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"Snowden": Halb Held der Wahrheit, halb Landesverräter

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Von: Martin Schwickert

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Edward Snowden (Joseph-Gordon Levitt) verrät Geheimes.
Edward Snowden (Joseph-Gordon Levitt) verrät Geheimes. © Juergen Olczykue (Universum Film GmbH)

Oliver Stone hat seinen Spielfilm „Snowden“ dem früheren Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes und dessen Anprangerung der Bürgerüberwachung gewidmet.

Der frühere Geheimdienstler Edward Snowden hat die Machenschaften der NSA publik gemacht und weltweit ein Bewusstsein für den digitalen Überwachungsstaat geschaffen. Von den einen wird der Whistleblower uneingeschränkt als Held gefeiert. Für die anderen ist er ein Verräter, der mit der Weitergabe geheimster Informationen die USA gegenüber ihren Feinden (Russland) in Gefahr gebracht und den Tod von Menschen in Kauf genommen hat. Für den Filmemacher Oliver Stone ist ein Mann wie Snowden natürlich eine Reizfigur. In Filmen wie „JFK“ oder „World Trade Center“ hat er amerikanische Zeitgeschichte verarbeitet. Dabei hat er die Suche nach politischer Brisanz nicht immer in eine schlüssige Erzählform bringen können.

Hierin liegt auch das Kernproblem seines Snowden-Films. Den spannendsten Teil von dessen Lebenslauf – die Flucht nach Hongkong und die Veröffentlichung der brisanten Daten – hat Laura Poitras bereits 2015 mit ihrem Dokumentarfilm „Citizen Four“ in bestechende Form gebracht. Stone nutzt den spannenden Coup als Rahmenhandlung und versucht in Rückblenden, der Entwicklung Snowdens vom loyalen CIA-Mitarbeiter zum Geheimnisverräter auf die Spur zu kommen. Die Ungeheuerlichkeit des Skandals macht der Regisseur sinnlich erfahrbar durch eine Fahrt in die Tunnelanlagen der CIA auf Hawaii zu den riesigen Überwachungsanlagen. Doch die Quellen für Snowdens Mut jenseits der politischen Empörung bleiben in Stones Film unerforscht und die Erkundung des Privatlebens auf eine konventionelle Liebesgeschichte reduziert. Wenn das Schauspieler-Gesicht von Joseph-Gordon Levitt am Schluss in das des echten Snowden überblendet wird, ist man dieser Symbolfigur der Zeitgeschichte nicht wirklich näher gekommen. Schwach

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