"Barock am Main"

Ein tollkühner Theaterdirektor

„Barock am Main – der Hessische Molière“ bietet diesen Sommer im Bolongaropalast Frankfurt-Höchst eine Uraufführung und zwei weitere Stücke.

„Barock am Main“, die Freiluft- und Mundart-Theaterreihe der „Fliegenden Volksbühne“ im westlichen Frankfurter Stadtteil Höchst, wird diesen Sommer (22. Juli bis 30. August) zehn Jahre alt. Michael Quast als Festivalleiter und seine Mitarbeiter bringen auch darum nicht weniger als drei Stücke auf die Bühne. Ein weiterer Grund ihrer Jubellaune ist der, dass „Barock am Main“ von ungebrochenem Erfolg getragen ist.

Bei der Programmvorstellung im Frankfurter Römer vermerkte Quast für 2014 eine Auslastung von nahe bei hundert Prozent. 2015 rechne man mit 15 000 verkauften Karten. An eine Vergrößerung sei gleichwohl nicht gedacht, da der intime Rahmen im Bolongaropalast-Garten mit seinem Naturbühnen-Charakter vor der akustisch günstigen Steinfassade beim Umzug in andere Räumlichkeiten kaum zu erhalten sei. Oberbürgermeister Peter Feldmann würdigte die identitätsbildende Strahlkraft von „Barock am Main“ bis in Kurmainzer und Aschaffenburger Gefilde.

Das Festival eröffnet am 22. Juli mit einer Uraufführung, die das Molière-Repertoire jenseits des typischen Charakterstücks erweitert: Rainer Dachselts Mundart-Fassung „Der tollkühne Theaterdirektor oder Die Lieb macht dappisch“. Es inszeniert Sarah Groß, in diesem Fall in Co-Regie mit Martin Ratzinger, der seine Sporen als Assistent und Regisseur am Staatstheater Darmstadt verdiente. Als zweites Stück kommt die Wiederaufnahme von „Der Bürger als Edelmann“ hinzu (5. bis 9. August). Als Neuinszenierung ist schließlich Molières „Der eingebildete Kranke“ angekündigt (ab 26. August), der bereits 2008 zu sehen war.

„Der tollkühne Theaterdirektor“, die wirkliche Neuheit dieses Jahres, beruht überwiegend auf Molières „Stegreifspiel von Versailles“, aber auch auf seiner Intrigenfarce „Sganarelle oder Der vermeintliche Hahnrei“ (1663/1660). Der Inhalt nimmt beinahe die Illusionsbrüche und Theater-auf-dem-Theater-Spiele eines Luigi Pirandello oder Michael Frayn vorweg, was nicht verwundert, da kein geringer Teil der Bühneninnovationen im modernen Theater darin bestand, ältere Formen wieder hervorzukramen und ihnen das Komische zu nehmen.

Schon vor fast vierhundert Jahren stellte Molière im „Impromptu von Versailles“, seinem „Komödien-Pamphlet“ (Untertitel), sich und seine Schauspieler mit eigenen Namen auf die Bühne und ließ sie ihre von äußeren Feinden und inneren Reibereien erschwerte Arbeit an einem Theaterstück auf die Bühne bringen: das letzte und schärfste (Schimpf-) Wort des Autors in den Rivalitäten mit der lieben Konkurrenz und im Streit mit verstiegenen Ästheten. Also können auch Herrn Quasts Schauspieler ihren Text mal wieder nicht und streiten auf Hessisch, wie man das Stück und überhaupt Theater spielen soll. dek

„Barock am Main“, Bolongaropalast Frankfurt-Höchst. 22. Juli bis 30. August. Karten zu 29 bis 35 Euro unter

Telefon (069) 40 76 62 580.

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