Die deutsche Hard Rock und Heavy Metal-Band Scorpions rockte am 27.11.2016 die Frankfurter Festhalle.
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Die deutsche Hard Rock und Heavy Metal-Band Scorpions rockte am 27.11.2016 die Frankfurter Festhalle.

?Scorpions?-Party in der Festhalle

So toll war der vermeintlich letzte Auftritt der "Scorpions" in Frankfurt

Die "Scorpions" haben in der Frankfurter Festhalle gespielt - angeblich ein letztes Mal. FNP-Autor Peter Schmitt war da und erzählt, warum das Abschiedskonzert so gut war. Und warum er an einen endgültigen Abschied noch nicht wirklich glauben mag.

War es das nun wirklich? Das definitiv letzte Konzert der „Scorpions“ in der Frankfurter Festhalle, die ultimative Abschiedstour nach 50 Jahren? Lange schon angekündigt, aber nie vollzogen. Wer sich zu lange verabschiedet, kann nicht loslassen – die „Scorpions“ liefern weiter. Eine neue Tour, ein neues Album. So wie zuletzt „Return to Forever“, mit dem die Hannoveraner an ihre besten Zeiten anknüpften – harten Rock, aber auch unverwechselbare, von Klaus Meines Mörderröhre getragene Power-Balladen. Von der ersten deutschen Rockband mit internationalem Renommee.

Und jetzt wieder mal in Frankfurts „Gut Stubb“, wie Sänger Meine selbst die ausverkaufte Festhalle bezeichnete, mit rund 9000 Fans, die mehrheitlich wie ihre Idole gealtert sind. Aber die Musik der „Scorps“ hat Bestand. Das kann wohltuend sein in einer Zeit, in der die Welt langsam aus den Fugen gerät. Zumal die älteren Herren sich so spielfreudig präsentierten wie in ihren ersten Tagen. Ihr Auftritt geriet zur Party. Und doch sah es ein wenig nach Abschied aus.

Schon die Support-Band „Beyond The Black“ hatte metall-mäßig, aber mächtig durch die Halle gedröhnt. Die „Scorpions“ schossen ebenso lautstark hinter der Bühne hervor, „Going out with a Bang“, mit Blitzlicht und künstlichem Gewitter – aber zunächst auch schlecht abgemischt. Der Mann am Mischpult reagierte schnell, während die alt gewordenen Jungs, dunkel gekleidet und mit Sonnenbrillen, am Bühnenausleger gleich die Nähe des Publikums suchten.  

Die Bühne wirkte nüchtern. Als ob die Band vor einem Gebäude mit langem Vordach und glatter Fassade spielte – sie diente jedoch als riesiger Bildschirm. Mal wehte dort die deutsche Fahne, mal züngelten Flammen, später räkelten sich Bikinigirls oder zogen Wolken vorbei. Links und rechts jeweils weitere Videowände, über die vor allem Livebilder von der Bühne flimmerten.

Auf dem Vordach thronte Schlagzeuger Mikkey Dee, Ex-Drummer von „Motörhead“ und seit September Vollmitglied der „Scorpions“. Von dem Schweden waren die meiste Zeit nur das wehende Haupthaar und die wirbelnden Arme zu sehen. Der Mann leistete Schwerstarbeit. Vor allem beim „Motörhead“-Stück „Overkill“, das die Deutschrocker dem in diesem Jahr verstorbenen Band-Gründer Lemmy Kilmister widmeten.

Eigentlich sollte das Konzert in der Festhalle schon im März stattfinden, es war erst kurz zuvor verschoben worden. „Mir ging es im Frühjahr nicht gut“, entschuldigte sich Klaus Meine beim Publikum. Eine Virusinfektion hatte die Stimme des Sängers lahmgelegt. Davon war in Frankfurt nichts mehr zu hören. Der inzwischen 68-Jährige wirkte wie seine Mitstreiter locker, routiniert, aber dennoch mit Lust an der Musik – nach 50 Jahren haben die „Scorpions“ niemandem mehr etwas zu beweisen.

Dafür einiges zu bieten. Aus ihrem riesigen Repertoire packten sie nach vielen Jahren einige alte Stücke aus – „Top Of The Bill“ und „Speedys Coming“ aus den siebziger Jahren zu „Steamrock Fever“ und „Catch Your Train“. Vier harte und schnelle Stücke kurz angespielt – Mikkey Dee kam sichtbar ins Pumpen. Auch beim anschließenden brachialen Gitarren-Intermezzo von Matthias Jabs und dessen Techniker Ingo Powitzer.

Die Band wechselte immer wieder ruhigere und lautere Phasen ab. Bisweilen aber so laut, dass dem Sänger das Monitorsignal anscheinend zu leise wurde – er nestelte an den Ohrclips und lag ganz leicht daneben.

Dass er es besser kann und noch immer die hohen Töne trifft, bewies er im Akustik-Medley mit „

Always Somewhere

“, „

Eye Of The Storm

“, „

Send Me An Angel

“ und – manche hatten es gar befürchtet – bei „

Wind Of Change

“. Aber „in dieser unsicheren Welt steht der Song immer noch für die Hoffnung“, sagte Klaus Meine. Die „Scorps“ hatten als erste internationale Band nach den Anschlägen von Paris dort gespielt.

Live sind sie immer gerne gesehen, weil sie den Rock ehrlich und ohne Tricks bearbeiten. So brauchte Klaus Meine beim „Holiday“ in der Festhalle nur seine Stimme, das Publikum half ohnehin sangesgewaltig mit. Zum Abschluss ließen die Hannoveraner es noch mal mit „

Rock You Like A Hurricane

“ mächtig krachen.

Ob es wirklich der letzte Auftritt in Frankfurt war? Lange standen die „Scorps“ ganz vorne am Bühnenausleger, kamen immer wieder hinter der Bühne hervor, winkten, warfen Plektren und Drumsticks ins Publikum. Alles Abschiedsgeschenke? Warten wir einfach aufs nächste Album.

27. November 2016, Festhalle Frankfurt

Going Out With A Bang

Make It Real

The Zoo

Coast To Coast

Medley: Top Of The Bill, Steamrock Fever, Speedys Coming, Catch Your Train

We Built This House

Matthias Jabs-Solo mit Ingo Powitzer

Always Somewhere

Eye Of The Storm

Send Me An Angel

Wind Of Change

Rock 'n' Roll Band

Dynamite

Overkill (Motörhead)

Drum-Einlage Mikkey Dee

Blackout

No One Like You

Big City Nights

Still Loving You

Holiday (Klaus Meine a Capella)

Rock You Like A Hurricane

 

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