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Die Herren von ?The Damned? sind vielleicht äußerlich ein wenig in die Jahre gekommen, aber ihre Musik zündet noch immer.

Punkkonzert

"The Damned": Nach wie vor verdammt laut

Zum Bandjubiläum kredenzt die Londoner Punk-Formation „The Damned“ in der Frankfurter „Batschkapp“ diverse Evergreens, aber auch Stücke des neuen Albums „Evil Spirits“.

Ältere Herren in schnieken Anzügen strahlen eine gewisse erhabene Eloquenz aus. Besonders, wenn der dunkle Einreiher zu weißem Oberhemd und seidenem Halstuch getragen wird. Vokalist Dave Vanian, zu Glanzzeiten von „The Damned“ stets im authentischen Dracula-Look mit aschfahlem Teint zu kontrastreichem Kajalstrich unterwegs, schaut mit seiner passend zum Outfit penibel ondulierten Kurzhaarfrisur aus, als käme er gerade vom Fünf-Uhr-Tee bei Queen Elizabeth.

Nichtsdestotrotz legt sich Vanian alias David Lett mit seinem antiken Shure-Mikrofon im Anschlag mächtig ins Zeug. Allerdings kann der Frontmann vom Jahrgang 1956 auch gar nicht anders. Denn seine vier Bandkumpanen, darunter als weiterer Langzeitüberlebender aus der Gründerzeit vor 40 Jahren der Gitarrist Captain Sensible alias Raymond Ian Burns, holzen, rumpeln, schaben und pochen in infernalischer Lautstärke um die Wette. So dürfte es in den Pioniertagen auch in einschlägigen Londoner Lokalitäten wie „Roxy“ und „100 Club“ geklungen haben.

Bei den stürmisch begrüßten temporeichen Klassikern der frühen Punk-Ära wie „New Rose“, „Love Song“, „Neat Neat Neat“ oder „I Just Can’t Be Happy Today“ geht das völlig in Ordnung. Material späteren Datums, als sich „The Damned“ längst vom Drei-Akkorde-Diktat emanzipiert hatten, darunter auch eine Coverversion von Barry Ryans „Eloise“, leiden allerdings ebenso darunter wie diverse Songs des jüngsten Studiowerks „Evil Spirits“ (2018). Echt schade, aber so saufen jüngste Geistesblitze wie „Devil In Disguise“ und „Standing On The Edge Of Tomorrow“ leider gnadenlos ab. Zum Bandjubiläum feiern die ebenso grau gewordenen Alt-Punks in der „Kapp“ ihre einstigen Helden trotzdem ab, als gäbe es kein Morgen mehr.

Schließlich blieben die Punk-Pioniere stets in guter Erinnerung, auch wenn „The Damned“ gemessen am globalen Status, den „The Clash“ und die „Sex Pistols“ bis heute innehalten, stets den Kürzeren zogen. Allzu spleenig geriet den „Verdammten“ ihr Humor mit Hang zum Slapstickhaften. Kindische Ausfälle wie etwa das Cover der Debüt-LP „Damned, Damned, Damned“ mit den mit Sahnetorte beschmierten Visagen der Bandmitglieder sortierten die Band in die Kategorie Spaßtruppe ein.

Zweimal lassen sich die zum Finale beseelt wirkenden Veteranen zu Zugabenblöcken animieren. Zuletzt mit dem rasend atemlos dargebotenen Klassiker „Smash It Up“, dessen Botschaft die gleiche Kernaussage beinhaltet wie einst „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ von „Ton Steine Scherben“.

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