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Brenda Rae als Violetta voller Emphase.

Oper

Verdis "Traviata" verzückt die Zuschauer in Frankfurt

"Bravi"-Rufe, Blumensträuße und Standing Ovations: Derart frenetisch ging die konzertante "La Traviata" von Verdi an der Oper Frankfurt zu Ende.

Dabei stand eigentlich das selten gespielte Verdi-Werk „Il Corsaro“ auf dem Spielplan. Doch zehn Tage vorher fielen erst Roberta Mantegna und drei Tage später auch Dorothea Röschmann krankheitsbedingt aus, erklärt Pressesprecher Holger Engelhardt und ergänzt: „Diese ,Traviata‘ entstand äußerst kurzfristig und mit viel Adrenalin“, aufgrund der eiligst vorzunehmenden Umbesetzungen. Anfangs hatten Intendanz und Betriebsbüro noch „im Stück“ bleiben wollen und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Ersatz zu finden. Doch für diese seltene Oper war das ein schier unmögliches Unterfangen. Dann wurde aus einer „Blitzidee von Bernd Loebe mit Mitarbeitern am Kantinentisch ein großer Treffer.“ Warum nicht die Traviata? Brenda Rae, zur Zeit für „I Puritani“ probend im Haus, konnte ebenso gewonnen werden wie Mario Chang als Alfredo und Željko Lucic in der Rolle Germonts, beide ursprünglich für „Il Corsaro“ gebucht. Nina Tarandek hatte die Flora bereits 2012 in Frankfurt gesungen, ebenso wie Elizabeth Reiter die Annina. Und aus dem restlichen Ensemble „boten sich sogar Sänger für die Nebenrollen initiativ an“, so Engelhardt.

Die leidenschaftliche Weise, mit der Chor, Solisten, Orchester und Frankfurt-Debütant Francesco Lanzillotta am Pult einen Triumph aus dem spektakulären Stückwechsel machten, versetzte Verdi-Fans in Verzücken. Und wirft die Frage auf, wozu überhaupt Bühnenbild und Regie, wenn das ausdrucksstarke Gesicht einer Brenda Rae und die gestische Urkraft von Željko Lucic zur Verfügung stehen? Tief bewegend sang sich der Publikumsliebling als zerbrechliche Kurtisane vom ersten Ton an ins Herz des Frankfurter Publikums. Und riss bereits am Ende das schwierigen ersten Aktes mit „Ah, fors’è lui che l’anima“ und der hochdramatischen Cabaletta „Sempre libera degg’io“ das Haus zu Beifallsstürmen hin. Betörend intensiv geriet vor allem die Sterbeszene, in der sie mit girrender Stimme und jeder Faser beglaubigte, wie in ihrem Körper die letzten Hoffnungsfunken verlöschen. Anders Lucic: Er riss im zweiten Akt mit physischer Präsenz die Aufführung an sich. Streng sein intensives Fordern nach Violettas Liebesverzicht, erschütternd seine zu späte Reue bei ihrem Tod. Mario Chang erwies sich als nobler Alfredo, der in den Duetten mit Brenda Rae für tenoralen Glanz sorgte, während zwei Debütanten herausstachen: Iain MacNeil als kaltherziger Baron Douphol und Brandon Cedels wuchtiger Marquis d’Obigny. Heute Abend läuft die zweite, letzte und unbedingt sehenswerte Vorstellung um 19 Uhr.

(VON BETTINA BOYENS)

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