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Großer Bahnhof am Affentorplatz: Besucher der Kneipen bekamen während der Brunnenbegehung eine kostenlose Geschichtsstunde.

Sachsenhäuser Brunnenfest

Beim Rundgang spuckte die Figur der „Fraa Rauscher“ kein Wasser

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Die Brunnenbegehung ist einer der Höhepunkte des Sachsenhäuser Brunnenfestes. Normalerweise weiht der Brunnenschultheiß die sprudelnden Brunnen mit Wasser, Bier oder Ebbelwei. Doch bei der „Fraa Rauscher“ gab es eine Überraschung.

Eigentlich ist das „Ristorante Borsalino“ in der Großen Rittergasse ein Hort italienischer Gastlichkeit: Hier genießt man Pasta und Pizza, fühlt sich eher im sonnigen Süden als in Alt-Sachsenhausen. Doch als der Festzug mittags das Brunnenfest eröffnet und abends zur Brunnenbegehung vorbeikommt, zücken zahlreiche Gäste ihre Handys. Derweil sinniert Fraa Rauscher ruhig über ihrem Brunnen, scheint alles Wasser zu sammeln, das ihr im Munde zusammenläuft – oder auch nicht.

Dass Spucke und Puste den beiden Musikzügen der Star Breakers Frankfurt und der Brachtaler nicht ausgehen, reklamiert die Bernemer Kerwegesellschaft für sich, die den Festzug zusammen mit der Oberräder Karnevalsgesellschaft Die Wespen begleitet. Da die Bernemer den Musikern ihre letzten Wasserreserven abtreten mussten, zeigen sie sich beim Fassanstich zur Eröffnung auf dem Paradiesplatz besonders durstig. Und dem „Baum hoch!“ folgt schon bald ein „Hahn rein!“, weil die Brunnenkönigin Yvonne II. ein paar Übungsschläge braucht, bevor das Bier fließt.

Dass in Sachsenhausen kein Kerbebaum emporgehoben wird, erklärt der Präsident der Brunnen- und Kerbegesellschaft Dieter Breidt mit den Straßensperrungen in der Elisabethenstraße, aber auch mit den Kosten für den Ladekran. Zwar mangele es der Brunnen- und Kerbegesellschaft nicht an freiwilligen Helfern, aber doch an so manchen aktiven der 75 Mitglieder.

Immerhin: Pünktlich zur Brunnenbegehung verwandelt sich der Präsident in den Brunnenschultheiß Breidt. Flankiert von der Brunnenkönigin und der Schirmherrin Uli Nissen mahnt er zum sorgsamen Wasserverbrauch, weiht die Brunnen und erzählt ihre Geschichten: Von Adam und Eva, die noch im Paradies sind, weil die den Apfel trinken und nicht essen – wobei der Paradiesplatz eigentlich auf den Frankfurter Schultheiß Siegfried zum Paradies zurückgeht. Oder vom Georgsbrunnen und dem Ritter Georg von Frankenstein, der den Drachen bezwang und selbst sein Leben verlor.

„Der Hirschbrunnen ist mein Lieblingsbrunnen, er ist am schönsten und steht für die Natur“, betont Yvonne II. Und er verweist auf die Gründungssage an der Frankenfurt, auch wenn das 528. Brunnenfest im 825. Sachsenhäuser Jubiläumsjahr nach der urkundlichen Ersterwähnung 1193 gefeiert wird. Dann geht es mit der Rusticana-Wirtin Daniela Reza als leibhaftiger Fraa Rauscher im Gefolge zum gleichnamigen Brunnen. Doch im Gegensatz zu sonst spuckt das Marktweib mit verschmiertem Mund kein Wasser. Keinen Tropfen. „Das städtische Brunnenamt hat wohl den richtigen Code vergessen, um die Intervalle für das Speuzen einzustellen“, erklärt Breidt und schreitet selbst zur Tat: Statt den Brunnen zu weihen, nimmt er einen kräftigen Schluck, sammelt das Wasser in seinem Munde und versprüht es auf die verdutzte Fraa Rauscher.

Beim Affenbrunnen, der auf das mittelalterliche Avetor und „den Aff“ der Zecher in den umliegenden Ebbelweiwirtschaften anspielt, laufen die „Star Breakers“ noch mal zur Höchstform auf. Am Sonntag steigen das Kinderfest und die Kinderbrunnenbegehung, diesmal inspiriert von Schneewittchen. Und am heutigen Montag geht das Brunnenfest auf dem Paradiesplatz mit dem Sachsenhäuser Gickel-

schmiss um 19 Uhr, DJ Präsi um 20 Uhr und dem Trauerzug zur Kerbebeerdigung um 21 Uhr zu Ende.

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