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William Fitzsimmons (37) kommt aus Pittsburgh.

Folkmusiker William Fitzsimmons

Zartes Grau liegt über der Stahl-Stadt

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William Fitzsimmons, amerikanischer Liederschreiber und Sänger, legt mit „Pittsburgh“ sein siebtes Album vor. Ein Juwel der Folkmusik.

Seit die große Künstler-Enteignungsmaschine der IT-Technologie mit Musikstreaming und Amazon in aller Breite zuschlägt, schleichen sich geducktere Stimmungen ins Leben und Arbeiten vieler. Glücklich, wessen Musik zum Ausgleich von Massenmedien wie Fernsehserien zitiert wird. Zu dieser Schar zählt auch der 37-jährige William Fitzsimmons, ein zeitweise praktizierender Psychologe, dem das Vorkommen in „Grey’s Anatomy“ Präsenz verschaffte.

Neben ikonischen US-Städten wie Jacksonville und Springfield, wo man sich Fitzsimmons spontan als Nachbarn der Simpsons und Flanders vorstellt, spielt Pittsburgh die größte Rolle für ihn. Dort wuchs der jüngste Sohn blinder musikalischer Eltern auf und lernte serienweise Instrumente (Piano, Posaune, Gitarre, Banjo, Ukulele, Mandoline, Melodica). „Pittsburgh“ nahm er jetzt fast im Alleingang auf, was problematisch sein kann, hier aber die Intimität unterstreicht.

Sieben Lieder machen das kurze Album „Pittsburgh“ aus: eine siebenteilige Ode auf die Stadt. Der Tod seiner Großmutter veranlasste Fitzsimmons, den alten Wunsch nach einem Pittsburgh-Album aufzugreifen. Das Eröffnungslied „I Had To Carry Her (Virginias Song)“ verweist darauf, denn dahinter steht der Enkel als Sargträger. Die poetische Sprache der schlichten und starken Worte, die atemberaubenden Wortketten und das umfassende Empfinden von Traurigkeit und Melancholie auf diesem Album sind es, die sein Erzählen prägen. Ein stilles Werk, dem man genau zuhören muss: eine Musik wie dahingehaucht, voller Einsamkeit und Intensität, trotz ihrer welthaften Gehalte extrem nach innen gewandt.

Schon der Oma-Opener wiegt den Hörer mit Akustikgitarre zwischen Folk, Klassik und Pop sanft-nostalgisch in seinem Klang, begleitet vom verhaltenen Gesang, der den oft bemühten Vergleich Fitzsimmons’ mit dem frühen Cat Stevens tatsächlich aufzwingt. „Falling On My Sword“ setzt mit Gitarrenakkorden, etwas Tamburin und Orgel (oder Melodica?) den Grundton mysteriös fort, haucht im Chor einher und findet noch Zeit für poetische Wendungen wie „fucking for devotion“. Der Song „Better“ elektrifiziert die Sache ein wenig, die Ein-Mann-Percussion bleibt freilich monoton und Geschmackssache, so wie später in „Matter“. Der Titelsong strahlt etwas von Country-Folk aus, ist balladesk und schwer. Das Finale „Ghosts Of Penn Hills“ kommt geisterschauend aufs Großmütterchen zurück und lässt nach allem gruselnden Atemholen und einsamen Piano-Aschlägen (nebst Gitarre, Mandoline, Cello?) Lied und Stadt entschweben. Schönes kleines Album; ein sprödes Juwel.

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