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Teilnehmer des Parking Day blockieren am 22. September 2018, die PKW Parkplätze in der Töngesgasse in Frankfurt.

Reger Meinungsaustausch

Aktionstag "Park(ing) Day" in Frankfurt nervt Autofahrer

Am sogenannten Park(ing) Day haben Radaktivisten Parkplätze in der Töngesgasse besetzt – nicht alle sind von dieser Aktion begeistert.

Der Autofahrer mit Opelhintergrund hat seine eigene Meinung zum Park(ing) Day. „Hurensöhne!“, brüllt er wütend, denn die Töngesgasse ist zu klein für ihn und den Radfahrer mit dem Oberstudienratsgesicht, der in die andere Richtung will. „Dies ist ein Radweg“, belehrt ihn der Radfahrer mit virtuell erhobenem Zeigefinger, „hier haben Radfahrer Vorfahrt!“ Der Autofahrer scheint kurz in sich zu gehen und darüber nachzudenken. Dann brüllt er seine Antwort durch die geöffnete Seitenscheibe: „Hurensohn!“

Eigentlich also ein ganz normaler Tag im Frankfurter Stadtverkehr. Und doch nicht ganz. Heute ist Park(ing) Day. In der Frankfurter Innenstadt, aber auch in Kassel, Darmstadt, Offenbach oder Fulda veranstalten BUND, ADFC, Greenpeace und Artverwandte einen neckischen Aktionstag und machen es sich mit Sofas, Campingstühlen und Picknickkörben auf Plätzen gemütlich, auf denen sonst Autos parken. Zur Gemütlichkeit gehört natürlich auch ein gutes Buch. Doch der Schmöker mit dem interessanten Titel: „Wie dick muss ich werden, um kugelsicher zu sein?“ liegt ungelesen auf dem Tisch am Greenpeace-Stand. Es gibt nämlich gerade was zu gucken. Und zu hören.

„Wenn ich Fahrradfahrer wär’, würd’ ich Platz machen, wenn ein Autofahrer kommt“, brüllt der Autofahrer, der kein Fahrradfahrer ist. Der Radler macht keinen Platz, betet stattdessen gelassen sein Radweg-Mantra weiter und besteht auf seiner Vorfahrt. Den beiden Kontrahenten springen Sympathisanten zur Seite. Die Autofahrer im Stau hinter dem Opel – es werden immer mehr – hupen, was das Zeug hält. Eine Frau in ADFC-Weste und andere Freunde des Radsports bilden eine Phalanx um den Kohlhaas-Radler. Dies sei ein Radweg, brüllen sie gegen die Huperei an, heute erst recht. Der Autofahrer schlägt ihnen vor, sie sollten mit sich selbst intim werden. „Der ADFC nimmt gerne Ideen, Anregungen und Wünsche entgegen, um sich für die Realisierung einzusetzen“, ist auf einem Flyer zu lesen. In diesem speziellen Fall macht der ADFC aber eine Ausnahme.

Auf dem Flyer ist auch zu lesen, dass „die Töngesgasse seit Ende der 90er Jahre eine sogenannte Fahrradstraße“ sei, die „eigentlich die Attraktivität des Radverkehrs steigern“ solle, dies aber nicht tue, weil Radler „froh sein können“, wenn sie ohne Blessuren durch den Gegenverkehr kämen. Aber der ist gerade ohnehin zum Erliegen gekommen. Alle Räder stehen still. Fast alle. Ein desperater Autofahrer aus der Hup-Schlange will über das Schäfergässchen der Situation entfleuchen, ein selbst ernannter Verkehrspolizist weist ihn darauf hin, dass es so aber auch nicht gehe. Der Autofahrer hupt.

„Der öffentliche Raum ist ein Gemeingut, das allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zur Verfügung stehen soll“, fordern die Organisatoren des Park(ing) Day. „Ich hab’s kapiert, ich hab’s ja kapiert!“, brüllt der Opelfahrer, aber es klingt nicht so, als ob das von Herzen käme. Seine Beifahrerin kündigt der ADFC-Frau an, sie wegen Beleidigung zu verklagen, die ADFC-Frau kündigt an, der Klage gelassen entgegenzusehen. Mit quietschenden Reifen braust der Opel dann doch noch von dannen, musikalisch begleitet vom Hupen seiner Hinterleute und dem Chor der Attac-Klimagruppe, die zur Melodie von „Bella Ciao“ intoniert: „We’re on a planet / that has a problem / we got to solve it / get involved“. Der Opelfahrer winkt ihnen aus dem Seitenfenster mit dem gestreckten Mittelfinger einen letzten Gruß zurück.

„Fahrradfreude pur“, ist auf einem Plakat der „Lastenradler Frankfurt“ zu lesen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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