Schulterspezialist

Aristotelis Kaisidis hat ein Implantat erfunden, das sogar nach ihm benannt ist

Aristotelis Kaisidis hat geschafft, was nicht vielen Ärzten gelingt: Der Schulterspezialist hat ein Implantat erfunden – und, was noch seltener ist, es trägt sogar seinen Namen. Gerade hat es die TÜV-Zertifizierung bekommen, bald beginnt eine experimentelle Studie. Doch Kaisidis ist noch lange nicht zufrieden.

Irgendwann reicht es Aristotelis Kaisidis. Er kann die ganzen Schrauben, Drähte und Platten, die kaputte Schultern zusammenhalten sollen, nicht mehr sehen. Denn: Nichts davon hilft wirklich. Insbesondere nicht bei Osteoporose, die das Schultergelenk weich wie Butter macht. Eine gerissene Sehne wieder so anzuheften, dass sie hält – quasi ein Ding der Unmöglichkeit.

Außer für Aristotelis Kaisidis. Als er beschließt, ein vernünftiges Implantat zu entwickeln, ist er bereits Schulterspezialist. Ausgebildet wurde der 46 Jahre alte Arzt an den Universitäten seiner Geburtsstadt Thessaloniki und in Patras. „Da hat mir der Professor, der mich geschult hat, Schultern so interessant dargestellt, dass es irgendwann nur noch Schultern für mich gab.“ Mehrere Stationen und Fortbildungen später ist sein Können weit über die Klinik Maingau hinaus bekannt, wo Kaisidis heute als Chefarzt der Klinik für Schulterchirurgie (KSC) arbeitet. Kaisidis fängt also an, eine Platte zu designen, mit der nicht nur Sehnen wieder angeheftet, sondern auch Brüche repariert werden können. Denn Brüche am Schultergelenk führen regelmäßig zu schweren Komplikationen. „Retten ist das Schlüsselwort: Die Platte rettet entweder die Sehne oder den Oberarmkopf“, sagt der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Er entwickelt Modelle, lässt Gipsabdrücke fertigen, die in biotechnischen Analysen und später an Leichen getestet werden, hin und her geht es, über Jahre.

Doch irgendwann ist es soweit: Die „Kaisidis-Platte“ ist perfekt. Weil sie mit vier Zentimetern deutlich kleiner ist als herkömmliche Implantate, reicht zum Einsetzen ein kleiner Schnitt. Und man muss nicht ins Gelenk hinein, sondern kann die Platte seitlich von außen mit Minischräubchen fixieren. „Es sind mehrere Tricks drin, ich habe Jahre gebraucht, bis ich darauf gekommen bin“, sagt Kaisidis.

Vor Kurzem hat der TÜV die Platte genehmigt. „Das war die schwierigste aller Hürden. Seit dem Skandal mit den Brustimplantaten vor einigen Jahren in Frankreich sind die Prüfer noch strenger geworden“, sagt Kaisidis. „Es ist sehr schwer, heutzutage etwas zu erfinden, das auch tatsächlich zugelassen wird.“

Die Platte, die jetzt in einer experimentellen Studie getestet werden soll, hat noch eine zweite Besonderheit: Sie trägt den Namen ihres Erfinders. „Ich bin schon ein bisschen stolz“, sagt Kaisidis. „Wenn man schaut, wie viele Implantate tatsächlich den Namen des Arztes tragen, der sie entwickelt hat, sind das nur etwa 0,5 Prozent weltweit.“

Eigentlich komme das auch nur dann vor, wenn der Arzt sehr renommiert sei und die Firma explizit wolle, dass das Produkt mit dem Arzt verbunden werde, sagt Kaisidis. Weitere Beispiele sind die Charnley-Prothese, benannt nach dem britischen Orthopäden John Charnley, oder die Spotorno-Prothese des italienischen Orthopäden Lorenzo Spotorno, beides künstliche Hüftgelenke.

Anerkannter Spezialist, der Name untrennbar mit einer Erfindung verbunden – eigentlich genug für ein Arztleben. Oder nicht? Kaisidis lacht. „Wir sind da noch an einer Sache dran, die wird ebenfalls ziemlich fortschrittlich sein“, sagt er. Darüber sprechen könne er noch nicht, aber auch hier sei die Entwicklung schon recht weit fortgeschritten. „Ich melde mich, sobald der TÜV sie genehmigt hat.“

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