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Lorenz Klee, Mark Ortel, Kristina Gorjanowa und Sebastian Brandes unterwegs.

Kindertheater „Peterchens Mondfahrt“

Auf der Suche nach dem Bein des Käfers

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Mit Mut zur Lücke inszeniert Jana Vetten am Staatstheater in Mainz „Peterchens Mondfahrt“, die wie im Flug vergeht.

Eigentlich sollten Peter (Mark Ortel) und Lisa (Kristina Gorjanowa) ja besonders brave Kinder sein. Doch im Mainzer Staatstheater lernt man die beiden in Jana Vettens Inszenierung von „Peterchens Mondfahrt“ als Streithähne kennen. Macht aber nichts, Hauptsache, sie haben bislang keinem lebenden Tier etwas zuleide getan. Denn so können sie nach einer Bestimmung der Nachtfee (Anna Steffens) dem Maikäfer Herr Sumsemann (Sebastian Brandes) helfen, sein fehlendes Beinchen auf dem Mond abzuholen.

Die Ausgangssituation des Märchens, das der heute ansonsten kaum mehr bekannte Schauspieler und Schriftsteller Gerdt von Bassewitz (1878–1923) verfasste, lässt sich durchaus als kafkaesk bezeichnen. Der auf seine Geschichte und die darauf beruhende Berühmtheit seiner Familie durchaus auch stolze Herr Sumsemann verdankt sein Schicksal einem Missgeschick eines seiner Vorfahren. Dessen eines Glied wurde versehentlich gemeinsam mit einem Baum und einem bösen Mann von der Erde auf den weit entfernten Satelliten verbannt, und alle seine Nachfahren bekamen die Einschränkung vererbt. Doch nun hat einer der Ururundsoweiter-Enkel die Chance, das Leiden ein für alle mal zu beenden.

Es ist der Beginn einer wunderbaren Reise, die die Regisseurin gemeinsam mit der Dramaturgin Katrin Maiwald mit viel Gespür für die zu vermeidenden Längen des Originals erzählt. Die zahlreichen Naturgeister, die zum Kaffee bei der Nachtfee geladen sind, wurden auf ein paar wesentliche und auch dank der fantasievollen Kostüme von Sarah Mittenbühler recht witzig geratene beschränkt. Und manch seltsamer Ort, den das umherziehende Trio auf seiner Tour passiert, etwa die Weihnachtswiese, wird nur kurz aus der Ferne begutachtet und beschrieben. Das befreit die Macher auch von Problemen, die deren Darstellung auf der Bühne (Eugenia Leis) aufgeworfen hätte. An anderer Stelle werden diese kreativ und auch mal mit Hilfe simpler Videos (Janna Keltsch) gelöst. Etwa als die Kinder und der Käfer per Kanone auf den Mondberg katapultiert werden sollen und sie sich schon mutig und zu Recht nervös im überdimensionierten Rohr bereitgelegt haben.

Oben angelangt, wird’s unheimlich. Der Mann im Mond entpuppt sich als fette, hinterhältige Raupe, die Bruder und Schwester zum Fressen gern hat. Aber während Herr Sumsemann, zum wiederholten Amüsement des Publikums, vor Angst mal wieder in Ohnmacht fällt, gehen die Kinder auch diese Herausforderung beherzt an.

Die 80 Minuten vergehen wie im Flug. Der Sandmann (Lorenz Klee), ein sympathischer Kerl mit bodenlanger Mütze, verteilt zwar sein Schlafmittel großzügig, doch angesichts all des Spaßes und der Turbulenzen in diesem Märchen bleibt dies abseits der Spielfläche wirkungslos. Dagegen setzen sich die lustigen Lieder, die Ögünc Kardelen extra für diese rasante Schlittenfahrt komponiert hat, schnell im Kopf fest.

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