Virtuelle Zeitreise ins Jahr 1833: Wir schauen vom Niederländersaal in den Italienersaal. Ganz hinten in der Achse, zwischen den letzten Säulen, grüßt die Büste Johann Friedrich Städels von Johann Nepomuk Zwerger, die heute im Eingangsbereich des Hauses am Schaumainkai steht.
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Virtuelle Zeitreise ins Jahr 1833: Wir schauen vom Niederländersaal in den Italienersaal. Ganz hinten in der Achse, zwischen den letzten Säulen, grüßt die Büste Johann Friedrich Städels von Johann Nepomuk Zwerger, die heute im Eingangsbereich des Hauses am Schaumainkai steht.

Städtel-Museum

Virteueller Spaziergang durch die historischen Sammlungen

  • Dierk Wolters
    VonDierk Wolters
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„Zeitreise“ heißt das jüngste digitale Projekt des Frankfurter Städel-Museums: Es ermöglicht einen Besuch der bürgerlichen Kunstsammlung in den Jahren 1816, 1833 und 1878.

Bitte setzen Sie sich, das ist sicherer. Ja, Sie wollen ins Städel. Dafür brauchen Sie aber nicht aufzustehen. Lassen Sie die Hausschlappen ruhig an. Hier: Ihre Brille. Ein bisschen klobig vielleicht, aber das waren die allerersten Mobiltelefone auch, erinnern Sie sich an alte Fernsehserien? Seit zwei Jahren gibt es sie jetzt, die „Samsung Gear VR“. VR heißt Virtual Reality. Und jetzt können Sie mit dieser Brille auch das Städel besuchen. Nein, nicht das Städel aus dem Jahr 2016. Das machen wir dann doch lieber live.

Drei verschiedene Häuser

Aber das Museum des Jahres 1878 – da zog die Sammlung in das Haus am Schaumainkai, in dem sie heute noch ist. Natürlich sah damals alles ganz anders aus. Wir schauen uns einfach mal um. Das ist der Haupteingang. Dann die Stufen hoch.

Halt! Wo wollen Sie denn hin? Hier bitte, erst einmal die Zentraltreppe. Na also, geht doch. Und jetzt? Links oder rechts? Wie Sie mögen. Wie, Sie wissen’s nicht? Probieren Sie’s doch aus. Im richtigen Museum müssen Sie sich ja auch entscheiden.

Viel zu viele Bilder, da haben Sie recht. Die Wände voll bis oben hin. Überfrachtet, denken wir heute. Aber damals war das so. Das sparte Platz. Ja, der Kunstgenuss leidet etwas darunter. Aber jetzt nicht panisch werden. Was wollen Sie denn sehen? Die Dame mit Haube da? Woher soll ich denn wissen, wer das ist. Aber stellen Sie sich doch einfach mal davor. Wie, und jetzt? Angucken, natürlich. Machen Sie doch im echten Museum auch. Und dann fassen Sie sich mal rechts an die Brille. Hatten Sie schon ganz vergessen, dass Sie eine aufhaben, oder? Ha. Genau da. Kurz drauftippen. Ja, sehn Sie mal, da öffnet sich ein Menü. Ist wie die Bildtafeln neben den echten Gemälden, nur ausführlicher. Ach ja richtig, jetzt wo Sie’s sagen: das „Maertgen van Bilderbeecq“. Hätten Sie mir Zeit gelassen, wäre ich selbst drauf gekommen. Rubens vielleicht. Rembrandt 1633, sagen Sie, steht da? Natürlich Rembrandt, Sie sind ja ein Besserwisser. Wo das Bild herkommt, können Sie mir auch noch erzählen? Und ob es immer noch dem Städel gehört oder abhanden gekommen ist, auch? Das ist ja ’ne ganze Menge. Mehr, als man beim Schlendern im echten Museum so mitbekommt.

Von Raum zu Raum

Und jetzt, wo wollen Sie nun schon wieder hin? Hups? Warum Hups? Ach so, jaja, das geht auch, Sie haben sich jetzt in den Kleinen Oberlichtsaal West gebeamt, jaja, beamen kann man, wenn’s einem in Fußgeschwindigkeit zu langweilig wird. „Susanna und die beiden lüsternen Alten“, ja, das gab’s schon damals im Haus. Immer noch ein tolles Bild. Könnte man sich auch mal in echt anschauen. Hat den Vorteil, dass das Original noch viel toller wirkt, trotz aller 3-D-Effekte. Aber dafür mussten Sie heute nicht die Hausschlappen ausziehen. Und erstaunlich ist’s schon, was die alles können mit Ihrer Technik, oder?

Diesen Online-Kurs gibt’s ja schon länger, genau, und „Imagoras“ auch, das Game, mit dem Kinder das Städel erkunden können. Und natürlich die digitale Sammlung auf der Homepage, die man kreuz und quer durchforsten kann. Und jetzt das, das ist wirklich ein Ding! Wie, Sie wollen die Zeit wechseln . . . – Ganz schön sprunghaft sind Sie. Nein, das geht jetzt nicht. Mit der VR-Brille zumindest nicht. Wenn Sie sie abnehmen allerdings und ihren Computer anschalten, am Bildschirm können Sie ins Jahr 1816 springen. Genau, da war Johann Friedrich Städel gerade gestorben, seine Sammlung war in einem Haus am Roßmarkt. Kann man jetzt auch begehen. Haben die im Städel anhand alter Skizzen rekonstruiert. Und 1833 geht auch, genau, da zog die Sammlung um, in die Neue Mainzer Straße. Nein, das ist nicht frei erfunden, so sah’s da wirklich aus.

Professor Jochen Sander, das ist der Vize-Chef im Städel, hat das ganze Projekt wissenschaftlich geleitet, mit Webseitengestaltern und Samsung koordiniert. Außerdem weiß man recht genau, wie’s da aussah, weil die Malerin Mary Ellen Best das 1835 in akribischen Aquarellen festgehalten hat, dankenswerterweise. Jeweils den Ort, das Haus und die Räume kann man angucken. Ja, am Bildschirm ist’s nicht sooo spektakulär. Obwohl, interessant schon, wie sich die Sammlung seither entwickelt hat.

Beim nächsten Mal wieder ins wirkliche Städel? Aber nicht mit Hausschlappen . . . Die Atmosphäre ist schon anders. Und die Bilder sind in echt einfach echter. Aber vergnüglich ist’s schon, oder?

Im Internet unter . Programm-Download für die VR-Brille unter vr-app

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