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Ozzy Osbourne beim Abschied mit ?Black Sabbath? in der Festhalle im Jahr 2013. Jetzt kommt er wieder.

König der Finsternis

Ozzy Osbourne, der Urgroßvater des Heavy Metal wird 70

Ozzy Osbourne hat dem Heavy Metal zum weltweiten Siegeszug verholfen. Jetzt wird der König der Finsternis 70 Jahre alt. 2019 geht er ein letztes Mal auf Tour.

Heute nennen sie ihn ehrfürchtig den Urgroßvater des Heavy Metal. Als John Michael Osbourne hat er am 3. Dezember 1948 im englischen Städtchen Aston das Licht der Welt erblickt. Sein Leben ist schon früh von seelischen Grausamkeiten überschattet: Als Elfjähriger wird er von älteren Schülern sexuell gedemütigt und begrapscht. Dass eine seiner drei Schwestern dabei zusieht, macht alles noch schlimmer. Sein Trauma verarbeitet er erst viele Jahre später mit Hilfe eines Therapeuten. Und in blutrünstigen Bühnenshows.

Nach der Schulzeit jobbt der fanatische „Beatles“-Fan in einem Schlachthaus. Das ist ziemlich frustrierend. Mit drei ehemaligen Schulkameraden aus Birmingham gründet die Bluesband „Polka Tulk“, die sich alsbald in „Earth“ umbenennt. Der Bassist Geezer Butler, der Gitarrist Tommi Iommi, der Schlagzeuger Bill Ward und der Sänger John Osbourne, der von allen Ozzy genannt wird, spielen an jeder englischen Straßenecke. Ende 1967 stranden sie im Hamburger Starclub. Dort werden sie den Rekord der „Beatles“ als längste Hausband brechen.

Kreuze aus Aluminium

Geezer Butler, der ein großer Fan der Romane des britischen Autors Dennis Wheatley ist, die sich um Satanismus und schwarze Magie drehen, schlägt 1969 den Namen „Black Sabbath“ vor. Die Band, die regelmäßig neben einem Horrorkino probt, entwickelt schnell einen eigenen Stil: Iommis schwere Gitarrenriffs verschmelzen mit Butlers düsteren Texten und Osbournes kehliger Raspelstimme. Das okkulte Debütalbum „Black Sabbath“ erscheint am Freitag, dem 13. Februar 1970. Es bringt Ozzy Osbourne umgerechnet 150 Euro ein und gilt heute als Meilenstein des Heavy Metal. Daddy Osbourne kommentiert das Werk mit den Worten: „John, bist du sicher, dass du nur Bier trinkst?“ Dennoch gießt er auf der Arbeit

Kreuze aus Aluminium

für seinen Filius und dessen Freunde. Seitdem wird Heavy Metal immer wieder mit religiösen Symbolen verbunden.

Im Frühjahr 1971 erobern die Briten mit der Single „Paranoid“ die deutschen Charts. „Das Böse zieht die Menschen magisch an, aber auch das Verrückte“, weiß Osbourne. Er hat Recht.

Ozzy heiratet die junge Thelma. Das Paar hat zwei Kinder. Ende der 70er lernt er schließlich Sharon Arden kennen, seine große Liebe und Managerin. Bis dahin gelingen „Black Sabbath“ Hits wie „Iron Man“, „Sabbath Bloody Sabbath“ und „Am I Going Insane (Radio)“, an deren Entstehung sich der exzentrische Sänger heute kaum mehr zu erinnern vermag. „Ich habe diese Form von Musik nicht bewusst erfunden“, sagt er. „Keine Ahnung, wie mir die Melodie zu ,Black Sabbath‘ damals eingefallen ist. Das war wahrscheinlich meiner Leidenschaft für die ,Beatles‘ und Bluesbands geschuldet.“

Sein erster Kokain-Rausch hat sich hingegen unauslöschlich in sein Hirn eingebrannt: „Ich hatte das Gefühl, darauf mein ganzes Leben gewartet zu haben. Diesem Kick jagt man fortwährend nach. Er lässt sich aber nicht wiederholen.“ Aus Angst, eines Tages in einem Sarg von der Bühne getragen zu werden, trennt sich der „Madman des Rock’n’Roll“ 1979 von „Black Sabbath“. Seine Solokarriere mit dem begnadeten Heavy-Metal-Gitarristen Randy Rhoades im Rücken beginnt fulminant. Als bis dahin einziger Künstler hält Ozzy Osbourne mit vier verschiedenen Alben gleichzeitig Einzug in die US-Billboard-Charts.

Jenseits des Ruhms ist sein Leben eine Folge von apokalyptischen Erlebnissen und bizarren Selbstbetrachtungen. Als Hobbypilot Randy Rhoades in einem Leichtflugzeug den Bandbus zu umsegeln versucht, geschieht ein Unglück: Rhoades stirbt, Ozzy überlebt. Im Glauben, es handele sich um ein Spielzeug, beißt der Bühnenberserker während einer Show 1982 im Cognac-Rausch einer betäubten Fledermaus den Kopf ab. Die anschließenden Tollwutimpfungen sind eine Tortur: „Es fühlte sich an, als injizierte man mir Golfbälle in den Hintern.“

Die Beziehung von Sharon und Ozzy überlebt alle Höhen und Tiefen. Unter ihrer Obhut entwickelt er sich vom Musiker zum Markenzeichen.

Seine Shows, die er ab 1997 sporadisch auch wieder mit „Black Sabbath“ bestreitet, werden unterhaltsamer, selbst wenn seine markante Stimme hin und wieder zu kippen droht. 2001 fädelt Sharon einen spektakulären Deal mit MTV ein: „The

Osbournes“ mausert sich zur bis dahin erfolgreichsten Doku-

Soap des Senders und beschert der schrecklich-schrägen Familie nicht nur einen Popularitätsschub, sondern auch schwerwiegende Probleme: Sohn Jack und Tochter Kelly kämpfen bald mit eigener Drogenabhängigkeit.

„Ich hatte damals nicht damit gerechnet, dass die Show solche Schlagzeilen machten würde“, gesteht Osbourne. „In Wirklichkeit mag ich Fernsehen überhaupt nicht – im Gegensatz zu meiner Frau und unseren Kindern. Ich hasse es sogar, in der Glotze aufzutreten, ob als Ozzy oder als verdammter Wetterfrosch. Aber manchmal lässt es sich einfach nicht vermeiden.“

Im Jahr 2005 diagnostizieren Ärzte bei ihm eine Nervenkrankheit, ähnlich dem Parkinson-Syndrom. Seitdem muss er täglich Medikamente gegen seine Zitter-Anfälle schlucken. „Ich habe immer vermutet, es sei der Alkohol und der Stoff. Eigentlich müsste ich längst tot sein. Viele meiner Kollegen und Freunde sind an Drogen und Alkohol gestorben. Ich wache morgens immer wieder auf. Jetzt möchte ich noch ein bisschen bleiben. Mir ist noch niemand begegnet, der zurückkam und sagte: Hey, Ozzy, es ist wirklich cool auf der anderen Seite!“

2013 veröffentlicht er mit „Black Sabbath“ ein letztes Studioalbum („13“) und geht mit der Band auf Abschiedstournee. 2019 will er auch seine Solokarriere beenden. Osbourne, der einzige Metal-Künstler, der einem Navigationsgerät seine Stimme lieh, sagt: „Ich bin kein verdammter ernster Sänger, ich bin ein Frontmann, der versucht, Stimmung für die Menge zu machen.“ Am 15. Februar macht er das in der Frankfurter Festhalle – mit „Judas Priest“ im Vorprogramm.

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