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Claudia Riegel.(rechts) brachte ihren Sohn im Geburtshaus auf die Welt und wurde später dessen Geschäftsführerin. Melanie Boß wollte schon immer Hebamme werden.

25-jähriges Bestehen

3100 Kinder erblickten in Frankfurts einzigem Geburtshaus das Licht der Welt

Das Geburtshaus Frankfurt feiert 25-jähriges Jubiläum. 3100 Kinder haben seither in der Einrichtung das Licht der Welt erblickt. Die große Feier findet am 19. August statt.

Die Räume sind hell und freundlich, die Wände in warmen Farben gestrichen. Im Flur hängt eine Pinnwand mit Danksagungskarten und auf einer Magnetwand sind die Namen, das Geburtsdatum, Größe und Gewicht aller Neugeborenen der vergangenen zwei Monate aufgeschrieben. Das Geburtshaus in der Böttgerstraße feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen.

Acht Hebammen arbeiten derzeit in dem gemeinnützigen Verein, dazu kommen fünf Verwaltungsangestellte. „Ich wollte schon immer Hebamme werden“, sagt Melanie Boß. „Das liegt vielleicht daran, dass mein Vater Gynäkologe und meine Mutter Hebamme ist.“ So wie ihr geht es vielen ihrer Kolleginnen. „Die allermeisten Hebammen wussten schon sehr früh, dass sie den Beruf erlernen wollen“, sagt Claudia Riegel, Geschäftsführerin des Frankfurter Geburtshauses. Die 52-Jährige ist eigentlich Hotelfachfrau, hat danach lange bei einer Bank gearbeitet. „2002 habe ich meinen Sohn hier im Geburtshaus geboren“, sagt Riegel. Danach sei der Kontakt zum Team nicht abgebrochen – und als ein Jahr später die Stelle der Geschäftsführerin frei wurde, habe sie nicht lange nachgedacht. „Mir war sofort klar, dass ich hier gern arbeiten würde“, erklärt sie.

Mehr als 3100 Kinder wurden in den vergangenen 25 Jahren in dem Altbau geboren. Für Hebamme und Vorstandsmitglied Boß ist das Klima im Geburtshaus ein ganz besonderes. „Während der Geburt können wir die werdende Mutter eins zu eins betreuen, sind nur für sie und das Baby da“, sagt die Mutter eines Sohnes. In Krankenhäusern hingegen würden in der Regel die diensthabenden Hebammen mehrere Geburten auf einmal betreuen. „Das können, wenn man Glück hat, drei schnelle Geburten sein, aber auch weitaus mehr.“

Vom Feststellen der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum sogenannten Beikostseminar, bei dem das Kind von der Flasche zum Brei begleitet wird, ist alles dabei. Auch Kurse zur Geburtsvorbereitung und zur Rückbildung nach der Geburt werden angeboten. „Nur Ultraschall-Untersuchungen müssen beim Frauenarzt gemacht werden“, sagt Hebamme Boß.

Es gibt zwei Geburtsräume: Der eine ist klein und kuschelig, in grün gehalten und mit Himmelbett. Der andere ist größer, die dominierende Farbe ist knallrot. „Die Frauen können selbst entscheiden, in welchem Raum sie sich wohler fühlen“, sagt Riegel. In beiden Zimmern gibt es eine große Badewanne, ein Bett, einen Stuhl und eine Kommode, auf der das Baby nach der Geburt untersucht wird. Farbe, viele Kissen und Wandbilder sorgen für Wohlfühlatmosphäre fast wie zu Hause. „Die Medizin ist hinter dem wohnlichen Charme versteckt“, erklärt die Geschäftsführerin.

1993 in Ginnheim eröffnet, kam am 6. September als erstes Kind Jelena im Frankfurter Geburtshaus zur Welt. Die Patenschaft übernahm die damalige Dezernentin für Frauen und Gesundheit, Margarethe Nimsch. „Der Verein wurde von acht Hebammen gegründet“, sagt Riegel. In dieser Zeit seien deutschlandweit einige Geburtshäuser eröffnet worden, entstanden aus einer feministischen Bewegung. 1998 folgte der Umzug in die heutigen Räume an der Böttgerstraße. „Das Haus ist ein ehemaliges Kinderheim“, erklärt die Geschäftsführerin. Die Besitzer hätten das Gebäude schließlich der Stadt Frankfurt gestiftet– unter der Voraussetzung, dass alle Mieter im Gesundheitswesen arbeiten. Das Geburtshaus im Nordend ist das einzige in Frankfurt.

„Deutschlandweit werden nur rund zwei Prozent der Kinder außerhalb von Kliniken geboren“, betont Riegel. Dazu zählen auch Hausgeburten. „Manche Frauen kommen zu uns, nachdem sie bei ihrem ersten Kind in einem Krankenhaus eher schlechte Erfahrungen gemacht haben“, so die Geschäftsführerin weiter. Es gebe sogar Mütter, die vier Kinder im Geburtshaus geboren haben. „Wenn eine Frau einmal bei uns war, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie ihr nächstes Kind in einer Klinik bekommen möchte.“

Doch es gibt auch unvorhersehbare Gegebenheiten, die eine Geburt im Geburtshaus unmöglich machen. „Wenn eine Frau zum Beispiel starke Schmerzmittel wünscht. Die dürfen wir nicht geben.“ Oder aber, wenn die Lage des ungeborenen Kindes einen Kaiserschnitt erfordert. „Bei uns können nur natürliche Geburten stattfinden“, erklärt Hebamme Boß. Was für sie das Besondere an ihrem Beruf ist? „Das Existenzielle. Ich bin dabei, wenn neues Leben auf die Welt kommt.“

Am Sonntag, 19. August, lädt das Team ab 14 Uhr zur Jubiläumsfeier ein. Es gibt unter anderem Live-Musik und Unterhaltung für Kinder. Dazu eingeladen sind alle, die dem Geburtshaus verbunden sind.

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