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Lesen, Mikado spielen, Pedalo fahren: Beim ?Park(ing)-Day? 2017 wurden Parkplätze in der Bleidenstraße mal ganz anders genutzt.

Kreativität

Beim „Park(ing)-Day“ wollen Akteure Flächen kreativ nutzen

Ein Parkplatz ist rund zwölf Quadratmeter groß. Öffentlicher Raum, der besser genutzt werden könnte, finden einige Frankfurter Verbände und Initiativen. Am Freitag und Samstag laden sie dazu ein, kreativ zu werden und Parkplätze anders zu nutzen. Café, Bühne, Garten: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ein Auto steht durchschnittlich 23 Stunden am Tag herum. In 80 Prozent der Fälle auf öffentlichem Grund. „Dadurch geht eine riesige Menge Platz verloren“, sagt Heiko Nickel, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Hessen. Platz, auf dem Bäume wachsen, Bänke zum Verweilen einladen oder Kinder spielen könnten. Am Freitag und Samstag laden Umweltverbände und andere Initiativen deshalb zum „Park(ing)-Day“ ein, an dem Stellplätze an verschiedenen Orten der Innenstadt anders genutzt werden.

Los geht’s am Freitag im Bahnhofsviertel. Dort ist die Aktion der Ursprungsidee am ähnlichsten: Der „Park(ing)-Day“ begann 2005 nämlich als „Guerilla-Aktion“ in San Francisco (USA). In der Elbestraße ist ein Outdoor-WG-Frühstück geplant, andere wollen mit einer Kiste Bier Parkplätze blockieren. Angemeldet sind diese Aktionen nicht. Deshalb wird auch vorher nicht genau bekanntgegeben, was wo stattfindet.

Im Gallus gehen die Akteure die Sache gemäßigter und ganz legal an: Dort trifft der „Park(ing)-Day“ am Freitag zwischen 14 und 18 Uhr auf die Klimagourmetwoche, gleichzeitig wird das zehnjährige Bestehen der Nationalen Klimaschutzinitiative „So geht Klimaschutz“ gefeiert. Auf dem Gallusmarkt können Besucher in einem Workshop Aufstriche herstellen, Lebensmittel tauschen und vegane Snacks probieren. Außerdem wird es einen Kinderflohmarkt geben.

Auch die Aktion in der Töngesgasse am Samstag zwischen 10 und 18 Uhr ist von der Stadt genehmigt: Fünf Parkplätze vor den Hausnummern 35–37 und 48 haben der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) und andere Umweltorganisationen gemietet, um dort Aktionen zu starten. „In den vergangenen Jahren hatten wir Tischkicker und Pflanzkübel, Federball und Boule. Vielleicht gibt es nun Gartenstühle oder Kuchen“, sagt Nickel. Das sei den Teilnehmern überlassen. Es ist das dritte Mal, dass die Initiativen gemeinsam einladen, davor hatte jede „eigene“ Parkplätze besetzt.

Dass Anwohner verärgert sein könnten, sorgt Nickel nicht: „Die, die an verdichteten Stellen wohnen, sind sowieso nicht viel mit dem Auto unterwegs.“ Vielleicht habe ja sogar jemand aus der Töngesgasse Lust, eine Tischtennisplatte nach draußen zu tragen? Und auch von Autofahrern erwartet er kaum Proteste. „Der Frankfurter Autofahrer ist einiges gewöhnt, der wundert sich über gar nichts mehr.“ 50 Parkplatzbesetzer hätten 2017 mitgemacht, „wir freuen uns über jeden, der vorbeikommt“. Wer möchte, kann sein Fahrrad mitbringen und auf Funktionstüchtigkeit prüfen lassen. Wer Ideen hat, was Frankfurt lebenswerter machen würde, kann die Umweltaktivisten um Unterstützung bitten. sab

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