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Braucht keine Ordnung: Christian Klischat als Oscar.

Komödie „Ein seltsames Paar“

Theater in Darmstadt: Wieder mal Zoff in der Männer-WG

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Ein Vergleich mit dem Filmklassiker drängt sich auf. Doch die Darmstädter Protagonisten haben wenig Ähnlichkeit mit ihren berühmten Vorbildern.

Wer Neil Simons Komödie „Ein seltsames Paar“ auf die Bühne bringt, der hat ein Problem: Er kämpft gegen Legenden an. Gegen einen Walter Matthau, dessen Anblick allein schon zum Lachen reizt. Und gegen einen trübsinnig blickenden Jack Lemmon, den man am liebsten tröstend in den Arm nehmen würde, bevor der Putzteufel mit ihm durchgeht.

Die beiden US-Schauspieler verkörperten den in Scheidung lebenden Sportreporter Oscar und dessen gerade von seiner Frau verlassenen Freund Felix 1968 in der Filmfassung des drei Jahre zuvor uraufgeführten Theaterstücks unter der Regie von Gene Saks. Den sich bis heute aufdrängenden Vergleich versucht Iris Stromberger in ihrer Inszenierung für das Darmstädter Staatstheater dadurch zu umschiffen, dass sie die Handlung um den Zwei-Personen-Haushalt auf Zeit in ein New Yorker Appartement von heute (Bühne: Corina Krisztian) verlegt. Zudem meidet sie äußerlich Ähnlichkeiten mit den berühmten Vorgängern.

Ihr Oscar (Christian Klischat) ist ein meist in Boxershorts und T-Shirt herumlaufender Weiberheld, der sich auch körperlich mächtig ins Zeug legt, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Sein Kumpel Felix (Stefan Schuster) wirkt daneben nicht nur wegen seines pastellfarbenen Anzugs ein wenig blass; seine weinerliche Art nervt in der Männerwelt, kommt bei den Frauen allerdings überraschend gut an.

Dafür stehen zwei Exemplare, Gwendolin Fink (Gabriele Drechsel) und ihre Schwester Cecily (Karin Klein), zwei ebenfalls alleinstehende Nachbarinnen, die zum Dinner geladen und dann vom heulenden Hypochonder Felix in den Bann geschlagen werden. Dabei drücken sie übertrieben giggelnd und quietschend dem über 90 Minuten langen und nur von kurzen Um- und Aufräumpausen unterbrochenen Stück den Slapstick-Stempel auf. Immer wieder kurzsichtig an der Tür vorbei gegen die Wand zu rumsen, ist auf Dauer allerdings nicht sehr lustig.

Die Dialoge sind es schon. Bis heute haben sie wenig von ihrem Witz verloren, da sie doch so richtig schön aus dem Alltag gegriffen sind. Zumal die heutige Technik wie Handys und deren Signaltöne aus der Mode Gekommenes wie die Telegramme im Original ersetzen. Selbst das oft Gehörte kann da noch amüsieren, wie die Reaktion des Premierenpublikums auch an bestens bekannten Stellen bestätigt.

Etwas befremdlich wirkt derweil die Zusammensetzung der Pokerrunde. Hier haben Stromberger und ihr Team ganz offensichtlich ebenfalls versucht, sich von den populären Vorgängern so weit wie möglich zu entfernen. Doch warum Florian Federl als Polizist Murray zum Schwitzen in ein Fettwülste simulierendes Kostüm gezwängt wurde oder Hans Weicker einen Steuerberater Roy abgibt, der nicht nur vom Alter her so gar nicht in die Runde der Spielgefährten zu passen scheint, wird nicht ersichtlich.

Mit Routine und Engagement wurde dennoch ein ganz netter Abend kreiert. Mehr allerdings nicht. Wie es besser geht, ist dann doch wieder im Fernsehen zu sehen. Hier zoffen sich Matthew Perry und Thomas Lennon über Ordnung und Laissez-faire in der berühmten Männer-WG – so spritzig und temporeich, dass gar keine Zeit für Erinnerungen bleibt.

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