+
Im Juni schimpfte Robert De Niro während der Verleihung der 72. Tony Awards in der Radio City Music Hall über den US-Präsidenten.

Geburtstag

Der zweifache Oscar-Preisträger Robert De Niro wird 75

„Der Pate II“ und „Taxidriver“: Robert De Niro zählt zu den einflussreichsten Charakterdarstellern Hollywoods. Berühmt ist er für seine ausgeprägte Mimik, seine intensive Spielweise – und seine Kritik an Donald Trump.

Der Mann mit den silbergrauen Haaren und dem Dreitagebart ist eine Hollywood-Legende. Aber berühmt ist Robert De Niro heute nicht nur als Darsteller tougher Typen, sondern auch als scharfzüngiger Trump-Kritiker. Erst im Juni machte er Schlagzeilen, als er bei der Verleihung der Tony-Awards den US-Präsidenten mit „Fuck Trump!“ attackierte. Das brachte ihm Standing Ovations – und einen empörten Tweet von Donald Trump: De Niro habe wohl zu viele Schläge von echten Boxern abbekommen. Das war eine Anspielung auf dessen Rolle in dem Boxerfilm „Wie ein wilder Stier“.

Heute wird Robert De Niro 75 Jahre alt. Vor der Kamera ist er aktiver denn je. Neben der Großvater-Komödie „War With Grandpa“ ist gerade „The Irishman“ abgedreht, eine Geschichte krimineller Machenschaften zwischen Gewerkschaften und Mafia. De Niros starker Gegenpart ist, wie in anderen Filmen, Al Pacino. Regie führte Martin Scorsese. Es ist ihre neunte Zusammenarbeit. Legendär ist De Niros Mimik – ein Zucken hier, ein Grinsen da, ein Lächeln, das zwischen misstrauisch und maliziös changiert. In rund 115 Filmen hat er mitgespielt. Viele hat er geprägt, ob „Hexenkessel“, „Der Pate II“, „Der letzte Tycoon“, „Taxidriver“ oder „Die durch die Hölle gehen“.

Robert De Niro bereitet sich akribisch auf jede Rolle vor. In dem Mafia-Film „Die Unbestechlichen“ (1987) tritt er als massiger Al Capone mit Halbglatze vor die Kamera. Für den Musikfilm „New York, New York“ (1977) lernte er Saxofon spielen. Und um das tragische Scheitern des Boxers Jake La-Motta in Martin Scorseses Klassiker „Wie ein wilder Stier“ (1980) überzeugend zu vermitteln, trainierte er Boxen und futterte sich 30 Kilo Übergewicht an.

Geboren wurde Robert Anthony De Niro Jr. 1943 in New York, der „aufregendsten Stadt der Welt“. Die Mutter schreibt, der Vater ist expressionistischer Maler und Bildhauer – „ein komplizierter Mann“, wie der Junior sagt. Robert De Niro will Schauspieler werden. Er nimmt Unterricht, tingelt durch Provinztheater und geht zu allen offenen Castings: „Ich hatte nicht mal einen Agenten.“

Der Durchbruch kommt 1970: Roger Corman engagiert De Niro für den Gangsterfilm „Bloody Mama“ als drogensüchtigen Sohn der Bandenchefin Ma Barker. Bald darauf steht er im Großstadtdrama „Hexenkessel“ neben Freund Harvey Keitel vor der Kamera.

De Niro hat den Ruf, sich gleichsam instinktiv der jeweiligen Figur anzuverwandeln, förmlich in sie hineinzukriechen – in den psychisch gestörten Vietnam-Veteran Travis Bickle in „Taxidriver“ (1976) oder den psychopathischen Quälgeist Max Cady in „Kap der Angst“ (1991). „Als Schauspieler kann ich ein ganz Anderer sein, ohne einen großen Preis für dieses andere Leben zu zahlen“, sagt er über sich.

Unverwechselbar ist seine Stimme: rau und brüchig mit sarkastischem Unterton. Diese Besonderheit bringt sein deutscher Synchronsprecher Christian Brückner perfekt zum Ausdruck.

Mit seiner Firma Tribeca ist De Niro zugleich als Produzent aktiv. Er hat auch Regie geführt, so 1993 bei „In den Straßen der Bronx“, der Geschichte eines Busfahrers, gespielt von ihm selbst, der seinen Sohn vor dem Abrutschen in die Kriminalität bewahren will.

Lange hatte er ein Faible für unangepasste, schwierige Charaktere, für Neurotiker und Gescheiterte, für Macho-Typen. Doch 1999 entdeckte er ein neues Genre – die Komödie. Vergnüglich parodiert er sein Macho-Image. In „Reine Nervensache“ glänzt er als Mafia-Boss, den Potenzprobleme zum Psychotherapeuten treiben. In „Meine Braut, ihr Vater und ich“ ist er ein launischer Schwiegervater in spe.

Einen PC-fernen Rentner, der dank einer Beschäftigungsinitiative für alte Menschen als Praktikant in einer Online-Modefirma anheuert, gibt er in „Man lernt nie aus“ (2015). Natürlich verzweifelt er am Bildschirm, hilft aber seiner Chefin mit praktischer Alltagsintelligenz.

Mit seiner zweiten Frau Grace Hightower lebt der Schauspieler, Vater von fünf Kindern aus drei Beziehungen, in New York. Hier fällt auch ein De Niro wenig auf, sagt er: „Niemand rechnet damit, dass ich einfach auf der Straße herumlaufe.“

In seiner langen Karriere wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit zwei Oscars, für „Wie ein wilder Stier“ und „Der Pate II“, einem Berlinale-Bären oder jüngst der Ehrendoktorwürde der Brown University. Eine Auszeichnung fehlte ihm indes noch – ein Stern auf dem legendären Hollywood Walk of Fame. Im kommenden Jahr wird De Niro auch diese Ehre zuteil.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare