Science-Fiction-Horrorfilm „Life“

Übles Wesen vom Mars

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Auf einer Raumstation müssen Wissenschaftler einen Findling vom Roten Planeten beherbergen. Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds als Forscher riskieren viel in „Life“.

Die Angst vor dem Fremden ist ein wesentliches Element der meisten Science-Fiction-Filme. Auf einen süßen „E.T.“ kommen zehn grausame Körperfresser aus dem All. Die Handlung garantiert Horror und Spannung, spiegelt aber auch die Überheblichkeit des Menschen wider, der sich als Krone der Schöpfung betrachtet und annimmt, alle übrigen Kreaturen müssten gegen seine Vormacht ankämpfen. Darum werden Auseinandersetzungen mit außerirdischen Eindringlingen gerne zum Ringen um den Fortbestand der humanoiden Rasse überhöht. Einen ersten Höhepunkt erreichte der Trend in den 50er Jahren durch Schocker wie „Gefahr aus dem Weltall“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“. Ende der 70er lieferte Ridley Scott eine klaustrophobische Variante mit seinem Meisterstück „Alien“. In den verwinkelten Gängen des Raumschiffes Nostromo wurde die Besatzung nach und nach von einem Parasiten-Monster dezimiert, das ebenso intelligent wie widerstandsfähig war.

Das gleiche Schicksal blüht jetzt der Crew der Internationalen Raumstation ISS. An Bord befinden sich die Wissenschaftler Roy Adams (Ryan Reynolds), David Jordan (Jake Gyllenhaal) und Miranda North (Rebecca Ferguson) sowie ihre Kollegen Sho Kendo (Hiroyuki Sanada), Hugh Derry (Ariyon Bakare) und Kapitänin Katerina Golovkin (Olga Dihovichnaya). Ihre Mission ist es, Proben vom Mars zur Erforschung auf die Erde zu bringen. Dabei entdecken sie eine unbekannte Lebensform, die nur aus Muskeln und Hirnzellen zu bestehen scheint. Calvin, wie das Wesen flugs getauft wird, ähnelt zunächst einem Seestern, wächst im weiteren Verlauf zu einem Tentakel-Biest heran und entwickelt (wie sollte es anders sein) einen Mordsappetit auf die Multi-Kulti-Truppe.

Die Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick („Deadpool“) verfuhren nach dem Motto: Besser gut geklaut als schlecht erfunden. Nüchtern betrachtet ist „Life“ nichts anderes als ein dreister „Alien“-Abklatsch. Doch im Dunkeln des Kinosaals funktionieren die Spannungsmechanismen der altbewährten Geschichte so gut, dass man aufhört, über die Parallelen der Filme nachzudenken und sich völlig losgelöst dem Nervenkitzel hingibt. Zu verdanken ist dies einerseits einem stark aufspielenden Ensemble, das aus interessanten Charakteren besteht, angeführt vom einmal mehr überzeugenden Jake Gyllenhaal („Nocturnal Animals“) und seinem selbstironischen Partner Ryan Reynolds („Deadpool“). Andererseits beweist Regisseur Daniel Espinosa ein Auge für Weltraum-Bilder, deren Realismus zugleich fasziniert und ängstigt. Eine siebenminütige Kamerafahrt durch die Korridore der Raumstation, ohne erkennbaren Schnitt, ist inbegriffen. So hätte „Alien“ unter der Regie von Stanley Kubrick ausgesehen. Sehenswert

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