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Auch ICE-Züge müssen in die Waschstraße

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Von: Holger Vonhof

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Wie in der Auto-Waschstraße: In der ?ICE- und Ganzzugbehandlungsanlage? in Höchst ? einer von bundesweit 52 Waschanlagen der Bahn ? werden pro Tag zwischen 8 und 16 Züge von außen und innen gereinigt. Der Durchgang in der Waschstraße dauert rund 40 Minuten. Fotos: Leonhard Hamerski
Wie in der Auto-Waschstraße: In der ?ICE- und Ganzzugbehandlungsanlage? in Höchst ? einer von bundesweit 52 Waschanlagen der Bahn ? werden pro Tag zwischen 8 und 16 Züge von außen und innen gereinigt. Der Durchgang in der Waschstraße dauert rund 40 Minuten. Fotos: Leonhard Hamerski © Leonhard-Hamerski

Den Schmutz des Winters wäscht die Bahn ihren Zügen derzeit in der ICE-Waschanlage am ehemaligen Höchster Güterbahnhof ab. Das läuft ähnlich wie in der Auto-Waschstraße. Nur: Pro Meter Zug werden 40 Liter Wasser gebraucht.

Der ICE fährt im Schritttempo auf das Portal der Waschanlage zu und stoppt mit kreischenden Bremsen. Ähnlich der Auto-Waschstraße, wo Pkws in Schlepp genommen werden, fahren schwere, von Stahlseilen gezogene Schlitten heran und nehmen die Radsätze huckepack, die Stromabnehmer klappen weg. „Wasser und Strom vertragen sich nicht“, sagt Stephan Happ, Leiter der Fahrzeugreinigung im DB-Fernverkehr. Sofort geht es zur ersten Station der Waschstraße: Im Winter wird die Außenhülle des Zuges mit warmem Wasser angewärmt, im Sommer, wenn die Sonne brennt, mit kaltem heruntergekühlt, weil sonst die Reinigungsmittel nicht richtig wirken.

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Dann geht es durch mehrere Portale mit 22 rotierenden Bürsten – wie in der Auto-Waschstraße auch. „Nur viel größer“, sagt Happ. Die ICE-Waschstraße ist 125 Meter lang, hat Deckenheizlüfter und Videoüberwachung und natürlich eine Waschwasser-Aufbereitung. „Dort werden Rückstände aus dem Wasser geholt“, sagt Happ. Das seien Öle und Fette, Bremsstaub, aber etwa auch Kupferabrieb von den Oberleitungen.

Winterschmutz ade

Die Waschstraße auf dem ehemaligen Höchster Güterbahnhof ist seit dem Jahr 2000 in Betrieb, als mit der Schnellfahrstrecke Köln-Rhein-Main Reinigungskapazitäten in Frankfurt gebraucht wurden. Damals war sie eine reine ICE-Waschanlage; inzwischen wurde sie so umgebaut, dass auch andere Züge gereinigt werden können. Auch die ICE-Generationen unterscheiden sich in ihren Formen. Das jeweilige Programm wird vom Steuerungsmeister „gefahren“.

Derzeit ist Frühjahrsputz XXL bei der Bahn: In bundesweit 52 Reinigungsanlagen wird den Zügen nach den schmuddeligen Wintermonaten der Schmutz abgewaschen. Auch die roten Regiozüge und S-Bahnen sollen wieder glänzen. „Bis jede Flotte einmal mit unserem Grundreiniger richtig gewaschen ist, vergehen zwischen 14 Tage und vier Wochen“, erklärt Ronald Klemke, zuständig für die Reinigung bei der DB Regio. Knapp 40 Minuten dauert das ICE-Waschprogramm in Höchst; pro Zugmeter verbraucht die Anlage 40 Liter Flusswasser. 60 Prozent davon werden in der Anlage wiederverwendet, der Rest wird aufbereitet und in die Kanalisation eingeleitet.

2010 wurde die Höchster Anlage mit einem ganz speziellen Enteisungssystem nachgerüstet. „Das brauchen wir auch, um das Eis von den Drehgestellen zu bekommen, etwa vor einem Werkstattbesuch in Griesheim“, erklärt Stephan Happ. Die Technik ist simpel: „Jeden November stellen wir in der Anlage 280 Rasensprenger von Gardena auf“, erklärt der Reinigungs-Profi. Weil sie das ihnen zugeführte warme Wasser in wechselnden Bahnen versprengen, wird das Eis bestens abgelöst. Eine statische Wasserspritze würde nur ein Loch ins Eis schmelzen. Funktionieren muss es, sagt Happ, nicht kompliziert sein: „Es sind Rasensprenger aus dem Baumarkt.“

Von Berlin bis Peking

Und wie viele Meter Zug werden insgesamt gewaschen? Pro Jahr werden alle Regionalzüge und S-Bahnen mit einer Gesamtlänge von 7200 Kilometern gereinigt, das entspricht der Entfernung von Berlin nach Peking. Gewaschen wird dabei eine Fläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern. Im Schnitt alle ein bis zwei Wochen soll ein Zug in die Reinigung, ein ICE jeden zweiten Tag.

Das ist jedoch nicht immer möglich, denn die Züge sind quasi rund um die Uhr im Einsatz. Sauber sollen sie trotzdem sein: Gut 3000 Züge gehen jeden Morgen zumindest innen gereinigt auf Fahrt.

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