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Heather Miller (Lena Drieschner) schleicht sich unter falschem Namen in einem hochrangigen Empfang ein.

TV-Kritik

Tatort „Vom Himmel hoch“: Wenn Krieg aus Menschen Täter macht

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Der neue „Tatort“ aus Ludwigshafen spielt in höchsten diplomatischen Kreisen und versucht sich als Politthriller. Warum das Konzept nicht ganz aufgeht:

Menschen erstechen, erschlagen, erdrosseln - Im Krimi ist Töten oft noch so schmutzig. Im Krieg beschränkt sich die Tötungshandlung dagegen mitunter auf das simple Betätigen eines Knopfes. Zumindest, wenn man am Bildschirm Krieg mit Drohnen führt. Man sieht dabei oft nicht mehr als ein paar kleine Punkte, die sich bewegen. Nicht nur die anvisierten Zielpersonen, das können auch Frauen und Kinder sein.

Eine solche tödliche Arbeiterin am Bildschirm war einst auch Heather Miller (Lena Drieschner). Aber Töten hinterlässt Spuren, auch wenn die Opfer nur kleine Punkte auf einem Bildschirm waren. Nach schweren Nervenzusammenbrüchen ist die Soldatin in Ramstein als Ordonanz auf einen ruhigen Posten abgeschoben worden. Aber sie war bei einem renommierten Psychiater in Behandlung. Und der wird zu Anfang von seiner Kollegin tot in der Praxis aufgefunden.

Ein Drohnenkrieger soll Drohnenopfer

werden Der Psychiater kümmerte sich um Kriegstraumatisierte, um Täter wie um Opfer. Dass man die nicht immer leicht auseinanderhalten kann, macht der Film ziemlich deutlich. Zu den Letzteren zählen zwei kurdische Brüder, von denen einer bei einem US-Drohnenangriff seine beiden Kinder verlor. Aus Rache planen die Brüder nun einen Anschlag mit Drohnen auf Jason O’Connor (Peter Gilbert Cotton), einen US-Staatssekretär auf Besuch in Deutschland.

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Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) haben also allerlei zu tun. So richtig in Fahrt kommt der Krimi aber nur in der ersten halben Stunde und gegen Schluss dann wieder. Dass gleich zwei Parteien einen Mordanschlag auf den Staatssekretär planen, zeigt schon einen wesentlichen Schwachpunkt im Drehbuch auf: Die Handlung leidet sichtlich unter einer Überfülle an Personen und Nebenhandlungen.

Die Regie funktioniert besser als das Buch

Überhaupt schleppt sich das Ganze bisweilen eher zäh der Ziellinie entgegen. Das Konzept, einen geplanten Mordanschlag als durchgehenden Spannungsbogen aufzubauen, läuft dadurch teilweise ins Leere. Allerdings zeigt Regisseur Tom Bohn eine sichere Hand darin, einige recht stimmungsvolle Bilder aus dem vernebelten Ludwigshafen in seine Geschichte einzubauen. Weswegen der neue Folkerts-„Tatort“ zumindest optisch was her macht.

Der eigentliche Star ist aber Lena Drieschner, die als gebeutelte eine echte Glanzleistung abliefert. Tom Bohn wäre gut beraten gewesen, ihre Rolle erheblich größer anzulegen. Gegen Ende schafft es Bohn dann, mit dem harten Showdown samt Kampfszene zwischen Miller und Odenthal die Spannungsschraube noch einmal anzudrehen.

Weiterer Pluspunkt: Der Zickenkrieg zwischen Odenthal und Stern bleibt diesmal ganz aus. Und für Nostalgiker gibt es noch einen Hauch Wehmut, wenn ein Alfa Romeo-Modellauto an Odenthals langjährigen Kollegen Kopper erinnert.

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