Nazi-Opfer

Ausstellung zum Leben und Werk der in Hadamar ermordeten Josefa Egberts

Die Sonderausstellung „Josefa Egberts – Malerin und Euthanasie-Opfer“ rollt einen Lebensweg vom Ende her auf. Die norddeutsche Malerin wurde, da sie eine schizophrene Langzeitpatientin war und als solche vom Euthanasieprogramm der Nazis erfasst wurde, 1941 in unserer Region, in Hadamar, ermordet.

Nein, Worte allein reichen nicht aus. Der nüchterne Vortrag, den Museumsleiter Dr. Alfred Meurer zur Einführung wählt, sachlich-fachlich, kann nicht annähernd ausdrücken, welches Leid sich hinter den Worten verbirgt. Vorstellungskraft ist nötig. Tiefe innere Auseinandersetzung.

Mit der Ausstellung im Museum im Grafenschloss wird exemplarisch das Verbrechen des Krankenmords ab 1941, das unter anderem in der Landesheilanstalt Hadamar und zum Teil mit stillschweigendem, unterdrücktem Wissen der Bevölkerung vollzogen wurde, so weit sinnfällig gemacht, dass man sich heute noch die unmenschliche Situation vorstellen kann. Ein Stück weit wird die Lebensgeschichte eines Opfers, Josefa Egberts, rekonstruiert. „Die Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte“, sagt Meurer, „steht notwendigerweise stellvertretend für die Lebensgeschichte vieler, die aus Mangel an Dokumenten oder Mangel an Aufmerksamkeit völlig anonym bleiben.“ In der Darstellung des Mordes an Behinderten und psychisch Kranken in der Zeit der Nazi-Diktatur gehe es zumeist um abstrakte Zahlen, um gesichtslose Codewörter und neutral klingende Namen von Orten oder Einrichtungen für mehr als 70 000 Ermordete. Meurer: „Solche Angaben lenken den Blick überwiegend auf die Täterseite, auf die Ideologie, die Organisation und Durchführung der Verbrechen. Sie sind eine quantitative und nüchterne Erfassung des Geschehens, aus der sich kaum ableiten lässt, welche Lebensgeschichte die Opfer dieser Vorgänge hatten und wie mit ihnen umgegangen wurde.“

Nach dem Rückblick auf historische Hintergründe und nationalsozialistische Ideologie erläuterte der Museumsleiter die Ausstellung aus Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken einerseits sowie die wenigen personenbezogenen Dokumente, darunter Kopien der Krankenakte, andererseits. Josefa Egberts wurde am 30. April 1893 in Wittmund (Ostfriesland) geboren. Ein Kaufhaus in Wilhelmshaven bot später die finanzielle Basis für eine großbürgerliche Stellung der Familie. Die Tochter erhielt eine humanistische Ausbildung. Sie wird als hochintelligent, musisch und künstlerisch begabt beschrieben. Im März 1919 zog Josefa zum Studium der Malerei, Grafik und Bildhauerei nach München. Ihre Verhaltensänderung führte immer wieder zu starken häuslichen Konflikten. 1925 wurde bei ihr in einem „Sanatorium für Nerven- und Gemütskranke“ bei Bremen Schizophrenie diagnostiziert. Spätestens 1934 war sie dauerhaft in der Landesheil- und Pflegeanstalt Osnabrück untergebracht.

Inzwischen hatte sich unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie die Einstellung der psychiatrischen Anstalten zu ihren Patienten allmählich und grundsätzlich geändert. Im Rahmen der nun anlaufenden Vernichtungsmaschinerie wurde sie am 24. April 1941 in die Anstalt Eichberg im Rheingau verlegt. Nach dem Weitertransport zur Tötungsanstalt in Hadamar am 10. Juni 1941 geriet sie dort in die Hände der Ärzte und Pfleger, welche in kürzester Zeit die Schritte ihrer letztmaligen bürokratischen Erfassung und anschließenden Tötung und Einäscherung im Keller der Anstalt ausführten. Als Todesursache wurde Lungenentzündung angegeben.

Die Ausstellung ist bis 19. Dezember im Museum im Grafenschloss (Schlossberg 8) montags bis freitags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr (in den Herbstferien nur nachmittags) sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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