Spritziger Barock trifft auf dunkle Moderne

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Die Doppelproduktion „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell und „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók wurde am Frankfurter Opernhaus wieder aufgenommen.

Zum voraussichtlich letzten Mal kann man sich also an barocker Spritzigkeit („Dido und Aeneas“) und dunkler, geheimnisvoller Atmosphäre („Herzog Blaubarts Burg“) erfreuen. Regisseur Barrie Kosky gelang es in seiner 2010 erstmals gezeigten Doppelinszenierung, die so unterschiedlichen Opern zu einer homogenen Einheit zu verschmelzen.

In prachtvoller Klarheit traten zunächst die zahlreichen Akteure der Barockoper vor das Publikum – sitzend wie die Hühner auf der Stange, dann wieder tanzend und quer durch den Zuschauerraum flitzend. Mit der passenden Musik für kleines Ensemble entwickelt sich so eine durchgehende Spannung, die Purcell einmal mehr als Meister der alten englischen Musik vorstellt. Sebastian Geyer hatte man in dieser Produktion als Aeneas bereits hören und erleben dürfen, zu ihm gesellte sich bei der dritten Wiederaufnahme die zärtlich und aromatisch singende Cecelia Hall in der Rolle der Geliebten Dido. Auch Angela Vallone als Belinda und der rollenerfahrene Michael Porter (Spirit/Sailor) trugen mit ansprechendem Gesang sehr zum Erfolg der Wiederaufnahme bei.

Das zunächst in kleiner Besetzung musizierende und von Karsten Januschke geleitete Opern- und Museumsorchester vergrößerte sich bei Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ dann erheblich, wobei eigentlich nur noch zwei Gesangssolisten auf der Bühne stehen. Claudia Mahnke konnte auch diesmal wieder mit subtiler Technik und großer Ausstrahlungskraft in der Schlüsselrolle der Judith überzeugen und lieferte damit zugleich ein opulentes vokales Gegenstück zu dem mit großer atmosphärischer Dichte singenden Andreas Bauer in der Titelpartie.

Man durchschritt also an einem Abend den Kosmos jahrhundertelanger Geschichte der Oper – ohne dass es einem auch nur einen kurzen Moment langweilig geworden wäre. Die Kombination zweier Kurzopern hatte sich also auch diesmal wieder am Frankfurter Haus bewährt.

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