+
Alison Moyet, noch immer gut für Neues. Foto Sven-Sebastian Sajak

Soulstimme im Strahlenkranz

Das war das Konzert von Alison Moyet in der Frankfurter Batschkapp

Da kam Nostalgie auf, als Alison Moyet neben eigenen Hits wie „All Cried Out“ auch „Yazoo“-Gassenhauer wie „Don’t Go“ auf die Bühne der ausverkauften Batschkapp brachte.

Frankfurt - Die Achtziger sind eine Bank, egal, welche andere Zeitspanne gerade als hip gilt. Fans von Synthie-Pop & Co. bleiben ihren alten Helden treu. Ob „Depeche Mode“, „Human League“ oder Alison Moyet – wenn sie auf Tournee gehen, sind Clubs und Hallen voll. Die 57-jährige Britin tut gut daran, die 1500 Besucher an ihre Jugend zu erinnern. Dass sie jedoch nicht nur die Vergangenheit hochleben lässt, spricht für Moyet. Sie hat auch den Ehrgeiz, neues Material zu präsentieren. Denn nach einem kleinen Karrieretief vor der Jahrtausendwende nahm sie seit 2002 wieder regelmäßig CDs auf. Zwei platzierten sich in ihrer Heimat in der Top 10.

Vom neunten Album „Other“, das 2017 erschien, streut sie immerhin fünf Stücke in ihren Querschnitt aus den letzten 37 Jahren. „The Rarest Birds“ ist eine fein orchestrierte Ballade; „Lover, Go“ ist in seiner Schwermut bestechend schön; „Beautiful Gun“ erinnert in seiner Düsternis und Dissonanz eher an Siouxsie Sioux (eine andere 80er-Ikone) und ihre „Banshees“; „The English U“ sei ihrer Mutter gewidmet, erzählt die Sängerin in Plauderlaune. Die hätte ihre Kinder und die englische Sprache im Griff gehabt – und sei enttäuscht gewesen, dass ihre Alison sich schwer tat mit der Rechtschreibung und Interpunktion; mit „I Germinate“ eröffnet der Abend. Die Lichtregie setzt Moyet filmreif in einen Strahlenkranz. Die Musik hat Soundtrack-Charakter.

Bevor Moyet aber Gefahr läuft, sich zu dramatisch zu inszenieren, folgt der Bruch. Der erste „Yazoo“-Klassiker des Auftritts , „Nobody’s Diary“, ruft eine Klangästhetik in Erinnerung, die damals als innovativ gefeiert und heute irgendwie billig wirkt. Überhaupt ist der Sound das Problem.

Moyets Timbre, gerade auch in den Tiefen, geht unter die Haut. Die Stimme hat Soul, hat dem Synthie-Sound Seele eingehaucht. Ihre langsamen Lieder bot sie immer wie eine Diva dar. Nicht von ungefähr stammt „Love Letters“, ihr Singlehit von 1987, aus der Feder von Victor Young. Dick Haymes, der im Orchester von Benny Goodman sang, machte den Schmachtfetzen 1946 bekannt. Die Swingära im Ohr, könnte man sich so manchen Moyet-Song auch mit akustischen Instrumenten vorstellen. Sie bleibt aber mit Keyboarder und E-Drummer bei gelegentlichem Einsatz eines E-Basses elektronisch, ja synthetisch.

Das wirkt ein wenig blutleer. Und dennoch: „Only You“ lässt das Publikum träumen, „Love Resurrection“ verleitet es zum Tanzen.

von Detlef Kinsler

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare