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Die Gitarre immer fest im Griff: Rockmusiker Peter Maffay bei seinem mitreißenden ?Unplugged?-Auftritt in der Frankfurter Festhalle, der auch so manche Oldies bot.

Peter Maffay in Frankfurt

Über sieben Brücken zur Sonne in der Nacht

Rund 7000 Fans zelebrieren Peter Maffay bei seinem „MTV-Unplugged“-Auftritt in der Frankfurter Festhalle.

Prinzipiell kann ein Peter Maffay ja nahezu alles: seit fast 50 Jahren erfolgreich im deutschen Showgeschäft mitmischen, 18 Nummer-eins-Alben abliefern, stets ausverkaufte Tourneen absolvieren und sich immer wieder mal zwischendurch neu erfinden. Doch auch ein Peter Maffay kommt nicht drum herum, was auch schon Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen vor ihm absolvierten: „MTV Unplugged“. Also mehr als zwei Stunden lang im Sitzen in akustischen Arrangements durchs üppige Repertoire streifen. Wie seit Dekaden gewohnt, stürzt sich ein Peter Maffay mit Gusto, Passion und Vehemenz in so ein ambitioniertes Projekt.

Als opulent erweisen sich nicht nur die Bühnenkulissen mit gigantischer Projektionsfläche für filmische Impressionen von Comic- bis Fantasie-Clips. Auch das Ensemble, das hinter dem ganz in Lederimitat gekleideten 68-jährigen Haudegen Platz nimmt, lässt sich als üppig bezeichnen. Darunter befinden sich bekannte Gesichter wie der Keyboarder Pascal Kravetz, der Gitarrist Carl Carlton, der Bassist Ken Taylor oder Schlagzeuger Bertram Engel. Hinzu gesellen sich noch ein mehrköpfiger Chor inklusive Geigerin, diverse Blechbläser und ein Perkussionist. Gleich drei Gitarristen greifen in sechs, mitunter auch zwölf Saiten. Wenn Maffay und Kravetz ebenfalls die Klampfe bedienen, dann verfeinern fünf Gitarristen die für Festhallen-Verhältnisse ausgezeichnete Akustik. Fehlt nur noch die eine oder andere Künstlerkoryphäe zur Auflockerung des Konzepts. Auch dafür ist gesorgt. Nach einem fulminanten Auftakt mit dem stürmisch umjubelten R-’n’-B-Knüller „Bring mich nach Haus“ kündigt sich alsbald der erste Gastsänger an: Johannes Oerding verfeinert mit souligem Falsett-Timbre nicht nur den Klassiker „Eiszeit“. Weitere Einsätze Oerdings gelingen mit „Leuchtschrift“, „So schön“ sowie im Medley aus „Schatten in die Haut tätowiert/ Liebe wird verboten“.

Allerlei Belohnungen für intensive Fan-Treue über mehrere Dekaden hin führt Peter Maffay mit im Gepäck, wenn er generös allzu selten gespielte Raritäten im Unplugged-Repertoire offeriert. Geradezu euphorisch gerät die Stimmung, als in aktuelle Arrangements gebettete Schlagerpreziosen aus den 70er Jahren wie „Du“, „So bist Du“, „Und es war Sommer“ oder „Samstagabend in unserer Straße“ erklingen. Dazwischen gibt’s Duette mit den Chorsängerinnen Charlotte Klauser und Linda Teodosiu.

Als ziemlich hochwertig erweisen sich auch weitere Neu-Arrangements von gut abgehangenen Oldies, mehrheitlich rustikal aufgewertet als Blues, Rhythm ’n’ Blues, Rock und Rock ’n’ Roll. Zum Einsatz kommen dabei Slide- wie Pedal-Steel-Gitarren. Manch Song mit sattem Saxofonsolo klingt, als wäre er aus der Schmiede von Bruce Springsteen höchstpersönlich. Und auch für Ruhepausen mit Balladeskem findet sich ein Plätzchen.

Zum Ende dieses musikalischen Vollrausches an guter Laune und immenser Spielfreude gesellen sich noch weitere Gäste hinzu: Langzeitweggefährte Tony Carey kredenzt „Room With A View“, Sängerin Elif darf ran bei „Ich wollte nie erwachsen sein (Nessajas Lied)“, „Sonne in der Nacht“ und „Freiheit die ich meine“.

Zum Finale hin können sich Maffay und Co. einen Gag, der das „MTV-Unplugged“-Konzept ad absurdum führt, nicht verkneifen: „Siehst du die Sonne nicht?“ und „Dich zu sehn“ erklingen in lautstarken, elektrifizierten Hardrockversionen, als stünden da „Metallica“ auf der Bühne.

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