Kerkerbachbahn

Achim Mannes restauriert mit Freunden einen alten Wagen der Kerkerbachbahn

  • schließen

Durch glückliche Umstände ist der möglicherweise letzte existierende Wagen der Kerkerbachbahn wieder aufgetaucht. Besitzer Achim Mannes aus Schadeck und einige seiner Freunde sind gerade dabei, ihn auf dem Kasseler Hof der Familie Schäfer in Dehrn zu restaurieren und wollen ihn dann 2019 wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Achim Mannes beschäftigt sich als alter Eisenbahner schon seit vielen Jahren mit der Geschichte der Kerkerbachbahn. Vor Jahren hat er auch mal für den Schadecker Heimatverein eine Ausstellung zu dem Thema zusammengestellt. Der Gaudernbacher Uwe Sanders schaute sich die Ausstellung an und kam mit Mannes ins Gespräch. Sanders hatte auf seinem Gartengrundstück einen ehemaligen, zur Anglerhütte umgebauten Wagen der Kerkerbachbahn stehen. Irgendwann musste er den Garten räumen und erinnerte sich an Achim Mannes.

Der war hellauf begeistert, als Sanders ihm anbot, ihm den Wagen zu schenken, wenn er ihn noch im Sommer 2017 abhole. Das war so kurzfristig nicht möglich, weil sich ein zunächst angedachter Unterstand für den Wagen nicht realisieren ließ.

Im Oktober konnte die Abholung des Wagens dann aber durch die Hilfe des befreundeten Dehrner Landwirts Bernd Schäfer sowie Mitarbeitern der Firmen Schütz (Gaudernbach) und Egenolf (Obertiefenbach) doch noch erfolgen. Schäfer stellte seine Scheune als vorübergehenden Unterstand zur Verfügung. Seitdem sind Mannes und seine Freunde Manfred Huth, Helmut Fink und Siegfried Boden jedes Wochenende und manchmal auch mal mitten in der Woche dabei, den Wagen zu restaurieren. „Wir wollen Ende des Jahres fertig sein“, sagt Mannes. Das Besondere am Wagen ist, dass es seines Wissens nach der einzige noch existierende Originalwagen der Kerkerbachbahn sei. Ob es noch einen anderen gebe, könne er aber nicht beschwören, da es keine Unterlagen mehr gebe, was aus allen anderen Wagen geworden sei. Teilweise seien die Wagen später auf anderen Bahnstrecken wie der Inselbahn auf Borkum eingesetzt, teilweise aber auch verschrottet worden.

Mannes hat schon 5000 Euro an Eigenmitteln in die Sanierung des Wagens gesteckt, damit dieser möglichst wieder in originalgetreuen Zustand gebracht werden kann. Mannes würde gerne auch noch das fehlende Fahrgestell wieder einbauen, doch das würde 15 000 Euro zusätzlich kosten und die möchte Mannes derzeit nicht auch noch aus eigener Tasche zusteuern. Darum planen er und seine Helfer, einen Schadecker Geschichtsverein zu gründen, damit sie offiziell Fördergelder für das Projekt beantragen können.

Natürlich hätte Mannes auch nichts dagegen, auf anderem Weg Spender zu finden, die seinen Traum wahr werden lassen. Er bedankt sich bei der Kreissparkasse Weilburg, die die Sache bereits mit einer Spende in Höhe von 750 Euro unterstützt hat. Ende des Jahres soll der Wagen fertiggestellt sein. Wo er dann genau ausgestellt wird, wissen die Wagenbauer noch nicht. Aktuell sind die alten Bahnhöfe in Dehrn oder Kerkerbach als Standort im Gespräch.

Wagen 19 der Kerkerbachbahn ist immerhin genau 111 Jahre alt und soll künftig an Tagen des offenen Denkmals sowie nach Voranmeldung auch von interessierten Personen bzw. Gruppen betreten werden können.

Soweit möglich wurden am Wagen die alten Materialien erhalten. Folglich blieben auch einige halbwegs noch brauchbare Bodenbretter erhalten, obwohl sie nicht mehr im Optimalzustand sind. Alles, was erneuert werden muss, das Dach, der Boden, die Fenster aus Eichenholz oder der Außenlack, soll aber derart gemacht werden, dass es dem ursprünglichen Originalaussehen des Wagens weitestgehend entspricht.

Mannes weiß aus den Unterlagen, dass dieser Wagen 1907 als Güterwagen in Betrieb gegangen ist, 1945 aber zu einem Behelfspersonenfahrzeug mit 30 Sitzplätzen für die sogenannten „Hamsterkäufe“ umgebaut wurde.

Mannes weiß, dass die Kerkerbachbahn kontinuierlich 50 Personenwagen im Besitz hatte, von denen aber zeitgleich nur immer drei oder vier in Betrieb gewesen seien. Wagen 19 ging 1960 dann endgültig in den Ruhestand und landete 1964 in Gaudernbach.

Achim Mannes hatte Glück, dass er neben dem alten Wagen zu dessen Präsentation auch von der Dehrner Firma Burggraf Originalschienen der Kerkerbachbahn erhielt. Auch das war reiner Zufall. Auf dem Gelände der Firma Burggraf steht ein altes Silogebäude, das zu einem Bürogebäude umgebaut werden sollte. In dessen Dachgebälk waren die alten Schienen in den 1950-er Jahren verbaut worden und wurden nun nicht mehr benötigt.

Da die Verantwortlichen von Mannes Projekt erfuhren, schenkten sie ihm die Schienen spontan. Damit der Wagen Ende 2018 fertig hergerichtet sein kann, würden sich Achim Mannes und sein Team über Materialspenden wie auch die Mithilfe erfahrener Handwerker bei der Sanierung freuen.

Wer den weiteren Fortgang des Sanierung des Wagens verfolgen möchte, erfährt Neuigkeiten auf Achim Mannes’ Webseite unter .

Achim Mannes ist per E- Mail an Achim_mannes@t-online.de und telefonisch unter (0 64 82)57 32 erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare