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Musik, Akrobatik und Spiel vermischen sich in dem Stück ?Warum das Kind in der Polenta kocht?.

Traumata unter der Zirkuskuppel

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Helen Körtes „Ensemble 9. November“ setzte in Frankfurts Gallus-Theater ihre Regiearbeit „Warum das Kind in der Polenta kocht“ nochmals neu in Szene.

Dies Stück Musiktheater, mit dem das „E9N“ 2004 in Sibiu (Rumänien) gastierte, folgt Aglaja Veteranyis Roman gleichen Titels. Der Vorname der Schweizer Autorin ist der der jüngsten Grazie. Furchtbar jung war auch sie selbst, als sie in der Diktatur Ceausescus dann mit ihrer aus Rumänien geflohenen Zirkusfamilie üble Erfahrungen machte – wie Nacktauftritte im Varieté mit 13 Jahren. Ihr Clowns-Vater missbrauchte ihre Schwester. Roman und Stück spiegeln das.

Zwar muss Veteranyi Glücksmomente voller Poesie und Magie erlebt haben, davon zehren Bühnenfassung und Regie ja. Doch jede Antwort auf die Titelfrage wird zum Abwehrzauber, den das Mädchen, ungewollt frühreif und naiv, beschwört. In seiner zauberischen Welt, wo Gott in der Erde lauert wie ein Vampir und der Himmel absurd ausgemalt wird, führten Glück und Horror zu Traumata. 2002, noch keine 40, ging die erfolgreiche Schriftstellerin in den Zürichsee.

Katrin Schyns als Mutter sitzt noch länger als Raija Siikavirta und Hanna Linde, die Schwestern, auf ihrer Trapezschaukel. Entsprechend der Zirkusnummer der am Haar schwebenden Frau sind die ihren lang und so prächtig wie ihr grün-goldenes Schnürkostüm (Margarete Berghoff). Zur Seite steht den drei auf hohem Niveau quirlig-einfallsreichen Darstellerinnen Damaso Mendez als tanzender Vater-Clown. Außerdem vier Musiker und fünf Kinder im Aglaja-Alter, die alles noch glaubhafter und heiterer machen. Martin Le Jeune (Komposition) und seine Musiker (Jens Hunstein, Clara Holzapfel, Timo Neumann) mischen Balkanklänge mit Jazz und allem, was anliegt: ein kongeniales Klangkostüm hoher Qualität, von Kontrabass und Geige über Banjo und Akkordeon bis hin zu Saxofon und Bassklarinette. Dazu Stummfilme.

Wilfried Fiebig (Bühne, Kostüme) ergänzt seine Mittel aus Metall und Kunststoff um weichen und glänzenden Stoff, multifunktionale Treppenelemente, Fahnen oder Engelsflügel und erzeugt romangemäße Bildpoesie. Schön und gelungen.

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