Rundgang

Altstadt-Führung erzählt die Geschichte hinter den Stolpersteinen

Rund 60 Teilnehmer begaben sich in der Altstadt auf Zeitreise. Sie besuchten Stolpersteine von jüdischen Opfern des NS-Regimes. Auch Bezüge zur Gegenwart wurden deutlich.

Als der Künstler Gunter Demnig im Jahr 1992 sein Kunstprojekt „Stolpersteine“ in einem kleinen Umfang startete, war nicht absehbar, dass 2018 in 22 europäischen Ländern bereits mehr als 60 000 Stolpersteine verlegt sein würden. Die Steine aus Messing erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus von den Nazis verfolgt wurden.

Stolpersteine sollen die Namen und die individuelle Geschichte der Opfer den Menschen ins Bewusstsein rufen. Sie liegen vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Verfolgten vor der Drangsalierung durch das NS-Regime. In Mörfelden-Walldorf wurde 2005 auf Initiative der DKP damit begonnen, Stolpersteine zu verlegen. 54 Steine sind es bislang.

Der „Förderverein (FV) Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau“ veranstaltete mit der Unterstützung der evangelischen Kirche Mörfelden und der Stadt Mörfelden-Walldorf einen emotional bewegenden und mit 60 Teilnehmern sehr gut besuchten Rundgang durch die Altstadt von Mörfelden zu sieben Stationen. „Es ist immer wieder wichtig, sich die Geschichte in Erinnerung zu rufen“, sagte Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD). Er betonte außerdem, dass die Erinnerung eine hohe Bedeutung für die Gegenwart habe. Becker verwies auf diverse Äußerungen von AfD-Politikern: „Man muss hiergegen klar Position beziehen.

Der Nationalsozialismus darf nicht verharmlost und seine Opfer nicht herabgewürdigt werden.“ Auch der Geschäftsführer des „FV Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau“, der ehemalige Erste Stadtrat der Doppelstadt, Hans-Jürgen Vorndran, betonte seine Sorge, dass rechtsradikales Gedankengut derzeit leider auf dem Vormarsch sei: „Wir sehen deshalb unsere Aufgabe darin, mit Informationen und Argumenten dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen.“

Rudi Hechler hatte aus seinem Privatarchiv zur Stadtgeschichte Mörfeldens Fotos aus der NS-Zeit mitgebracht. Besonders emotional berührend waren Worte von Hechler über seine jüdische Schulkameradin Ilse Mainzer aus der Hintergasse, die mit ihrer Mutter von den Nazis deportiert und ermordet worden war. Der Rundgang endete an der evangelischen Kirche. Hier erinnern Tafeln an im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten, darunter Joseph Reiß, dessen Familienangehörige ein Vierteljahrhundert später von den Nazis ermordet wurden. Im Schlusswort hob Pfarrerin Meike Sohrmann hervor: „Wir haben die Aufgabe, nicht zu vergessen.“

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