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Ellie Rowsell von ?Wolf Alice? gibt den coolen Ton vor.

"Wolf Alice" in "Zoom"

Es wird immer wilder

Von Wölfen im Schafspelz muss man nicht mehr fabulieren. Denn ihre Folk-Vergangenheit haben Sängerin Ellie Rowsell und Gitarrist Joff Oddie bei „Wolf Alice“ schon lange abgelegt.

Dass der Rock ’n’ Roll, wie er lange Zeit die Szene dominierte, längst tot ist, wird immer dann gebetsmühlenartig wiederholt, wenn einer der Großen der Branche stirbt, wie zuletzt Tom Petty, Fats Domino, Malcolm Young oder Johnny Hallyday. Umso erfreulicher ist es also zu sehen, dass Youngster wie „Wolf Alice“ einen Rockclub wie das „Zoom“ ausverkaufen können. Denn sonst sind es die Rapper, die den Laden in der Brönnerstraße regelmäßig vollmachen.

Anfang September 2016 war das Nord-Londoner Quartett schon einmal in Frankfurt. Auf den damals kursierenden Pressefotos sah man die Freunde lässig mit Sonnenbrillen beim harmlosen Studentenbootsausflug. Von der Idylle, die hier und da noch auf dem Debütalbum „My Love Is Cool“ aufblitzte, war live dann nicht mehr viel zu spüren. Schließlich war die Idee bei Bandgründung, zukünftig mehr Lärm zu machen. Und den brachten sie variantenreich auf die Bühne. Nicht nur Dekaden alternativer Gitarrenbands wurden von den erklärten Fans von „Nirvana“ und der „Pixies“ individuell fortgeführt. Da war man noch geneigt, den Sound aufgrund der Schönheit der Stimme, der Eingängigkeit der Melodien und dem hymnenhaften Charakter einiger Songs als die Wiedergeburt des „Power Pop“ zu bejubeln. 16 Monate später präsentieren sich „Wolf Alice“ fast noch facettenreicher. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Neben den schon damals herausgefilterten Stilelementen, die man wahlweise den „Ramones“, „Black Sabbath“ oder „Blondie“ zuordnen konnte, hat die Live-Performance heute noch weit mehr Punk-Aggressivität, Noise-Attacken, Grunge-Appeal und Düster-Wave-Atmosphäre. Mit „Visions Of A Life“ ein weiteres Top-2-Album im Rücken, agieren die Vier noch selbstbewusster als beim Deutschland-Debüt.

Zwei Songtitel dokumentieren das Selbstverständnis: „Beautifully Uncoventional“ agieren sie und sind dabei „Formidable Cool“. Diese Souveränität verleiht der Performance ein deutliches Plus an Sexiness. Und damit sind nicht Ellie Rowsells Hotpants zu derben Schnürstiefeln gemeint, sondern die elektrisierende Spannung, die da mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und ein wenig Elektronik aufgebaut wird. So offensiv, wie Joff Oddie, Theo Ellis und Joel Amey mit ihren Instrumenten umgehen, fühlt man sich fast zwangsläufig an die Zeit in den Sixties erinnert, als Rotzlöffel wie „The Kinks“ oder „The Who“ den harmlosen Beat zu harschem, britischen R & B umwandelten und den Punk vorwegnahmen. Fehlt nur noch, dass die Gitarren nach wilden Feedback-Orgien zu Bruch gehen. Die Suggestion genügt. Die Fans sind aufgepeitscht genug, es wird gehüpft, mitgesungen – das Energielevel stimmt.

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