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Der 31-jährige Valentin Uryupin dirigiert sich in der Alten Oper auf den 1. Platz des Georg-Solti-Wettbewerbs.

Dirigentenwettbewerb

Der Walzer verlangt höchstes Taktgefühl

Beim 8. Georg-Solti-Dirigentenwettbewerb in Frankfurt siegte in der letzten Runde der Russe Valentin Uryupin vor seinen Rivalen aus China und den USA.

Lady Valerie Solti, die Witwe des 1997 gestorbenen, mittlerweile legendären Frankfurter Generalmusikdirektors Sir Georg Solti, führte in der Jury den Vorsitz und zeigte sich hellauf begeistert von der hohen Qualität des Dargebotenen, auch des HR-Sinfonieorchesters, das in diesem Jahr das Schlusskonzert übernommen hatte. Es wechselt sich gewöhnlich mit dem Frankfurter Museumsorchester ab.

Insgesamt 293 junge Musiker, die meisten bereits international bewandert, aus 58 Ländern hatten sich für den Wettbewerb beworben. Der erste, mit 15 000 Euro ausgestattete Preis ging schließlich an den 31-jährigen Russen Valentin Uryupin, der zweite (10 000 Euro) an den 27-jährigen Chinesen Wilson Ng, der dritte (5000 Euro) an den 31-jährigen Amerikaner Farkhad Khudyev. Engagements für die drei Musiker werden auch nicht lange auf sich warten lassen.

In dieser dritten, entscheidenden Runde war Maurice Ravels „La Valse“ für alle drei als Pflichtstück vorgegeben, ungeheuer aufschlussreich, wie sehr unterschiedlich ein- und dieselbe Komposition ausfallen kann. Valentin Uryupin, ein sehr geschmeidiger, temperamentvoller Dirigent, warf dabei vor lauter Begeisterung seinen Dirigentenstab kopfüber ins Publikum, ließ sich aber keineswegs aus der Ruhe bringen. Zuvor hatte er sich den „Zauberlehrling“ von Paul Dukas gewählt, erst scheinbar eine Idylle, bevor das Unheimliche schrill hereinbricht.

Uryupin dirigiert sehr viel mit Kopfbewegungen, sticht aber, wenn’s darauf ankommt, die Schärfen geradezu mit den Fingern heraus, setzt quäkendes Unheil in den Klang. Er durfte als Sieger am Ende Kür laufen: in Edward Elgars Marsch „Pomp and Circumstances“ Nr. 1. Mit heftigem, mitreißendem Temperament geht der Orchesterführer an die Sache, wie befreit. Er fordert Vollton, den er jedoch präzise abfedert. Den hymnischen Glory-Abschnitt nimmt er in etwas reduziertem Tempo, schön weich und üppig im Ton. Ein Klang zum Darin-Versinken.

Uryupin bekam auch gleich noch den Publikumspreis und als besondere Auszeichnung einen Original-Dirigierstab Soltis aus dessen Frankfurter Zeit, einer besonders glücklichen, wie die Lady bestätigte. Der ungarisch-britische Dirigent starb 1997 in Antibes (Frankreich). Den zweiten Preis konnte der 27-jährige, aus Hongkong stammende Chinese Wilson Ng erringen, mit dem „Canaval Romain“ von Hector Berlioz: liebevoll, fast zärtlich im Streicherton, das alles bei sehr sparsamen Gesten, aber sehr deutlich in allen Feinheiten. Auch Ravels Walzer läuft weich und geschmeidig los, Ng zieht dann aber stark das Tempo an und endet schließlich in einem fast orgiastisch lärmenden Taumel. Farkhad Khudyev kam uns romantisch mit der „Oberon“-Ouvertüre Carl Maria von Webers: grazil, sehr empfindsam, die hellen Bläser fast zaubrisch. Aber mit einem Schlag zieht Khudyev Tempo und Lautstärke an, gelangt zu ausgeprochen lustvollem Dirigieren, bringt den Orchesterapparat in Schwung. Sein Walzer kommt erst nach und nach auf Touren, selbst scharfe Härten werden aus den Blasinstrumenten herausgelockt. Und dazu kann sich die große Pauke herausgefordert fühlen.

Preisrichter des Wettbewerbs unter Schirmherrin Solti waren Ingo de Haas (1. Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters), Leopold Hager (langjähriger Chefdirigent des Mozarteumorchesters Salzburg), Stephan Pauly (Intendant der Alten Oper), Jeremy Rothman (Vizepräsident für künstlerische Planung beim „Philadelphia Orchestra“), Michael Traub (HR-Bereichsleiter Musik und Manager des HR-Sinfonieorchesters) sowie Sebastian Weigle (Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt).

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