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John Hurt 2013 bei den Filmfestspielen in Cannes.

Zum Tod des englischen Schauspielers John Hurt

Mit dem Zauberstab der Kinokunst in der Hand

Im Alter von 77 Jahren ist John Hurt seinem Krebsleiden erlegen. Der wandelbare Schauspieler hat große tragische Schicksale, aber auch kleine Nebenrollen gespielt.

Der britische Schauspieler John Hurt ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Wie seine Witwe Anwen Hurt am Samstag mitteilte, erlag er in seinem Haus in Norfolk in Ostengland einem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Viele Filme, in denen Hurt mitspielte, machten Kinogeschichte, darunter Alan Parkers „12 Uhr nachts – Midnight Express“ (1978), „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979), „Dead Man“ von Jim Jarmusch (1995) oder „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (2008).

Jüngeren Kinofans ist Hurt als der Zauberstabverkäufer Garrick Ollivander in den „Harry-Potter“-Filmen bekannt. Berühmt wurde er aber vor allem durch David Lynchs Film „Der Elefantenmensch“ aus dem Jahr 1980. Die tragische Rolle des von einer Krankheit entstellten John Merrick brachte ihm eine Nominierung für einen Oscar als bester Hauptdarsteller sowie den britischen Filmpreis Bafta ein. Die Dreharbeiten waren für Hurt allerdings eine Tortur – allein für die Maske benötigte er zwölf Stunden.

John Hurt wurde am 22. Januar 1940 im Herzen Englands, nahe Chesterfield, als Sohn eines Pastors und einer Amateur-Schauspielerin geboren. Er studierte zunächst Kunst, bevor er 1960 eine Schauspielausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art begann. Neben Bühnenstücken übernahm er auch kleinere Rollen im Fernsehen. Sein großes Vorbild war dabei Alec Guinness und dessen Fähigkeit, die Schauspielkunst aus dem Theater auf den Bildschirm zu übertragen. Hurt wirkte in zahlreichen Fernsehserien mit, so auch in „Doctor Who“, Kult nicht nur in Großbritannien.

Im Jahr 1978 brachte ihm seine Nebenrolle in „Midnight Express“ seine erste Oscar-Nominierung ein. Ein Jahr später übernahm er die Rolle des Alien-Opfers Kane. Die blutige Szene, in der ein Alien aus seinem Brustkorb schlüpft, ist in die Kino-Annalen eingegangen. In Mel Brooks’ „Spaceballs“ aus dem Jahr 1987 parodierte er später diese Szene. In „1984“, der Verfilmung des gleichnamigen Romans von George Orwell durch Michael Radford (1984) spielte Hurt die Hauptrolle. Derzeit ist er in dem Film „Jackie“ über die US-Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy im Kino zu sehen. Eindringlich spielte John Hurt Exzentriker und Psychotiker. Für seine Verdienste schlug ihn Königin Elizabeth II. im Juli 2015 zum Ritter. Nach einem erfolgreichen Kampf gegen Alkoholsucht hatte Hurt einen Monat zuvor öffentlich gemacht, dass er an Bauchspeicheldrüsen-Krebs erkrankt sei. Er zeigte sich optimistisch, ihn besiegen zu können. Insgesamt 16 Jahre war Hurt mit dem französischen Model Marie-Luise Volpelière-Pierrot verlobt. Über ihren Unfalltod 1983 kam er lange nicht hinweg. Hurt war vier Mal verheiratet und hatte zwei Kinder.

Im Kurzbotschaftendienst Twitter zeigten sich Schauspielerkollegen erschüttert über Hurts Tod. Der „Herr-der-Ringe“-Star Elijah Wood schrieb, es sei eine „Ehre“ gewesen, Hurts Filme zu sehen. Die Autorin der „Harry-Potter“-Bände, J.K. Rowling, trauerte auf Twitter um den „ungemein talentierten“ John Hurt.

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