Auftritt in Offenbach

Die Schwedin Sofia Härdig meisterte sogar die S-Bahntunnel-Sperrung

Kurz und schmerzvoll war der konzentrierte Soloaufritt von Sofia Härdig beim Open Air in Offenbach. Ein Appetizer, denn im Herbst will die Schwedin mit Band zurückkommen. Das stimmt erwartungsfroh.

Die Songs ihres neuen Albums „Changing The Order“ hat Sofia Härdig in langen, einsamen Winternächten aufgenommen. Die Frage war also: Wie würde sich ihr „Late-Night-Cruise“ in ein Nachmittagskonzert im „Hafen 2“ mitten im Hochsommer übersetzen lassen? Direkt von einem Konzert in ihrer schwedischen Heimat angereist, war das mit Flug und Zug problemlos bis zum Frankfurter Hauptbahnhof. Die letzte, kurze Strecke mit der S-Bahn wurde wegen der Tunnelsperrung in den Ferien dann doch noch ein kleines Abenteuer. Zum Glück reiste Härdig mit kleinem Gepäck: E-Gitarre, Kofferverstärker, Mikro und Effektboard. Und sie fand schließlich den Weg auf die kleine Hafenbühne. Solo, denn erst im Herbst will sie mit Band in die Clubs zurückkehren.

„Illuminate“ hieß ihr erstes Stück. Noch schien die Sonne. Die Rhythmen, Harmonien und Atmosphären kamen aus der „Konserve“. Früher hätte man das als „Playback“ verteufelt, heute ist eine solche Begleitung nicht mehr verpönt. Für die Hälfte des Programms spielte sie ihre Telecaster live dazu. Und ihr Gesang traf das Publikum unter dem Sonnenschutz am Main ohnehin unvermittelt und direkt. Schließlich geht es in den Texten oft um die endlose Suche nach „dem anderen Herzen“. Da kommen dann neben Sehnsucht und romantischen Projektionen auch Wut und Verzweiflung ins Spiel. Wenn es mal richtig traurig wurde, dann öffnete der Himmel eben seine Schleusen, und der Regen prasselte wie zusätzliche Beats auf die Zeltplanen.

Die verrückte Wissenschaftlerin aus dem Laboratorium (so eine augenzwinkernde Selbsteinschätzung) entpuppte sich auf der Bühne als Rock-’n’-Roll-Performerin, so souverän agierte sie mit ihrer Gitarre. Eine imposante Erscheinung. Als Lo-Fi Post-Punk hatte man ihren auch von House inspirierten Electro-Rock-’n’-Roll schon mal bezeichnet, glaubte „New Order“ oder „The Cure“ als Inspirationen entdeckt zu haben. Tatsächlich aber überraschte Härdig, indem sie sich auf das albtraumhafte New Yorker Duo „Suicide“ bezog. Das war mal eine imponierende Widmung.

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