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Schauspiel aus Teenie-Perspektive beobachten beim Theaterprojekt ?Starke Stücke?.

Theater

Starke Experten für die „Starken Stücke“

Stift gezückt, Augen auf und Spot an: Zum 24. Mal kommt eine erlesene Auswahl internationaler Theaterkünstler ins Rhein-Main-Gebiet. Ihr Publikum? Kinder, Jugendliche und die ganze Familie.

Bis zum 12. März zeigt das Festival „Starke Stücke“ fünfzehn Inszenierungen an 31 Spielorten. Und mit dem Festival im Zeichen des lachenden Nashorns beginnt auch der Einsatz von 44 jungen Theaterexperten und Expertinnen. Was diese jungen Theaterforscher genau vorhaben, davon haben sie erzählt.

„Habt ihr noch Fragen?“ Theaterpädagogin Fiona Louis blickt in die Runde. Zwanzig junge Augenpaare blicken gespannt zurück. Es sind die wachen Augen von Experten und Expertinnen. Die mehr gesehen haben als andere Kinder und Jugendliche in ihrem Alter von Spiel, Maske und Drama, kurz, „von den Brettern, die die Welt bedeuten.“ Die Jungen und Mädchen zwischen zehn und sechzehn Jahren beobachten genau, diskutieren präzis und bewerten leidenschaftlich. Hier, ein Arm geht hoch, der fünfzehnjährige Rafail hat noch eine Frage an Fiona Louis. Sein Expertenteam betreut die Statistik. „Ich wollte fragen, ob wir die Grafiken auch an den Wänden aufhängen können?“ Er ist einer von denen, die Besucher bald fragen könnten: „In welche der Inszenierungen geht ihr?“ „Auf was freut ihr euch am meisten?“ Fragen, die sonst nur Journalisten stellen.

Heute Nachmittag geht es auf der Probe in der Turnhalle des Bad Homburger E-Werks um ihre Rolle bei der Eröffnung des Festivals in Dreieich. Aber auch an weiteren Tagen werden sie da sein und intelligente Fragen parat haben, bei den über 90 Vorstellungen in Friedrichsdorf und Darmstadt, in Hofheim, Frankfurt und Aschaffenburg. Erkennen kann man sie an den T-Shirts mit dem Aufdruck „Starke Stücke“, auf denen das sympathische Nashorn prangt.

Die dreizehnjährige Leni ist stolz darauf, dabei zu sein, weil sie zu den Expertinnen gehört, die sich die Emoticon-Rätsel ausgedacht haben. Sie zeigt eins der Rätselblätter. „Welches Theaterstück läuft heute hier?“, steht da als Überschrift. Sechs bunte Icon-Bilderfolgen kann man ankreuzen, die alle völlig unterschiedlich sind. Leni ist eine leidenschaftliche „Wiedergängerin“. Bereits das dritte Mal macht sie als Frageprofi bei den „Starken Stücken“ mit. Vielleicht, weil sie später mal Journalistin werden will? „Ich liebe es, neue Leute und Theaterstücke kennenzulernen,“ sagt das groß gewachsene, blonde Mädchen, von dem eine fast erwachsene Ruhe ausgeht. Aber das Beste sei: „Manchmal können wir sogar die Schauspieler interviewen.“

Sie schreibt außerdem Tagebuch und hat an ihrer IGS-Herder-Schule im Frankfurter Ostend einen Kurs mit kreativem Schreiben gewählt. Was gefällt ihr am Theater am meisten? Sie überlegt eine Weile: „Ich finde es toll, wie die Bühnen gebaut sind. Einmal habe ich eine große Schräge gesehen, die sich in ein Café, ein Hotel und sogar in eine Straße verwandeln konnte.“ Wenn Leni sich nicht gerade Emoticon-Rätsel ausdenkt, klettert oder liest sie gerne und spielt Fußball. Rafail dagegen mag „malen, singen und mich mit meinen Freunden in der Natur treffen.“ Beide Theater-Teenies sind durch das Elternhaus vorher nicht explizit mit dem Schauspiel in Berührung gekommen. Deswegen bekennt Rafail, der die Alexander-von-Humboldt-Gesamtschule in Rüsselsheim besucht, in schönster Jugendsprache: „Früher fand ich Theater langweilig. Das Fernsehen toucht mich mehr an, dachte ich“.

Die lässige Arnika Senft ist eine der vier Pädagogen, die in der Bad Homburger Gruppe gemeinsam mit den Jugendlichen Ideen entwickelt: „Wir haben früh gemerkt, es gibt einfach Kinder, die nichts weiter wollen als Theater anschauen. Und die auch nicht selbst spielen oder auf der Bühne stehen möchten.“ Auch Fiona Louis kann bestätigen: „So bekommen wir Jugendliche dazu, sich für das Theater zu interessieren und einzusetzen.“ Das Erforschen von Facetten, die eigene Meinungsbildung und das Beschreiben eines Stücks aus ganz eigener Kindersicht, hat sich seit fünf Jahren bestens bewährt. Beim abschließenden Festivaldinner werden alle zusammenkommen und die Pros und Kontras besprechen: Zu den geladenen Gästen gehören die Teams, die Künstler und natürlich die Kinderexperten. Auch sie werden dann ihre Stimme erheben, damit im Jubiläumsjahr 2019 wieder die stärksten der „Starken Stücke“ zu sehen sind.

Drei Höhepunkte sollte man auf keinen Fall verpassen: Aus Bologna kommt Andrea Buzzetti mit einem weiteren Teil seiner Trilogie „On-Off“ und verzaubert damit Kinder von einem Jahr an. Die Macher von „Sandscape“ (für Kinder ab drei) haben den weitesten Weg. Sie kommen aus Südafrika und haben in diesem Jahr endlich ihr Visum erhalten. „Blutsschwestern“ wendet sich an Dreizehnjährige aufwärts. Fünf junge Frauen aus Wien bieten darin kraftvolles Tanztheater.

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