Ralf Scheffler (67) vor der neuen ?Batschkapp? in der Gewinnerstraße 5 im Frankfurter Stadtteil Seckbach.
+
Ralf Scheffler (67) vor der neuen ?Batschkapp? in der Gewinnerstraße 5 im Frankfurter Stadtteil Seckbach.

Er spielte die Gitarre, Joschka Fischer das Schlagzeug

Ralf Scheffler, Mitgründer der „Batschkapp“, wäre selbst gern Rockmusiker geworden. Immerhin weiß er seit seiner Jugend, wie man ein Instrument anfasst.

In einem Alter, da der Durchschnittsbürger hierzulande sich schon in Rente befindet, denkt „Batschkapp“-Chef Ralf Scheffler noch lange nicht ans Aufhören. „Musik spielte in meinem Leben schon immer eine große Rolle“, resümiert der am 30. Dezember 1948 in Hochheim Geborene. Möglicherweise ist diese Rolle gar eine größere, als das ehemalige Mitglied der „Putztruppe“ um den späteren deutschen Außenminister Joschka Fischer von jeher politischen Aktionen beimaß. Ein Blick in sein Büro genügt. Da türmen sich seitlich des Schreibtischs Verstärker, Boxen und diverse Koffer mit antiken Gitarrenmodellen. Seit dem 30. Jubiläum der „Batschkapp“ hat Scheffler wieder den Rock ’n’ Roll für sich entdeckt und mit neuen Mitgliedern seine Jugendformation „The Terrible Noises“ als Hausband reaktiviert. Damit kehrte die Leidenschaft nicht nur fürs Musikmachen, sondern auch fürs Alltagsgeschäft zurück.

„Stones“ statt Schule

Was kaum einer wusste: Scheffler, der eine Abenteuerkindheit im Hochheim der Nachkriegszeit zwischen zerbombten Häusern und amerikanischen Befreiern verbrachte, machte im Zuge der „Beatles“-Invasion schon als Teenager Musik. „Wir eiferten den ,Pretty Things’ und ,Rolling Stones’ soweit nach, wie es unsere rudimentären Instrumentalfähigkeiten zuließen“, erinnert sich Scheffler und sinniert: „Bald schon litt die Schule unter den täglichen Proben. Wir traten auf, wo man uns ließ – auch wenn kaum Besucher kamen, in einer Bar, in Kneipenhinterzimmern, selbst in angemieteten Turnhallen. Im Kurfürstlichen Schloss von Mainz nahmen wir an einem Beat-Wettbewerb teil – der absolute Höhepunkt“.

Danach zerfiel die Band, Scheffler zog es nach Handelsschule mit Ausbildung zum Industriekaufmann und kurzem Bundeswehr-Intermezzo, wo er sein Faible fürs Fallschirmspringen entdeckte und wenig später den Wehrdienst verweigerte, nach Frankfurt. In der Nach-68er-Ära fungierte die nun wichtiger gewordene Politik als Ersatz für die unerfüllt gebliebene Rock-Karriere. Sessions im Keller einer Villa mit WG-Genosse Joschka Fischer am Schlagzeug blieben die Ausnahme. Die flapsig als „Putztruppe“ bezeichnete Organisation „Revolutionärer Kampf (RK)“ dominierte. Auf Demos kam es zu Angriffen gegen Polizisten und zu kurzzeitiger Inhaftiereung wegen eines nie geklärten Molotow-Cocktail-Wurfs. Doch Klassenkampf und Arbeiterrevolution der Spontis gerieten Mitte der 70er Jahre in den Hintergrund – der Zeitgeist hatte sich gedreht. Als Katalysator zur Transformierung vom aktiven Kampf zum Marsch durch die gesellschaftlichen Institutionen kam der Gedanke auf, mit rund zwei Dutzend Gleichgesinnten ein linkes Kulturzentrum zu gründen: die „Batschkapp“.

Pause mit Taxifahren

Gesagt, getan. Scheffler wirkte aktiv von 1976 bis 1978 mit, wurde dann Vater einer Tochter und fuhr während einer vierjährigen „Batschkapp“-Zäsur lieber Taxi. Als er 1982 zurückkehrte, brachte der ehemalige Handelsschüler den insolventen Laden, der sich langsam vom links-ideologischen Hort zur Rock-Institution entwickelt hatte, im Gespann mit drei noch übrig gebliebenen Pionieren wieder auf Vordermann. Der Ehrgeiz hatte ihn gepackt. Sein stets auf Runderneuerung ausgerichtetes Lebenscredo leitet den passionierten Fallschirmspringer und gelegentlichen Statisten im Frankfurter „Tatort“ auch noch 34 Jahre später mit einer weit über Deutschland hinaus bekannten „Batschkapp“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare