Bürgerinitiative

2831 Unterschriften gegen Mastbetrieb

Nein zum Mastbetrieb zwischen Birlenbach und Diez: Begleitet von Mitgliedern der Bürgerinitiative hat Jan Schreiter am Dienstag im Rathaus Listen mit 2831 Unterschriften gegen das Vorhaben von Landwirt Thorsten Kuhmann an Stadtbürgermeister Frank Dobra übergeben.

Die Überbringer wenden sich gegen eine Mastanlage für fast 1000 Tiere in der Feldflur. Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Schnatz wies darauf hin, dass sich die Genehmigungsbehörde an Baugesetze halten müsse, derzeit aber in der Verwaltung kein prüffähiger Bauantrag vorliege.

Erste vom Bauherrn eingereichte Unterlagen waren unvollständig. In die Unterschriftenlisten trugen sich auch Mastgegner aus anderen Regionen und aus dem Ausland ein.

Existenzsicherung gegen Fundamentalkritik: Vor emotional aufgeladener Kulisse hatte der Planungsausschuss der Stadt im April die Pläne zum Bau einer Schweinemastanlage in der Feldflur zwischen Diez und Birlenbach erörtert, die Entscheidung über das nötige Einvernehmen aber zurückgestellt. Vor einer Empfehlung an den Stadtrat sollen die Stellungnahmen der Fachbehörden abgewartet werden. Darauf wies Frank Dobra die Mitglieder der Bürgerinitiative auch am Dienstag noch einmal hin.

Bauherr Thorsten Kuhmann, der zusammen mit Sohn Daniel einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Zucht und kleinerer Mast betreibt, möchte eine modern ausgestattete Anlage mit Platz für 980 Tieren errichten und einen Produktionskreislauf schließen: Anbau des Getreides auf den 150 Hektar großen, eventuell durch Pacht erweiterten Flächen, Zucht auf dem innerörtlichen Hof, Mast im ausgelagerten Neubau und Gülleausbringung auf den eigenen Feldern – mit bodennaher Technik (ab 2020 verbindlich vorgeschrieben). Fleisch möchte der Landwirt, der in der Erweiterung die Existenzsicherung seines Haupterwerbsbetriebs in der vierten Generation sieht, an heimische Vertrags-Metzgereien liefern.

Zusammen mit Planer Luitger Schnurbusch von der Lu-GApp Unternehmensgesellschaft hatte Kuhmann das von mehreren Dutzend Mastgegnern immer wieder mit hämischen Kommentaren begleitete Projekt in der Sitzung vorgestellt: Tierhaltung in Gruppen von 20 bis 30 Schweinen mit Bewegungsfreiheit und Platz pro Vierbeiner von mehr als einem Quadratmeter in der Mastendphase, ausreichend Dämmung an Wänden und Dach, Tageslichteinlass, Klimatisierung und Wühltürme als Spielgeräte. Die Versorgung erfolgt über eine Futterküche mit vor Ort gemahlenem Getreide und auf die Maststufe abgestimmtem Zusatzfutter. Betreten wird das Gebäude durch eine Hygieneschleuse.

Mit dem Stall möchte der Landwirt, dessen Hof seit mehr als sechs Jahren das QS-Qualitäts-Gütesiegel führt, ein Getreidelager und einen Güllebehälter mit einem Fassungsvermögen von rund 1150 Kubikmeter pro Jahr errichten. Das entspricht bei einem Mastzyklus von 2,7 im Jahr einer Lagerkapazität für den Zeitraum von neun Monaten. Abgeführt wird die Gülle über ein aus Kanälen bestehendes Wannensystem. Mit dem weitgehend im Boden versenkten Außenbehälter sollen Voraussetzungen geschaffen werden, Regenwasser für einen Löschteich und die Hochdruckkühlung zu sammeln.

Unterdessen stellen sich Bürger (zu sehen war im Sitzungssaal des Rathauses ein Banner mit der Aufschrift „Jetzt ist Märchenstunde“) grundsätzlich gegen das geplante Projekt. Massentierhaltung sei moralisch sehr fragwürdig – die Tiere sähen niemals den Himmel oder spürten Wiese unter ihren Füßen, sie lebten eingepfercht in kleinen Boxen, Antibiotikagabe sei Standard, die Nitratbelastung verseuche das Trinkwasser, Güllelast werde den Ort in eine stinkende, beißende „Landluft“ verändern, hieß es schon bei ersten Protesten vor mehr als einem Jahr. Zu Wort gemeldet hat sich auch der BUND. Die Organisation, die sich beim Thema Windkraft auf gerodeten Waldflächen äußerst zurückhaltend gibt, beklagt in diesem Fall die Zerstörung eines Naherholungsgebietes.

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