Tanztheater „Pilobolus“

„Shadowland 2“ in der Frankfurter Jahrhunderthalle

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In der Fortsetzung der Show „Shadowland“ geht es um den Kampf zwischen Lebewesen und Maschinen, die alle Träume und Fantasien vernichten wollen.

Ist es nicht merkwürdig? Wie wilde Tiere ausschauen, wissen viele Menschen nur, wenn sie sich für Filme interessieren, in denen erstere in einem natürlichen Lebensraum gezeigt werden. Wahrscheinlich würde es so schnell keinem Stadtmenschen auffallen, wenn sämtliche Tiere in naher Zukunft verschwänden. In „Shadowland 2“ geschieht aber genau das. Hier werden exotische Tiere von fiesen Gestalten, die Robotern ähneln, mit Staubsaugern aufgesaugt. Schnell landen diese Kreaturen in Kisten, die in einer Fabrik von Arbeitern und Arbeiterinnen hin und hergeschoben werden. Ein stupider Job. Den uniformierten Menschen, die man bei ihrem mechanischen Tun beobachtet, ist es strengstens verboten, in die Kisten zu blicken.

Bloß einem Mann und einer Frau ist das egal. Tatsächlich entdecken die Neugierigen einen jungen Strauß. Sie streicheln den zutraulichen Vogel. Was keiner ahnt: Es ist eine schicksalhafte Begegnung. Denn auf märchenhafte Weise entführt das Federvieh die zwei in eine Welt voller faszinierender Licht- und Schattenspiele, in der sie zum Liebespaar werden. Sie entdecken das Leben im Dschungel, das Dasein in fremden Ländern und Kulturen. Nur werden sie bei all dem verfolgt vom Aufseher der Fabrik, der sie mit seinen Schergen bitter bestrafen will.

In der Tat ist „Shadowland 2“ sehr düster geraten. Erinnert man sich an „Shadowland“, die Show, mit der das amerikanische Tanztheater „Pilobolus“ erstmals 2012 in Frankfurt gastierte, mag dies irritieren. Schließlich hielten sich in dem Stück, in dem ein Mädchen in die Welt der Träume flüchtete und als erwachsene Frau aus ihr zurückkehrte, die dramatischen und heiteren Momente die Waage. Aber nicht nur dies ließ „Shadowland“ besonders reizvoll erscheinen. Auch herrschte hier auf spannende Weise eine Balance zwischen den Szenen, in denen wunderbar getanzt wurde, und jenen, in denen das Ensemble faszinierendes Schattentheater zeigte. In „Shadowland 2“ tritt der zeitgenössische Tanz, für dessen niveauvolle Variationen das 1971 gegründete Tanztheater „Pilobolus“ eigentlich bewundert wird, stark in den Hintergrund.

So spielt sich in „Shadowland 2“ der größte Teil des Geschehens (Autor: Steven Banks) hinter zwei kleineren und einer großen Leinwand ab. Zweifellos vermögen hier die fünf Tänzer und drei Tänzerinnen, begleitet von der Pop- und Rockmusik von David Poe, eine detailverliebte und sogar bildgewaltige Vielfalt von Schatten zu kreieren. Trotzdem wünschte man sich, dass das starke Ensemble öfter vor die Leinwände träte, um pure Lust an tänzerischen Bewegungen (Choreografie Rennée Jarworski und Matt Kent) zu zeigen. Somit würde auch auf elegante Art ein wenig enträtselt werden, wie all die Schattengebilde entstehen.

Langweilig geraten ist „Shadowland 2“ sicherlich nicht. Aber falls die kreativen Köpfe von „Pilobolus“ sich dazu entschließen sollten, noch einen dritten Ausflug ins „Land der Schatten“ zu machen, würde sich wohl ein großer Teil des Publikums freuen, wenn sie mehr zu ihren vielversprechenden Wurzeln zurückkehrten. Zwar gab es jetzt in der Jahrhunderthalle nur wenige enttäuschte Gesichter. Aber die ganz große Begeisterung blieb eben aus.

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