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Sam Getz, Frontmann von ?Welshly Arms?, betätigt sich virtuos an verschiedenen antiken E-Gitarren-Modellen und hat auch beim Händeschütteln mit dem Publikum alles im Griff.

Rockkonzert

„Welshly Arms“ zeigten im Frankfurter „Gibson“ erstklassiges Handwerk

Als Headliner dreier Bands aus den USA und Kanada beeindruckten die Musiker um Frontmann Sam Getz mit Präzisionsarbeit und festem Händedruck.

Dass der Slogan „Thank God It’s Friday“ nicht nur für in die Jahre gekommene Disco-Jünger und Donna-Summer-Anhänger eine gewisse Bedeutung hat, demonstriert im hoffnungslos überfüllten Zeil-Club ein eigens aus Groß-Gerau angereistes Ehepaar: „Gott sei Dank ist Freitag“, sagt der hochaufgeschossene Bartträger Martin zu seiner zierlichen blondhaarigen Gattin Ingrid just in jenem Moment, da die Lichter ausgehen und die Formation „Charming Liars“ als erste eines verrockten Band-Dreierpakets an den Start geht – der Rest geht im Klanggedröhn unter. Bei der 2012 in London gegründeten, wenig später in die USA ausgewanderten Truppe kulminiert Pop mit Rock und Elektro. Bestens geeignet als Aufwärmaktion für Endlich-ist-Wochenende-Infizierte. Um einiges heftiger zur Sache geht das ganz in Schwarz gekleidete kanadische Duo „The Blue Stones“ nach etwas längerer, von technischen Schwierigkeiten umflorter Umbaupause. Schlagzeuger und Harmoniesänger Justin Tessier sowie Frontmann Tarek Jafar an E-Gitarre und Erststimme beschwören erdig rustikalen Bluesrock mit Indie-Touch.

Da drängt sich geradezu der Vergleich auf, die auf der Konzertbühne noch um einiges wuchtiger geratenen beiden Blausteine mit den stilistisch verwandten Zweier-Konstellationen „The Black Keys“ und „The White Stripes“ in eine Reihe zu stellen. Doch das würde zu kurz greifen. Finden sich beim rasch vom Publikum akzeptierten Repertoireauszug aus dem erst vor wenigen Tagen erschienenem Debütwerk „Black Holes“ doch auch stilistische Querverweise zu einschlägigen Retro-Rockern wie „Rival Sons“ und „The Black Crowes“. Einer eigenen Headliner-Tour durch die Clubs sollte hierzulande für „The Blue Stones“ jedenfalls nichts im Wege stehen.

Wenig bis gar keine Überzeugungsarbeit leisten müssen „Welshly Arms“. Schon mit dem Auftakt „X“ vom aktuellen zweiten Studiowerk gibt das nach einem Sketch der US-Kult-Comedy-Reihe „Saturday Night Live“ betitelte Sextett eine 1a-Visitenkarte ab, der weitere folgen. Keyboarder Brett Lindemann lässt die Hammond-Orgel-Töne schweben, Schlagzeuger Mikey Gould feuert mit Schmackes Wuchtiges, dominant unterfüttert durch die Präzisionsarbeit von Bassist, Zweiststimme und Co-Komponist James Weaver. Derweil gospelt das afroamerikanische Harmonievokalduo Bri und Jon Bryant, was das Zeug hält und findet auch noch Zeit für herrlich synchrone Tanzchoreografien der alten Soul-Schule à la „The Supremes“, „The Temptations“ und „The Four Tops“. Als Krönung der unprätentiösen Inszenierung fungiert Frontmann Sam Getz: Virtuos an diversen antiken E-Gitarren-Modellen zugange und mit markantem Stimmtimbre ausgestattet, verfügt Getz zudem über Ausstrahlung.

Erstklassiges Handwerk liefern auch 14 weitere Songbeispiele aus den Alben „Welshly Arms“ (2015) und „No Place Is Home“ (2018): „Love In A Minor Key“ oszilliert ebenso knackig zwischen Blues, Soul, Gospel und Rock wie „Indestructible“, „Sanctuary“, „Down To The River“ und „All The Way Up“. Mit Ohrwurm-Potenzial empfiehlt sich auch Balladeskes wie „Locked“ und „Unspoken“. Eine auf eigene Belange umgemodelte Coverversion von Roy Orbisons „You Got It“ integriert sich nahtlos. Längst singt das Publikum mit, als „Welshly Arms“ zum Finale ihren Hit „Legendary“ anstimmen. Sam Getz verschlägt es zum Abschied direkt ans metallene Absperrgitter im Fotograben, wo er den Fans minutenlang Handshakes zukommen lässt.

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