+
Da geht?s lang: Heinz Becker (Gerd Dudenhöffer) weiß das.

Kabarettist Gerd Dudenhöffer

Wir sind ja alle ein bisschen Heinz Becker

Der spießige Nörgler Heinz Becker gehört für viele Deutsche zu den bekanntesten Saarländern. Seit mittlerweile über 30 Jahren tritt sein Erfinder Gerd Dudenhöffer als Rentner auf.

Heinz Becker hat keine Ahnung, aber er schwätzt über alles. Und hat immer eine Meinung. Als schrulliger Rentner mit Hosenträgern und „Batschkapp“ erklärt er seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne Zuschauern quer durch die Republik seine kleine spießige Welt. Dass er einen Saarländer gebe, sei eher Zufall, sagt Kabarettist Gerd Dudenhöffer über sein Alter Ego. Ihm war klar, dass die Figur eine Mundart haben muss. „Weil, in Mundart redet man nicht, da wird von der Seele geschwätzt.“ Er habe als gebürtiger Saarländer „eben rein zufällig Saarpfälzisch“ beherrscht.

Heinz Becker zählt neben Schlagersängerin Nicole und Linken-Politiker Oskar Lafontaine zu den bekanntesten Saarländern. Dabei ist bis auf die Sprache nicht viel Saarländisches an der Kultfigur dran. „Sie hätte auch woanders herkommen können“, sagt Dudenhöffer, der jedes Jahr rund 100 Auftritte als Heinz Becker hat.

„Die Figur funktioniert genauso in Hamburg wie in München, Frankfurt oder in Köln oder Leipzig.“ Dudenhöffer ist überzeugt: „Wir sind alle jeden Tag irgendwo Heinz Becker. Das Kleinbürgerliche ist im Kopf.“ Viele Zuschauer sagten bei einem Auftritt: „Genauso jemanden kenne ich auch.“ Dabei wollten sie nicht wahrhaben, dass auch sie manchmal so tickten. „Sie merken gar nicht, dass sie über sich selbst lachen.“ Dudenhöffer hält seinem Publikum einen Spiegel vor, ohne aber den mahnenden Finger zu heben. „Das wäre arrogant“, ist er sich bewusst.

Der Heinz schwätzt über die Nachbarstochter genauso wie über den Griff des Rasenmähers oder darüber, dass um Punkt zwölf gegessen wird. Bissig satirisch redet er aber auch über „Neger, Schwule und Nazis“ – und greift aktuelle Themen auf. „Er hat keine Tabus.“ Der Humor spiele eine große Rolle: „Man muss die Leute erst einmal lockermachen.“ Damit sie keine Angst hätten, über bestimmte Themen zu lachen. „Kabarett ist dafür da. Es bläht die Realität so weit auf, bis sie fast platzt“. Mit Verunglimpfung habe das null zu tun.

Den großen Erfolg erklärt sich Dudenhöffer damit: „Dass ich der Figur treu geblieben bin.“ Wie – das können seine Fans bei seinem neuen Programm 2017 sehen: Es heißt „Déjà vu“ – und darin spielt der Kabarettist aus 30 Jahren Heinz Becker-Programmen. „Bis Ende dieses Jahres stehen die ausgewählten Texte aus 16 Programmen“, erzählt er. Ab Januar wird dann geschrieben – und am 23. März ist Premiere. Und ein paar Tage später, am 30. März, ist Heinz Becker alias Gerd Dudenhöffer in Frankfurt.

„Die Leute werden schon den ein oder anderen Text wiedererkennen“, glaubt er. Viele Themen seien heute noch genauso aktuell wie damals. Menschen wollten heute wieder stärker ruhiges, klassisches Kabarett, meint der gelernte Werbegrafiker. „Die Welt wird immer komplizierter, und der Heinz redet darüber.“

Die Figur des Heinz Becker habe er Anfang der 80er Jahre „nicht konstruiert“, sagt Dudenhöffer. „Ich habe sie nicht erfunden im Sinne von Erschaffen.“ Sie habe sich einfach so entwickelt: Eine Anregung sei damals ein Gespräch zweier Grafiker-Kollegen gewesen, die bei ihm eine Holzdecke einzogen. Wie sie miteinander redeten, sei der Auslöser gewesen. Das habe er genutzt – wohin das führte, habe er damals aber nicht geahnt. „Erfolg kann man nicht planen.“

Dass er als Künstler mittlerweile älter sei als seine Figur, sei „noch kein Problem“. „Heinz Becker war ja immer um die 60 Jahre herum. Noch kann ich glaubhaft einen 60-Jährigen spielen“, sagt Dudenhöffer, der inzwischen 67 ist. Er verkörperte die Rolle auch von 1992 bis 2004 in der Fernsehserie „Familie Heinz Becker“ – mit 42 Folgen. Eine Neuauflage der Serie hätte er sich gut vorstellen können, das habe sich aber nicht ergeben, sagt er.

Seit über 15 Jahren tritt der Künstler im Saarland nicht mehr auf. Grund sei eine damalige „

Hetzkampagne

“ gewesen, die sich dagegen wandte, dass er angeblich in Deutschland das Bild des trotteligen Saarländers vermittelte. Das habe ja nie gestimmt – da Becker ja kein Saarländer per se sei. Dennoch liebe er das Saarland und wohne nach wie vor in Bexbach. „Ich bin ein Mensch, der seine Ruhe haben will. Und da ist auch viel Wald, mehr als sonst wo.“

30. März, Alte Oper, Frankfurt: 20 Uhr. Kartentelefon: (069) 1 34 04 00. Internet:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare