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Frankfurt 20.8.2018, Wer ist der beste Bundesjugendspiele-Athlet der Stadt. Und ist der Wettkampf nicht mittlerweile verstaubt? wir sind beim Finalentscheid dabei; Titus Langefeld beim Weitsprung

Leichtathletik-Vierkampf

Beim Finale der Bundesjugendspiele messen sich die besten Leichtathleten der Stadt

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Bundesjugendspiele sind verstaubt und uninteressant? Von wegen! Der klassische Leichtathletik-Vierkampf spornt bis heute die Jugend zu Höchstleistungen an. So auch beim ersten städtischen Bundesjugendspiel-Finale. Rund 50 Schüler aus sieben Schulen maßen sich dort in Weitsprung, Schlagballwurf, Sprint und auf der Mittelstrecke.

Titus geht in die Knie, überprüft seine Schnürsenkel, schaut, ob er an der richtigen Absprungmarke steht, richtet sich aus, streicht seine blonden Haare aus dem Gesicht und rennt los. Schnell hat der Elfjährige seine Höchstgeschwindigkeit erreicht, exakt trifft er den Balken und springt in die Sandgrube, neben der der Kampfrichter schon das gelbe Maßband gezückt hat. Er legt es an und misst. „3,98 Meter“, ruft er. Titus schaut nicht glücklich. 4,30 Meter hat er im Training schon einmal geschafft. „Aber ich bin schon zufrieden“, sagt er, dreht sich um und joggt zur Tartanbahn zurück.

Mit seinen elf Jahren ist der Schüler der Carl-von-Weinberg-Schule der jüngste Teilnehmer des Bundesjugendspiel-Finales. Auf der Bezirkssportanlage an der Hahnstraße misst er sich mit rund 50 anderen Schülern von insgesamt sieben Frankfurt Schulen. Es ist eine Premiere, initiiert hat sie Gianluca Guccione vom Stadtschülerrat. Bis ihn eine Verletzung zurückwarf, war er selber Leichtathlet und weiß daher aus eigener Erfahrung, wie beliebt die Bundesjugendspiele bei sportbegeisterten Schülern sind. „Es ist toll, sich mit Gleichaltrigen zu messen. Da lag es nahe, die Besten der Besten stadtweit noch einmal gegeneinander antreten zu lassen. Das spornt an“, sagt er. Unattraktiv oder gar verstaubt, wie die Bundesjugendspiele immer wieder tituliert werden, sei dieser Wettkampf nicht. Deswegen muss man ihn seiner Meinung nach auch nicht attraktiver gestalten. „Wenn man keinen Sport mag, mag man keinen Sport.Ich kann ja auch keinem Mathe-Hasser das Fach schmackhaft machen, nur weil ich es umgestalte“, sagt Guccione.

Weitsprung, 75- oder 100-Meter Lauf, Schlagballwurf und ein abschließender 800- oder 1500-Meter-Lauf – das ist der klassische Vierkampf der Bundesjugendspiele, den die 12- bis 15-jährigen Schüler in zwei Altersklassen beim Finalentscheid absolvieren. Mit einem großen Team dabei ist auch die Eschersheimer Ziehenschule, elf Schüler hat Sportlehrer Chris Helding gemeldet. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um Leichtathletik-Cracks – nur drei der Ziehenschüler sind auch im Verein. Komplettiert wird das Team von Schwimmern, Fußballern und Tischtennisspielern. „Jeder, der Sport mag, kann bei den Bundesjugendspielen erfolgreich sein. Es ist fantastisch, dass die Besten hier aufeinandertreffen“, sagt er.

Von der einstigen Form der Bundesjugendspiele – mit langen Warteschlangen vor Weitsprunggruben und Startblöcken – hat man sich an der Ziehenschule verabschiedet. Dort gibt es einen Sporttag, in den der Wettkampf integriert und mit anderen Sportarten kombiniert wird. „So kommt jeder auf seine Kosten“, sagt Helding.

Klassischer geht es da noch auf dem Gymnasium Riedberg zu. Und das ist auch gut so, sagt Miriam. Die 14-Jährige hat gerade Pause und bereitet sich mental schon mal auf die nächste Disziplin vor, den Weitsprung. Stufenweise absolvieren am Riedberg die Schüler den Wettkampf, Spaß macht es eigentlich allen, sagt Miriam, die den Finalentscheid vor allem dazu nutzt, neue Kontakte zu knüpfen.

Um die Freude am Sport aufrecht zu erhalten, habe man vor zwei Jahren die Bundesjugendspiele reformiert, erklärt Dominic Ullrich, Lehrer an der Carl-von-Weinberg-Schule und Vizepräsident Jugend beim Deutschen Leichtathletikverband.

Damals, als die Diskussion aufkam, ob Bundesjugendspiele noch zeitgemäß wären, habe man sie angepasst. Jetzt gibt es eine Wettbewerbs- und Wettkampfform, erst ab der siebten Klasse kommt es auf jeden Zentimeter und jede Sekunde an, vorher gebe es eine offene Form, bei der der Spaß und nicht die Leistung im Vordergrund stehe. „Ich muss keine Weiten und Zeiten haben, um zu sehen, ob jemand Talent hat“, erklärt Ullrich. Viel wichtiger sei es, die Vielfalt der Leichtathletik an die Schüler zu übermitteln und sie dafür zu begeistern. Das wäre oft nicht leicht, denn der Sport hat einen großen Gegner: den Fußball. „Wir sind aber auf einem guten Weg“, so Ullrich.

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