Wiesbadener Staatstheater

Im Wirrwarr der Gefühle

  • vonKatja Sturm
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Mit viel Geschick bringt Tina Lanik Stefan Zweigs berühmten Roman „Ungeduld des Herzens“ auf die Bühne des Wiesbadener Staatstheaters.

Das Problem, das es bereiten kann, wenn man einen umfangreichen Roman auf die Bühne bringt, offenbart sich ganz am Ende. Da monologisiert Anton Hofmiller, dieser in seinen Gefühlen verhedderte Leutnant aus Stefan Zweigs langem Prosawerk „Ungeduld des Herzens“ von 1939, all das in stark gekürzter Form, was nicht mehr in das vorangegangene Spiel passte. Doch da Darsteller Nils Strunk dabei die gleiche Intensität an den Tag legt, mit der er zuvor schon all die emotionalen Schwankungen des Protagonisten zelebrierte, erlebt dieser Abend im Staatstheater Wiesbaden zwar einen ruhigen, aber doch beeindruckenden Ausklang.

Überhaupt beweist Tina Lanik viel Geschick bei ihrer Inszenierung des Romans um die junge, durch eine Krankheit gehbehinderte Edith (Barbara Dussler) in einer Theaterfassung von Thomas Jonigk. Den Kontrast zwischen den beiden so verschiedenen Welten, in denen sich Hofmiller bewegt, der eigenen kargen und der vor Reichtum überquellenden der Familie von Kekesfalva, verdeutlicht der Bühnenaufbau (Stefan Hageneier). Vor schwarzem Hintergrund steht inmitten weniger schmuckloser Möbelstücke ein prächtiger Fahrstuhl, der seine Insassen zwar hinaufrauschen lässt in die Höhe, aus der Edith sich allerdings später zu Tode stürzen wird, enttäuscht vom vermeintlichen Liebenden.

Wie unaufhaltsam bei der Konstellation der handelnden Personen die Geschichte auf ein tragisches Ende hinausläuft, machen die Einmischungen von Frau Engelmayer (Karoline Reinke) deutlich. Dieses an eine softere Version des blutrünstigen Joker aus den Batman-Storys erinnernde Geschöpf übernimmt nicht nur einige Nebenrollen, wie die der Diener. Sie greift auch der Handlung vor, weiß von all den noch in der Zukunft liegenden Schrecken und Tragödien wie den Weltkriegen oder eben dem Suizid Ediths und plaudert sie übermütig aus. Verhindern vermag sie sie allerdings nicht.

Genau darin besteht die besondere Grausamkeit des Geschehens: dass man früh weiß, was kommt, und doch genauso hilflos zusehen muss wie Ediths Vater, der trotz all seines Vermögens und besten Willens seiner Tochter doch nicht helfen kann und damit selbst zum Opfer wird. Roland S. Blezinger spielt den verfallenden Gutsherren mit so leidenschaftlicher Zurückhaltung, dass er selbst zum zentralen Element dessen wird, was das Grundthema des Romans ist: das Mitleid.

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