Frankfurter Mousonturm

Scott Matthew offenbart sich im als hoffnungsloser Romantiker

Ohne Melancholie ist die Musik von Scott Matthew nicht denkbar. Wer sie deshalb aber als schwermütig empfindet, versteht den Australier aus New York gänzlich miss. Die ihm zugetan sind, schwelgen jedenfalls in der Schönheit seiner Songs.

Im Mousonturm fühlt er sich wie zu Hause. Zum vierten Mal tritt Scott Matthew „in diesem schönen Haus“ auf und trifft da immer auf ein ihm wohlgesonnenes Publikum. Die Begrüßung fällt besonders herzlich aus. „Danke dafür, aber wir haben noch gar nichts getan. Nicht, dass ihr euren Beifall nachher zurücknehmen wollt“, feixt er und geht in die Offensive. „Habt keine Angst, wenn ich euch gleich zum Mitmachen auffordere.“ Fingerschnipsen reicht für den Anfang. Mitsingen ist erst später angesagt. „Happy End“ ist ein typischer Matthew-Song, mit dem man sich wunderbar auf die kommenden anderthalb Stunden plus Zugaben eingrooven kann. Seit seinem ersten Album 2005 hat der Sänger und Gitarrist seinen ureigenen Balladenstil kultiviert. In Keyboarder Gary Langol, Cellist Sam Taylor und Gitarrist Jürgen Stark (zudem Co-Komponist, Arrangeur und Produzent des aktuellen Albums „Ode To Others“) hat er kongeniale Mitstreiter gefunden. Die schaffen ihm als Top-Instrumentalisten und zudem enge Freunde einen Wohlfühlraum. Der verleiht ihm seit geraumer Zeit die Sicherheit, sich immer weiter zu öffnen.

Denn längst sind seine Lieder nicht mehr wir früher nur Lamentos über verlorene Lover und die Liebe in ihrer unglücklichsten und unerreichbaren Form. Der Titel „Ode To Others“ signalisiert das schon. Auch wenn man von Matthew keinen kompletten Perspektivwechsel erwarten darf, ist es keine reine Innenschau mehr. „The Deserter“ etwa erzählt von einem – wenn auch fiktiven – Soldaten, der sich im Kampf von der Truppe entfernt, Moral über Ideologie stellt. Diese „Feigheit vor dem Feind“ wird hier als Courage idealisiert. „Wäre das nicht schön, wenn wir in einer Welt leben würden, wo das möglich wäre, statt zum Verbrecher werden zu müssen?“, fragt er durchaus rhetorisch. „Cease And Desist“ hat er seinem ein Jahr vor seiner Geburt gestorbenen Onkel gewidmet. Der war einst aus Sri Lanka nach Australien eingewandert, schon Grund genug für eine Diskriminierung. Als schwuler Mann sah er nur den Ausweg eines Selbstmordes.

Mit „End Of Days“ wagt sich Matthew sogar an einen dem Thema zum Trotz gar nicht depressiven Protestsong mit einem fast fröhlichen Offbeat auf der Ukulele, verspielten Pianoakkorden auf einem Streicherbett von Mellotronklängen, einem satt grundierenden Ukulelen-Bass und einer getragenen Cellomelodie. Donald Trumps nichts Gutes verheißende Fratze vor Augen, scheut sich Matthew nicht, sich in eine bewusst kitschige Botschaft zu retten: Die Liebe wird den Hass besiegen. Ein hoffnungsloser Romantiker, der an Zuversicht gewonnen hat. Die vermittelt auch das warme Timbre seiner Stimme. Die trifft vom ersten Ton an mitten ins Herz, wird eine Besucherin nach dem Konzert schwärmen.

Wie Matthew John Denvers Country-Schnulze „Annie’s Song“, nur von Stark an der akustischen Gitarre begleitet, zu einer fast barocken Ode macht, ist nur einer von vielen tief bewegenden Momenten an diesem inspirierenden Abend. An dem beweist das Quartett zudem, dass man sogar Gassenhauer wie „Do You Really Want To Hurt Me“ von „Culture Club“ und Whitney Houstons „I Wanna Dance With Somebody“ geschmackssicher zu wahren Perlen umgestalten kann. Chapeau!

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