1. Startseite
  2. Kultur

Songs mit Charakter

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Seit jenem berühmten ?Summer Of ?69?, in dem Bryan Adams sich die Finger blutig spielte, braucht er nichts anderes, als seine Gitarre, seine Songs und ein paar Begleitmusiker, um sich durch die Jahrzehnte zu bewegen. Das T-Shirt ist jetzt aber dem Jackett gewichen.
Seit jenem berühmten ?Summer Of ?69?, in dem Bryan Adams sich die Finger blutig spielte, braucht er nichts anderes, als seine Gitarre, seine Songs und ein paar Begleitmusiker, um sich durch die Jahrzehnte zu bewegen. Das T-Shirt ist jetzt aber dem Jackett gewichen. © Sven-Sebastian Sajak

Seit einer Ewigkeit schon ist Bryan Adams im Geschäft. Doch aus dem heutigen Mainstream, der größte Stadien füllt, ist noch immer der ureigene Stil des Sängers und Gitarristen rauszuhören.

Von MAXIMILIAN STEINER

Nach allzu viel Plaudereien schien Bryan Adams nicht gerade der Sinn zu stehen. Nur gelegentlich richtete er Worte an sein vom ersten Song an ihn abgöttisch feierndes Publikum. Als Riesenparty angelegt war der knapp dreistündige Tournee-stopp in der nahezu ausverkauften Frankfurter Festhalle dennoch vom ersten Takt des munter verrockten Einstiegssongs „Do What Ya Gotta Do“ an. Warum reden, dachte er sich wohl: Let the music do the talking. Außerdem verriet der zweite Titel ohnehin das Erfolgsrezept des 56 Jahre alten kanadischen Sängers, Gitarristen und Komponisten: „Can’t Stop This Thing We Started“ – die Sache ist nicht mehr aufzuhalten. Zu stoppen war das mit Sologitarrist Keith Scott, Bassist Norm Fisher, Schlagzeuger Mickey Curry und Keyboarder Gary Breit komplettierte Unternehmen tatsächlich nicht. Gewissermaßen ein Selbstläufer. Jede Menge Material fand sich im Repertoire des noch immer reichlich attraktiven Damenbetörers mit nach wie vor angenehm rauchig-rauem Timbre, der seit seinem Debüt 1980 unablässig aktiv und erfolgreich ist. 32 Songs wurden es bis zum Finale mit dem lauschigen „Let’s Make A Night To Remember“. Die letzten 5 Titel waren allesamt Akustik-Solo-Nummern. Darunter auch das schnörkellose „Straight From The Heart“, das ursprünglich Joe Cocker verabreichte „When The Night Comes“ und das einst im Trio mit Sting und Rod Stewart recht überkanditelt geratene „All For Love“. Schon mittendrin stand Bryan Adams aber der Sinn nach einem Akustik-Set – mal mit, mal ohne seinen treuen Langzeit-Sologitarristen Keith Scott. Da kam der anfangs recht Einsilbige, der sich erst nach der munteren Sixties-Beat-Reminiszenz „Don’t Even Try“ leutselig mit den Worten „Ich bin Bryan . . . meine Name ist Bryan“ selbst ankündigte, dann doch ins Plauschen: „Ich hatte da mal mit meinem Co-Songautoren Jim Vallance einen Song für einen der größten Hollywood-Blockbuster geschrieben – doch die Produzenten wollten das Stück partout nicht“, feixte er.

Tja, dumm gelaufen. Aber als Soundtracks taugten außerdem die Schmuseballade „(Everything I Do) I Do It For You“, und jener Song, der zum Synonym für Adams wurde: „Summer Of ’69“. Dieser Hit wurde in der Festhalle wie einige weitere Erfolgsbeispiele auch nach den ersten Takten vom Publikum mitgesungen. Mögen die Balladen beim mit strikter Schwarzweiß-Ästhetik (einheitlicher Look der Band, Videoclip-Bilderflut) unterfütterten Spektakel auch in der Mehrheit sein, der in London lebende Adams funktionierte am besten als geradliniger Rocker. Sein „Go Down Rockin’“ erinnerte an die „Stones“, „Kids Wanna Rock“ an „AC/DC“ und „The Only Thing That Looks Good On Me Is You“ an „ZZ Top“. Beim schwülen Blues „If Ya Wanna Be Bad Ya Gotta Be Good“ demonstrierte eine weißgekleidete Dame im ersten Rang einen göttlichen Fruchtbarkeitstanz.

Wie sehr sich Bryan Adams noch immer mit „18 Til I Die“ identifiziert, muss wohl nicht hervorgehoben werden. Bliebe zu erwähnen, dass der quirlige Ewigjunge und seine Musikanten sich mit zackigen Versionen von Eddie Cochrans „C’mon Everybody“ und Elvis Presleys „All Shook Up“ auch auf Fifties-Rock’n’-Roll verstanden.

Auch interessant

Kommentare