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Von einem Dachfenster ergibt sich ein Blick auf den Hühnermarkt im Herzen der Frankfurter Altstadt. Foto: Frank Rumpenhorst

Interview

Architekt Christoph Mäckler schwärmt von der neuen Altstadt

In der neuen Frankfurter Altstadt wird von heute an Eröffnung gefeiert. Der Architekt Prof. Christoph Mäckler hat das Projekt als Vorsitzender des Gestaltungsbeirats begleitet. Im Interview erläutert er, was gut gelungen ist – und was ihm nicht gefällt.

Herr Mäckler, die wiedererrichtete Frankfurter Altstadt stößt auf allgemeine Begeisterung. Würden Sie sagen: Das Ergebnis hätte nicht besser ausfallen können?

PROF. CHRISTOPH MÄCKLER: Im Sinne der historischen Bedeutung des Ortes war es notwendig, dass sich die bauliche Erneuerung des Areals der historischen Struktur der Altstadt unterordnet. Das ist gelungen. Es ist ein dichtes, kleinteiliges Stück Stadt entstanden, das sich mit seiner Umgebung vernetzt. Das begeistert mich.

Wenn es Kritik gibt, dann an der Gestaltung der Häuser. Ist die Altstadt zu bunt geworden?

MÄCKLER: Entscheidend für den Gesamteindruck ist, dass die einzelnen Häuser zu einem Ensemble verschmelzen. Diesen Prozess der Bauausführung hat der Gestaltungsbeirat in seinen regelmäßigen Sitzungen in enger Abstimmung mit den einzelnen Architekten sehr sorgfältig begleitet. Dies ist in Gestaltungsbeiräten eigentlich unüblich. Am Dom-Römer-Areal aber ging es darum, die Neubauten im Detail mit der gleichen Sorgfalt zu bearbeiten, wie die mit ihnen konkurrierenden Altbauten, denen schon aufgrund ihrer Handwerklichkeit ein sehr viel höherer Gestaltungsgrad innewohnt. Das Zusammenspiel von Farbe, Material und Detail auf dem Areal ist im Wesentlichen gelungen.

Gelegentlich fällt doch noch das böse Wort von Disney-World oder Märklin-Stadt...

MÄCKLER: Wir leben in einer Zeit der Rückwärts-Gewandtheit. Überall in Deutschland werden heute immer mehr Rekonstruktionen gefordert. Entstanden ist trotzdem ein authentisches Stadtquartier, ein weitgehend normales Stück Stadt mit hochwertiger Architektur. Es gibt einige neue Häuser, die von einer jüngeren Generation von Architekten entworfen wurden, die zeigen, dass gute Architektur nicht eine Frage von Flachdach oder Schieferdach, also keine Frage von Ideologien oder Moden ist, sondern ausschließlich auf dem Nachdenken und der Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Baukultur beruht. Dieser Nachweis ist für mich das schönste Ergebnis der Dom-Römer-Bebauung. Damit kann die neue Frankfurter Altstadt auch zum Vorbild für neue Stadtquartiere werden.

Und die Mischung aus originalgetreu wiedererrichteten Häusern und modernen Entwürfen finden sie auch gelungen?

MÄCKLER: Insgesamt hätte ich mir weniger Rekonstruktionen gewünscht.

Gehören Sie zu denjenigen, die sagen: In zehn Jahren, wenn die Gebäude lange genug der Witterung ausgesetzt waren, sieht das alles durch und durch echt aus?

MÄCKLER: Ich stelle mir vor, dass ich in einigen Jahren mit meinen Enkelkindern auf dem Weg zum Dom, den mein Vater nach dem Krieg wiederaufgebaut hat, durch die Gassen laufe und ihnen die Entstehungsgeschichte der neuen und der alten Häuser erzähle, die dann bereits Patina angesetzt haben.

Die neue Altstadt passt gut zum Neubau des Historischen Museums. Wie ein Fremdkörper wirkt hingegen die Evangelische Akademie mit ihrer Glasfront. Oder wie empfinden Sie das?

MÄCKLER: Zumindest fällt das Haus aus dem Rahmen, den die Politik mit viel Aufwand für die Bebauung des Zentrums der Stadt um den Römer festgeschrieben hat, heraus und es scheint hier eine gewisse politische Inkonsequenz spürbar zu werden.

Sollte man in Frankfurt noch viel mehr wiederaufbauen? Es gibt bereits einen Freundeskreis für die Errichtung des Alten Schauspielhauses am Willy-Brandt-Platz als Ersatz für die heutigen Städtischen Bühnen.

MÄCKLER: Nein, davon halte ich gar nichts! Das einzige, was ich glaube, was die Stadt wieder in Ordnung bringen muss, ist ihr Rathaus. Die Politiker sitzen in einer Nachkriegsruine, deren Türme und Dächer wieder in ihren normalen Zustand versetzt werden sollten. Dafür trete ich seit einigen Monaten mit dem neuen Brückenbau Verein ein.

Vor zwei Jahren haben sie gesagt, das Gemütliche an der Altstadt sei die Enge. Da Frankfurts Einwohnerzahl so wächst, wird aber auch viel über die Verdichtung durch Wohnungen geklagt. Ist Enge gut, aber Verdichtung schlecht?

MÄCKLER: Wenn Sie schauen, wo sich die Frankfurter wohlfühlen, dann sehen Sie, dass dies in Stadtteilen wie Bockenheim oder Bornheim der Fall ist! Das sind Stadtteile, die sehr viel mehr Einwohner haben als beispielsweise der Riedberg.

Man hat oft den Eindruck, dass neue Gebäude in Frankfurt sich viel zu wenig in ihre Umgebung einpassen. Das liegt sicherlich an der Egomanie der Architekten und Bauherren, aber wohl auch am mangelnden Verständnis der Stadtpolitiker für eine schön durchgestaltete Stadt. Was müsste sich da in Frankfurt ändern?

MÄCKLER: Wir brauchen mehr Sensibilität im Städtebau und in der Architektur. Dies gilt sowohl für Politiker als auch für Architekten. Der Neubau am ältesten Turm Frankfurts, dem Eschenheimer Tor, ist, was die Materialien angeht, falsch! Hier hätte eine Stein-, oder Putzfassade an der Straße stehen müssen, so wie das alle anderen Gebäude rund um den Eschenheimer Turm haben.

Hätten Sie einen Vorschlag für den Goethe-Platz? Man kann es fast nicht glauben, dass es so schwierig sein soll, ihn ansehnlich herzurichten...

MÄCKLER: Ich hatte bereits Ende der 1980er Jahre vorgeschlagen, zwischen Rossmarkt und Goetheplatz einen Neubau zu errichten und zwei Platzräume mit unterschiedlichem Charakter zu schaffen. Die Trennung der Platzflächen durch ein Gebäude macht die neugebildeten Platzräume klar überschaubar. Beide Plätze erhalten ihre eigenen Raumachsen, die in der Mitte der Plätze zwischen den Platzwänden angeordnet und durch die vorhandenen Denkmäler markiert werden. Wegen seiner Baumbepflanzung wurde der Goetheplatz früher „Stadtallee“ genannt. Aus diesem Grund schlage ich vor, die mickrigen Hutzelbäume gegen vernünftig gewachsene Laubbäume mit vernünftigen Baumkronen zu ersetzen.

Und da es nun schon um Stadtgestaltung geht: Glauben Sie, dass aus dem Platz vor dem Hauptbahnhof noch mal etwas Gescheites wird?

MÄCKLER: Für den Hauptbahnhof gibt es einen wunderbaren Entwurf meiner Kollegen Schneider Schumacher und es wird Zeit, dass dieser umgesetzt wird.

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