verlässt Mann und Kind und Hollywood, geht nach Italien und spielt in „Stromboli“ (1950) mit, Rossellinis Meisterwerk des neorealistischen Kinos.

Komödiantisches Talent

Rossellini und Bergman werden ein Paar, Sohn Robertino kommt auf die Welt. Bergmans Image kippt ins Negative, denn noch sind beide verheiratet, aber nicht miteinander. Und „offener“ Ehebruch ist Anfang der 50er Jahre ein Skandal. Bald darauf, die „wilde Ehe“ ist legalisiert, zeigt sich die Öffentlichkeit wieder versöhnt. Im Mai 1952 werden die Zwillinge Isabella und Isotta geboren. Doch auch die Ehe mit Rossellini scheitert. Bergman zieht es wieder nach Hollywood. Sie arbeitet intensiv, beweist ihr komödiantisches Talent in Filmen wie „Indiskret“ (1958), „Kaktusblüte“ (1969) und wunderbar prägnant 1974 in Sidney Lumets „Mord im Orientexpress“. Für die Rolle als verhuschtes Ex-Kindermädchen Greta bekommt sie ihren dritten Oscar. Zuvor war sie bereits 1945 für ihre Rolle in „Das Haus der Lady Alquist“ und 1957 für „Anastasia“ ausgezeichnet worden. Bergmans letzter Kinofilm, „Herbstsonate“, die Geschichte einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, entsteht 1978 in Schweden. Regie führt Ingmar Bergman. 1981 steht sie, vom Krebs gezeichnet, noch einmal vor der Kamera, in dem TV-Film „Eine Frau namens Golda“ ist sie die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir. Am 29. August 1982, ihrem 67. Geburtstag, stirbt Ingrid Bergman in London.

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